"Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht"
Anarchistische Zeitung für den deutschsprachigen Raum (Karlsruhe, 1978 ff.)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 14.3.2020


Die Datenbank MAO ist ein
vollständig selbstfinanziertes Projekt.
Unterstützen Sie uns durch:

"Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht" war eine anarchistische Zeitschrift aus dem badischen Raum mit "regionalen und überregionalen Informationen". Die Herausgeber verstanden sich als Anarchisten. Eine Null-Nummer erschien im April 1978 in Karlsruhe. Laut DadA erschien der "Gockler" mit Unterbrechungen bis 1986 (Nr. 24), teilweise mit der Beilage "Die weiße Henne". Hier können nur vier Ausgaben aus 1978 vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

In der Null-Nummer wurde zur Herausgabe u. a. erklärt: "An sich ist der 'Gockler' gar nicht schwarz, - nein! - denn er hat einen roten Schnabel und viele seiner zahlreichen Federn haben rote Köpfe. Daher wäre es wohl richtiger zu sagen; der schwarz/rote Gockler! Aber aus drucktechnischen und daher finanziellen Gründen haben wir uns für einen ganz schwarzen Gockler entschieden.

Das hat außer den genannten noch einen Vorteil, - er sticht aus der Masse der vielen roten und weniger zahlreich vertretenen schwarz/roten Exemplare seiner Gattung heraus. Außerdem hat er noch ein wichtiges Merkmal. Während seine Artgenossen noch schlafen und auf den beginnenden Tag warten, hören wir seine Stimme - entgegen der Gewohnheit seiner Art - schon im Dunkel der Nacht. (…)

die Stimme des Schwarzen Gockler's soll auch ihnen die Dinge verkünden die er sieht und wahrnimmt.

Denn noch zwei hervorstechende Merkmale zeichnen den 'Schwarzen Gockler' auch unter seinesgleichen aus. Erstens sieht er wesentlich besser als seine Artgenossen, genauer gesagt: durch einen Zufall der Natur hat er die Augen eines Luchses erhalten, die ihm helfen auch bei mondlosen Nächten alle Bewegungen im Dunkel der Nacht genau zu erkennen. Und zweitens: er kann im Gegensatz zu vielen anderen seiner Art noch fliegen und ist daher beweglich und nicht wie viele seiner Brüder und Schwestern an seinen Käfig gebunden.

Er fliegt im Schutze der Nacht umher, wobei ihn sein fast schwarzes Federkleid für andere Augen kaum wahrnehmbar macht.

(…)

Doch je mehr wir seine Stimme hören und je mehr wir ihm Dinge mitteilen die wir sehen, umso größer ist seine Überlebensmöglichkeit und je näher rückt der Tag, der dieses Dunkelste aller Zeitalter als einen Spuk von gestern verschwinden läßt.

In diesem Sinne ruft der Schwarze Gockler alle Kampfgefährten und Artgenossen auf, in dieser großen Dunkelheit eine Front zu bilden die den neuen Tag mit offenen Augen und geschärften Krallen erwartet und erkämpft. Dafür erhebt Der Schwarze Gockler seine Stimme." (Der Schwarze Gockler, Nr. 0, April 1978, S. 2)

In der Ausgabe 1/1978 wird hinzugefügt: "Wir versuchen mit Hilfe dieser Zeitung als Anarchisten klare Aussagen zu gesellschaftlichen Vorgängen zu treffen und diese aus unserer Sicht zu bewerten. (…) Wir wollen mit dieser Zeitung dazu beitragen, dass die vorhandenen Ansätze der Selbstorganisation sich zu gemeinsamem Handeln weiterentwickelt und diese selbstorganisierten und selbstverwalteten Fabriken und Werkstätten, Stadtteile und Kommunen die Grundlage einer zukünftigen Gesellschaft bilden". (Der Schwarze Gockler, Nr. 1/1978, S. 2)

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

April 1978:
Es erscheint die Null-Nummer der anarchistischen Zeitung "Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht".

Eingangs heißt es in "Noch einige Worte" zur Herausgabe: "Wir werden versuchen die Zeitung fast allmonatlich erscheinen zu lassen und haben uns nach langem hin und her für das DINA-3 Format entschieden um den Zeitungscharakter zu unterstreichen. Wir bringen regionale und überregionale Informationen sowie Artikel die zwar nicht jedem gerecht werden, dafür aber dennoch informativ sind. (…) Wir, dass sind eine Frau und zwei Männer, haben das eingetroffene Material gesichtet nach unseren Interessengebieten geordnet. Unsere Themenbereiche waren: a) Randgruppen und soziale Ungerechtigkeiten b) Gewerkschaft, Gesellschaft und Staat c) Ökologie und Alternativbewegung, Frauenbewegung sowie Kultur und Kunst. Für die beiden letztgenannten, also Kunst und Kultur wollen wir in Zukunft eine Extrabeilage machen, die frei gestaltet wird. (…) Die Redaktion bleibt offen für Mitarbeit und Beiträge aller Interessierten".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Editorial"
- "Noch einige Worte"
- "Karlsruhe. Erich Mühsam Zentrum eröffnet"
- "Heidelberg, eine besetzte Stadt"
- "Irland"
- "Fußball und Folter"
- "Rohöl ist wie ein ungeschliffener Diamat"
- "Ausland" (u. a. Frankreich, Holland, USA)
- "DES und Brustkrebs"
- "Belgien: Der befreite Besen"
- "Italien: Terror"
- "Internationaler Anarchistenkongress in Carrara"
- "Spanien"
- "Frauenkongress"
- "Internationaler antimilitaristische gewaltloser Marsch in Katalonien"
- "Trotz alledem: Die CNT lebt!"
- "Peru: Repressionsmaßnahmen gegen Landbesetzer"
- "In Erinnerung an die 'Freie Arbeiterstimme"
- "Strafvollzug"
- "Knast und was dann?"
- "Tunesien: Gewerkschaft contra Regierung"
- "Schöner Wohnen"
- "Gegen die tödliche Gedankenlosigkeit"
- "Die Seite der Kunst und Kultur: Graphik aus Kohle"

Berichtet wird über die Eröffnung des "Erich Mühsam Zentrums" in Karlsruhe am 6.4.1978. Dort sei auch die "Gustav Landauer Bibliothek" gegründet worden. Das Karlsruher "Anarcho-Plenum" trifft sich dort jeden Donnerstag. In Wetzlar befindet sich seit Herbst 1977 "ein anarchistisches Dokumentationszentrum, das aus einem Archiv, einer Bibliothek und den in Presse- und Verlagsarbeit gesammelten Material zusammengesetzt ist". In Heidelberg hat es Auseinandersetzungen "über die beabsichtigte Schließung des Kollegium Akademicum" gegeben. Berichtet wird weiter über die Gründung des "Arbeitskreises Alternative Technologie", in dem die ESG und die KSG involviert sind. Berichtet wird weiter über Speyer. Hier wurde bereits im Februar eine "Initiative autonome Gruppe Speyer" gegründet. Die "Wanderausstellung" zum Thema: "Fußball und Folter - Argentinische Realität", wird vom 28.3. an gezeigt. U. a. in Tübingen, Konstanz, Hamburg, Frankfurt/M., Mannheim, Ulm, Nürnberg, Bremen.
Geworben wird für: Murray Bookchin: "Für eine befreiende Technologie". Bekannt gegeben wird, dass Willy Huppertz am 12.3.1978 verstorben ist.
Quelle: Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht, Jg. 1, Nr. 0, Karlsruhe, April 1978.

Juni 1978:
Es erscheint die Nr. 1 der anarchistischen Zeitung "Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht".

In "Warum diese Zeitung?" wird ausgeführt: "Warum wir diese Zeitung machen und was wir damit erreichen wollen? Nun, wir sind Schüler, Lehrlinge und Arbeiter/innen und müssen uns immer wieder neu bemühen, diese Zeitung so zu gestalten, dass sie unseren Anspruch an Inhalten und Aussehen befriedigt Aufgrund unserer gemeinsamen redaktionellen Arbeit an dieser Zeitung werden wir unsere Beziehung zur anarchistischen Lehre überprüfen. Wir werden daher mit dieser Zeitung unsere Vorstellungen über eine herrschaftslose Gesellschaftsordnung klären und werden dadurch auch zur Findung der Standpunkte unserer Leserschaft beitragen. Wir versuchen mit Hilfe dieser Zeitung als Anarchisten klare Aussagen zu gesellschaftlichen Vorgängen zu treffen und diese aus unserer Sicht zu bewerten. (…) Wir wollen mit dieser Zeitung dazu beitragen, dass die vorhandenen Ansätze der Selbstorganisation sich zu gemeinsamem Handeln weiterentwickelt und diese selbstorganisierten und selbstverwalteten Fabriken und Werkstätten, Stadtteile und Kommunen die Grundlage einer zukünftigen Gesellschaft bilden".

Artikel der Ausgabe sind:
- "Statt Essen: Diskussion. Streik der Gastwirte"
- "Gibst Du mir dein Kaugummi, kriegst Du von mir ein Micky-Maus-Heft"
- "Wir wollen uns helfen"
- "Recht auf Arbeit, oder Wohlstand für alle"
- "Erfahrungen auf dem Arbeitsamt"
- "Von der Anarchie bis Ostfriesenabitur"
- "Eine andere Möglichkeit"
- "Urbanes Wohnen
- "Superschaffe"
- "Fußballfolter"
- "Sag Du Frau"
- "Das unvermeidliche Risiko. Hintergrundinformationen zum Fall der Amoco-Cadiz"
- "Jetzt geht's los"
- "Wenn nachts die Katzen heulen"
- "Baum für Baum stirbt unser Wald"
- "Anarchie kennt keine Grenze"
- "Phantomzug"
- "Auf dem langen Weg"

Berichtet wird über den Dachverband "Urbanes Wohnen", der sich in einigen Großstädten gegründet hat, weiter über Folter in Argentinien während der Fußballweltmeisterschaft, weiter über den Fall des Tankers 'Amoco-Cadiz" und die Ölkatastrophe. Berichtet wird noch über das KKW Neupotz, das in Planung sei (16.6.77), über den "3. Internationalen Kongress der anarchistischen Vereinigung" vom 23.-27. März in Carrara (Italien), über eine Rundreise der "Pan-Indianischen Delegation", die am 5.5. in der BRD beginnen soll. Geworben wird für Alexander Berkmann: "Die Kronstadt Rebellion".
Q: Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht, Jg. 1, Nr. 1, Karlsruhe, Juni 1978.

Juli 1978:
Es erscheint die Nr. 2 der anarchistischen Zeitung "Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Ausnahmezustand in West-Berlin"
- "Die Opposition wird mundtot gemacht"
- "Gemeinsame Stellungnahme der Alternativzeitungen im Stuttgarter Raum zur Durchsuchung bei 'Fantasia' und zur Verhaftung von D."
- "Aktion statt Sekt. Kurzbericht über das 80er Symposium von 'Community Action Europ"
- "3. Internationales anarchistische Zeltlager 4.-6.August"
- "Warum diese Zeitung?"
- "Sturm im Wasserglas"
- "Haut den Pfau in die Pfanne!"
- "David Luschnat: Magie des Wortes"
- "Schriftsteller und Krieg"
- "Steine im Glashaus"
- "§ 88, 130, 218. Sollen wir abtreiben?"
- "Zwischen gestern und morgen"
- "Tarzan Bundolo!"

Berichtet wird über West-Berlin und einen dortigen "Ausnahmezustand", der seit dem 28.5. auf der Tagesordnung steht, über die "Agit-Drucker" und ihre Anklage im Herbst 1977, über die "Fantasia-Druckerei" in Stuttgart, wo am 18.5. eine "Hausdurchsuchung" stattfand, weiter über das "3. Internationale anarchistische Zeltlager", das vom 4.-6.August in Schwäbisch Hall stattfinden soll. Berichtet wird noch über Mitglieder der "Internationalen revolutionären Solidaritätsbewegung", die in Stockholm angeklagt sind, "im September 1975 vor der spanischen Reiseagentur in Stockholm eine 'Scheinbombe' gelegt zu haben", über die "Initiative Freie Arbeiter Union Karlsruhe", die ab dem 22.5. beschlossen haben, als diese öffentlich aufzutreten und zu arbeiten.
Q: Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht, Jg. 1, Nr. 2, Karlsruhe, Juli 1978.

Oktober 1978:
Es erscheint die Nr. 5 der anarchistischen Zeitung "Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Scharren wir im Dunkeln?"
- "Schwäbisch Hall/Bundesrepublik"
- "Olten/Schweiz"
- "Bade-Baden/Bundesrepublik"
- "Der Abrieb wird immer größer. Wann geht Michelin eigentlich die Luft aus?"
- "Im Schatten des Mörder Kreuzes"
- "Barcelona/Spanien"
- "Die Welt der Schatten"
- "Was nie passieren darf. Der Tod von Fessenheim. Lautlos und unsichtbar (von Stephan Walther)"
- "Für einen Staat lohnt es sich nicht zu leben, doch für das Leben lohnt es sich zu kämpfen"
- "Nürnberg/Bundesrepublik"
- "London/England/Osteuropa"
- "Nürnberg/Bundesrepublik"
- "Jenseits von Gut und Böse"
- "Staubige Bundesrepublik"
- "Parvos Guatemala"
- "Dartmoor/England"
- "Dunkelheit kriecht mir ins Blut. Zur Lage der Bewegung in Griechenland"
- "Kollektiver gewaltfreier Widerstand in Karlsruhe"
- "Der Tanz der grünen Kraft"

Berichtet wird u. a. über die Schweiz, wo im Juli 1977 Aktionen gegen das geplante AKW stattfanden, über Schwäbisch-Hall und die "Haller Gruppe freiheitlicher Sozialisten", über Baden-Baden, wo am 6.10. eine Demo für die Haftentlassung von Joachim Schnorr stattfand. Weiter über eine Demo am 17.9. in Mannheim gegen den NPD-Parteitag, über Nürnberg, wo am 7.9. eine Hausdurchsuchung der "Gefangenengruppe Nürnberg" stattfand, über ein Treffen von Totalverweigerern in Kehl vom 8.-10.9.1978.
Q: Der Schwarze Gockler, der im Dunkeln kräht, Jg. 1, Nr. 5, Karlsruhe, Oktober 1978.

Letzte Änderung: 14.03.2020