"Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" (ID), Frankfurt/M.

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 12.9.2021

Der "Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" (ID) erschien von Juli 1973 (Nr. 1) bis 1981 (Nr. 370/371). Herausgegeben wurde er in Frankfurt am Main von einem Redaktionskollektiv. Die ersten drei Ausgaben erschienen als "Probenummern". Ab dem 1. Oktober erschien der ID dann regelmäßig, einmal in der Woche (vgl. ID, Nr. 3, S. 2). Der ID verarbeitete im Laufe der Zeit Nachrichten, Berichte und Dokumente, die in den sog. "bürgerlichen Zeitungen" nicht oder kaum auftauchten. Auch Nachrichten zu (wichtigen) Ereignissen aus dem europäischen Raum, die sonst kaum Berücksichtigung fanden, erschienen im ID. Insofern war er in Teilen etwa mit dem "Berliner Extra-Dienst" deckungsgleich. Ferner war beabsichtigt, ein "Informations- und Korrespondentennetz" aufzubauen.

Siehe auch das "Projekt Gedächtnis. ID-Artikel zum Thema Gegenöffentlichkeit 1973-1981, 2. Auflage 1990

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Juli 1973:
Vermutlich im Juli erscheint die Nr. 1 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M. mit einer "Erklärung des "ID-Kollektivs".
Darin heißt es: "Das ist nun der erste Versuch (die erste Nummer) eines überregionalen Informationsbulletins für Deutschland, das regelmäßig erscheinen soll. Wahrscheinlich werden die nächsten Nummern bis zum Herbst noch nicht mit der angestrebten Regelmäßigkeit erscheinen können, zum einen, weil im Augenblick sogenannte saure Gurkenzeit ist (Urlaubszeit + Semesterferien), zum anderen, weil ihr, und das auch nicht ganz unbegründet, Informationen nicht an Leute schicken wollt, von denen ihr nicht wisst, wer sie sind und in welcher Form sie arbeiten wollen.

Hier soll nun dieses Bulletin die Lücke etwas schließen. Es ist noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern Objekt nun hoffentlich einsetzender Kritik und Grund. (…) Außer den inländischen Informationen verwerten wir auch ausländische alternative Presseagenturen, so z. B. FNS/England, APL/Frankreich, die aber leider auch in der Sommerpause sind. (…) Wir denken uns, dass die Zielgruppen des Informationsdienstes emanzipatorisch arbeitende Gruppen, linke Zeitungen und linke Journalisten in den bürgerlichen Medien sind. (…) Da die bürgerlichen Medien aber aufgrund ihrer Stellung, im Verwertungsprozess auch nur ein Abnehmer sein können und auf die oben genannten Abnehmer nicht verzichtet werden kann, dürften unserer Meinung nach die Zielgruppen nicht alternativ diskutiert werden. Aber für ein Fernschreibernetz fehlt es zurzeit ohnehin am Geld und am Korrespondentennetz. Wir meinen, dass-ob mit oder ohne Fernschreiber-aus dem Informationsdienst früher oder später eine Wochenzeitung, längerfristig eine überregionale linke Tageszeitung werden müsste.

Jetzt geht es vorrangig darum, ein Netz von Korrespondenten im nationalen und internationalen Bereich aufzubauen und einen Abnehmerkreis zu gewinnen. Die politische Linie des Informationsdienstes stellt sich über die Aktivitäten von Basisinitiativen, politischen Gruppen und Organisationen her".

Inhalt:
INLAND
- "Erklärung des Kollektivs"
- "Berlin: Bericht über Militärprozess gegen Larry Johnson
- "Berlin: Buchladenkollektiv Savignyplatz"
- "Berlin: Presseerklärung der RAF-Verteidiger"
- "Köln: Volksküche in Köln-Niel?"
- "Köln: Kill: Kölner Info linker Leute"
- "München: Laster raus, weg mit dem Gestank, BMW macht die Leute krank"
- "Frankfurt/M.: Bleichstraße(Stadtkampf)"
- "Bonn: Presserklärung des deutschen Komittees für Angola, Guinea-Bissau und Mocsambique"
- "München: Strafantrag gegen Trikont-Verlag wegen Platte"
- "Frankfurt/M.: Hintergründe der Auslieferung della Savias"
- "Frankfurt/M.: Offener Brief an den Bundesminister für Justiz und an den Bundesminister für Inneres"

AUSLAND
- "London: Stoke Newington Five Komitee"
- "London: Multinationales Emigrantenzentrum"
- "Nottingham: Gefeuerte Drucker und Journalisten geben eine Zeitung raus"
- "Besancon: LIP Arbeiter kontrollieren Journalisten"
- "Spanien: Erklärung politischer Gefangener zu ihrem Hungerstreik"

DOKUMENTE
- "I: Bericht zur Situation um die besetzten Häuser"
- "II: Bericht des Mietstreik-Kollektivs Bergerstraße 252"

Berichtet wird u. a. vom "Buchladenkollektiv Savignyplatz" aus West-Berlin, über ein Militärgerichtsverfahren in Kaiserslautern vom 19.6.1973, über RA Ströbele und dessen Verteidigerpost, wo Kritik an der Bundesanwaltschaft geübt wird. Weiter wird berichtet über die Kölner "Sozialistische Initiative", die eine "Volksküche" plant, über die Kölner "Projektgruppe Gegenöffentlichkeit" des "Sozialistischen Patientenkollektivs Köln". Die "Arbeitersache" aus München agitiert gegen BMW und den "gesundheitsschädlichen Gestank aus der Lackiererei". In Frankfurt/M. konstituiert sich die "Bürgerinitiative Bleichstraße". Veröffentlicht wird eine "Presseerklärung des Deutschen Komitees für Angola, Guinea-Bissau und Mosambik". Gegen den Trikont-Verlag aus München wird wegen einer LP "mit Liedern der neu entstandenen Arbeiterbewegung" ermittelt. Das Frankfurter "Komitee gegen die Isolationsfolter an politischen Gefangenen" richtet einen "Offenen Brief an den Bundesminister der Justiz" und den Bundesminister des Inneren". Berichtet wird noch vom Hungerstreik der "politischen Gefangenen" in Soria, über Hausbesetzungen in Frankfurt/M. (Bockenheimer Landstraße und Schumannstraße) und zum "Mieterstreik-Kollektiv Bergerstraße" in Frankfurt/M."
Quelle: ID, Jg. 1., Nr. 1, Frankfurt/M., (Juli 1973).

August 1973:
Vermutlich Anfang August erscheint die Nr. 2 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M. Auf dem Cover wird die "Sozialistische Presse Agentur" (SAP) als Mitherausgeber genannt.

Inhalt:
INLAND
- "ERKLÄRUNG ZUR ZWANGSUNTERSUCHUNG VON ULRIKE MEINHOF"
- "BOCHUM: ZUR MEDIZINISCHEN SEITE"
- "KÖLN: DEMONSTRATION DER LIGA GEGEN DEN IMPERIALISMUS GEGEN DIE ZWANGSUNTERSUCHUNG"
- "NEUSS: STREIK BEI DER PIERBURG-AUTOGERÄTEBAU"
- "RÜSSELSHEIM: KURZARBEIT BEIM OPEL?"
- "FREIBURG/FRANKFURT: POLIZEIAKTIONEN GEGEN HAUSBESETZUNG UND MIETSTREIK"
- "BRUCHSAL: DOCH REVOLTE IM BRUCHSALER KNAST"
- "STUTTGART: JOURNAL'G'-ZEITUNG ÜBER DIE LAGE DER IMMIGRANTEN
- "STUTTGART: STADTZEITUNG"
- "KÖLN: SPK PLANT DOKUMENTATION ÜBER UMWELTVERNICHTUNG"

AUSLAND
- "BRASILIEN IN AFRIKA"
- "BRASILIEN: 'DOKUMENT' ZUM BEVORSTEHENDEN BESUCH DES BRASILIANISCHEN AUßENMINISTERS"
- "NAMIBIA: VERSTÄRKTER MILITÄRISCHER WIDERSTAND GEGEN SÜDAFRIKA"
- "OKLAHOMA: 9-TAGE-AUFSTAND IM STAATSGEFÄNGNIS BEENDET"

DOKUMENTATION
- "ARBEITERKUNST BEI LIP"

LETZTE MELDUNGEN
- "BESANCON: LIP-WERKE GERÄUMT"
- "NEUSS: ZUM STREIK BEI PIERBURG"

Berichtet wird u. a. über eine "Erklärung zur Zwangsuntersuchung von U. Meinhof", über die "Rote Hilfe Frankfurt/M.", über eine Demo in Köln der Liga "gegen die Zwangsuntersuchung", über den Streik bei Pierburg", über Opel-Rüsselsheim, über besetzte Häuser in der Frankfurter Hummelstraße und einem Polizeieinsatz. Hausdurchsuchungen sollen in der Frankfurter Heidestraße und der Seckbacher Landstraße durch die Polizei stattgefunden haben. Berichtet wird weiter über das "Stuttgarter Plakat", eine Stadtzeitung, herausgegeben vom "Kommunalpolitischen Arbeitskreis". Die "Projektgruppe Gegenöffentlichkeit im SPK-Köln" plant eine Doku "Über Umweltvernichtung in der BRD". Berichtet wird noch über Brasilien, Namibia und über einen Aufstand im Oklahoma-Staatsgefängnis und über die Räumung bei LIP.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 2, Frankfurt/M., (August 1973).

September 1973:
Vermutlich Anfang September erscheint die Nr. 3 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
Einleitend heißt es in der "Mitteilung des Redaktionskollektivs2: "Das ist die dritte Probenummer 'INFORMATIONS-DIENST (ID) zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten', vorher SPA. Ab 1. Oktober erscheint das ID - Bulletin regelmäßig, einmal in der Woche. Bis dahin werden voraussichtlich noch zwei Nummern erscheinen. (…) Dies ist die letzte Ausgabe, die wir an alle uns bekannten Adressen verschicken können, in Zukunft wird nur ein bescheidener Teil der Auflage als Probeexemplar verschickt werden".

Inhalt:
INLAND
- "Frankfurt: 14. Haus besetzt"
- "Neuss: Damit Ruhe und Ordnung wiederkehrt, streiken wir mit (Streik beim Pierburg)"
- "Aachen: Arbeiterdemonstration"
- "Bochum: "Solidaritätserklärung Bochumer Pfarrer zu den 'wilden Streiks"
- "Frankfurt: "Wissenschaftlicher Ratschläge für die Niederschlagung spontaner Streiks"
- "Bochum: Hausdurchsuchung Wohlfahrtstraße 86"
- "Berlin: Aktenzeichen (514) 1 P KLs 8/72 (81/72)"
- "Dortmund: Friedenswoche"
- "Neustadt: Koordinationsbüro der Jugendzentren"
- "Darmstadt: Alternativzentrum"
- "Duisburg: Rote Hilfe bittet um Partnerschaftsabos"
- "Berlin: Aufruf des Komittees 'Solidarität mit Chile'"

DOKUMENTATION
- "Fordwerke Drei und halb Tage besetzt"

AUSLAND
- "Besancon/LIP: Lohnauszahlung trotz Räumung"
- "Italien: KPI fordert Gewerkschaft für die Polizei"
- "Brasilien: Bauernaufstand"
- "USA: Big Brother in hunderten von US-Städten"
- "Boston: Nixon hochgradig neurotisch"
- "Larzac/F: Derselbe Kampf, dasselbe Fest"

Berichtet wird u. a. über eine Hausbesetzung in Frankfurt/M. (14. Haus), über einen Abschlussbericht über den Streik "beim Pierburg", über eine Hausdurchsuchung in Bochum am 16.8. Danach sollen Notizen von G. Kröcher der Grund für die Aktion gewesen sein. Die ESG Bochum, VDK Bochum und die Jusos protestierten. Berichtet wird weiter über eine Dortmunder Friedenswoche vom 15.-20.9., über das "Alternativzentrum Darmstadt, "das sich als Info- und Koordinationstützpunkt" versteht. Die RH-Duisburg bittet um Partnerschaftsabos. Das West-Berliner Komitee "Solidarität mit Chile" gibt ihre "Chile-Nachrichten" heraus. In Neustadt existiert ein "Koordinationsbüro der Jugendzentrumsbewegung". Berichtet wird noch über den Streik bei Ford in Köln an dem auch "2.000 türkische Kollegen" teilnahmen und aus Italien, wo die KP eine Gewerkschaft für die Polizei fordert, sowie von einem Bauernaufstand aus Brasilien, über Nixon und Larzac.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 3, Frankfurt/M., (Anfang September 1973).

10.09.1973:
Es erscheint die Nr. 4 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
Einleitend heißt es: "Das ist die vierte Probenummer des INFORMATIONS-DIENSTes (ID) zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten". Ab 1. Oktober erscheint das ID-Bulletin regelmäßig, einmal in der Woche. WIR BRAUCHEN EURE KRITIKEN, VORSCHLÄGE UND MITARBEIT! Wie auch die Beiträge dieser Nummer zeigen, gibt es erste Ansätze eines Nachrichtenaustausches mit den Gruppen und Individuen".

Inhalt:
INLAND
- "Bochum: Solidaritätskomitee für die entlassenen Opelarbeiter"
- "Aachen: Bleib lustig Streik, bleib lustig"
- "Frankfurt: 14. Haus besetzt-Fortsetzung"
- "Bonn: FRELIMO: Keine Hilfe von falschen Freunden"
- "Kassel: Wyoming Bender, American Indian"
- "Berlin: Anhang zum Aktenzeichen (514)"
- "Hannover: Unabhängiges Jugendzentrum"
- "Hannover: Unabhängiges Tonstudio"
- "München: CISNU-Mitglied droht sofortige Ausweisung

AUSLAND
- "Lüttich: Die Streikbewegung weitet sich aus"
- "Saint-Die: Weitere Fabrikbesetzung in Frankreich"
- "Lausanne: Proteste und militante Aktionen von der Kirche bis zu den Linken gegen 'comptoir suisse'"
- "Spanien: Brief aus dem Gefängnis von Carabanchel"
- "Bern: Antikapitalistische Stimmung am 33. Kongress des schwizerischen Verbandes des Personals öffentlicher Dienste (Vpod)"
- "Rom: Kampagne für ein 'Russel-Tribunal' über Brasilien"
- "Saigon: Sommer 73

DOKUMENTATION
- "Experimente mit dem Gehirn von Gefangenen"

- "Chile: GLAUBT KEIN WORT DER 'OFFIZIELLEN' NACHRICHTEN! DIE CHILENISCHE BOTSCHAFT IN BONN STEHT AN DER SEITE DER FASCHISTEN! DAS VOLK KÄMPFT GEGEN DIE MÖRDER VON ALLENDE!"
- "Letzte Meldung: Frankfurt: Bewohner im Spekulationsobjekt Niedenau 12 ermordet".

Berichtet wird u. a. über die "Presseerklärung des Solidaritätskomitees für die entlassenen Opel-Arbeiter" aus Bochum. Danach sind 4 Kollegen "fristlos entlassen" worden, weiter über die Hausbesetzung in der Friesengasse 7, über die FRELIMO, die "ein Hilfsangebot der Bundesrepublik abgelehnt habe", über das "Unabhängige Jugendzentrum Hannover", in dem es Möglichkeiten für "politisch und sozial arbeitende Gruppen gibt". So ist es u. a. "Stützpunkt" für die "Stadtzeitung "Hannoversche Fresse". In Hannover existiert seit Ende 1970 auch ein unabhängiges Tonstudio, die "Toncooperative". Berichtet wird noch aus Spanien, aus Bern und aus Rom. Dort soll möglicherweise schon im Oktober ein "Russell-Tribunal" über Brasilien stattfinden. Im "Spekulationsobjekt Niedenau 12" soll ein Bewohner "ermordet" worden sein.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 4, Frankfurt/M., 10. September 1973.

29.09.1973:
Es erscheint die Nr. 5 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M. Eingangs heißt es: "Das ist die fünfte (Probe)Nummer. Ab Anfang Oktober erscheint das ID - Bulletin regelmäßig, einmal in der Woche'".

Inhalt:
INLAND
- "Bochum: Nach dem Streik"
- "Dortmund: Forderungen der Belegschaftsversammlung der Hoesch-Hüttenwerke AG"
- "Köln: Der Streikverlauf bei Ford"
- "Berlin: Sonderabteilung in der Justizvollzugsanstalt Berlin, Seidelstrasse"
- "Berlin: Prozess gegen Heinz Jansen"
- "Frankfurt: Prozesstermine"
- "Minden: 500-Mann-Betrieb über Nacht von Banken ausgeräumt"
- "Heidelberg: Fight back-Zeitung der GI's"
- "Stuttgart: Neue Rockshow der Volks-Musik"
- "DOKUMENTATION"
- "Frankfurt: Was hat uns bewogen, ein Haus in der Friesengasse zu besetzen?"

AUSLAND
- "Lüttich: Manifest der europäischen Solidaritätskomitees mit dem Chilenischen Volk"
- "London: Protestaktion gegen Ermordung von 11 schwarzen Arbeitern"
- "New York: Terroranschläge auf Indianer in Wounded Knee"
- "Chile: Klaus Meschkat auf der KZ-Insel Quiriquina

DOKUMENTATION
- "Chile: Das Volk kämpft trotz Nachrichtensperre weiter"

Berichtet wird u. a. über Hoesch und die "Forderungen der Belegschaftsversammlung". Danach soll von der Verhandlungsführung der IG Metall in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern "eine Reallohnerhöhung von mindestens 20%" gefordert werden. Die Laufzeit des Tarifvertrages "darf 9 Monate nicht überschreiten", weiter über den Ford-Streik. Solidarität mit den entlassenen Ford-Arbeitern wird eingefordert. Eine Broschüre mit einer Dokumentation nennt sich: "Der Streikverlauf". Dazu wird ein Schaubild über den Streikzug veröffentlicht. Berichtet wird vom Prozess gegen Heinz Jansen, der am 22.12. verhaftet wurde und fast "3 Jahre in Untersuchungshaft" sitzt. Jansen wird vorgeworfen, "einer kriminellen Vereinigung angehört zu haben". Berichtet wird über den Prozess gegen Astrid Proll und Marianne Herzog. Veröffentlicht wird der "Aufruf des Komitees für Internationalen Arbeitersport (CSIT)". Man will sich "mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die Sportbewegung der BRD im Geiste des Friedens, der Völkerverständigung handelt, dass sie alle chauvinistischen und nationalistischen Kräfte bekämpft und so den Prinzipien der olympischen Idee de Coubertins gerecht wird". "Fight back" heißt eine neue Zeitung der GI's aus Heidelberg. Berichtet wird weiter über die Hausbesetzung in der Frankfurter Friesengasse. Aus Lüttich wird über ein "Manifest der europäischen Solidaritätskomitees mit dem chilenischen Volk" berichtet. Aufgerufen wird zur "Solidarität mit den kämpfenden Arbeitern Chiles". Berichtet wird noch von Überfällen in New York gegen militante Indianer. Die Bundespolizei habe bei Auseinandersetzungen "2 Mitglieder des AIM (American Indian Movement) erschossen". Klaus Meschkat wurde in Chile verhaftet. Angeblich sei er ein "feindlicher Ausländer". Berichtet wird noch über die "Chile-Nachrichten", die vom Komitee "Solidarität mit Chile" herausgegeben werden. Zudem werden Ausschnitte aus einem Brief vom 25.8.1973 aus "Concepcion" veröffentlicht.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 5, Frankfurt/M., 29. September 1973.

07.10.1973:
Es erscheint die Nr. 6 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
Inhalt:
INLAND
- "Irland"
- "Traunreut: Streik bei Siemens"
- "Hamburg: Prozess gegen Hausbesetzer"
- "Duisburg: Kommunistischer Thyssen-Arbeiter Günther Wagner verschleppt!"
- "Bochum: Auszug aus der Solidaritätserklärung der ESG zur Verhaftung Wagners"
- "Frankfurt: Prozess wegen Sachbeschädigung"
- "Berlin: Chile-Komitee veranstaltete Solidaritätsabend"
- "Stuttgart: Plakat-Bauernverlag"

AUSLAND
- "Chile: Allende plante Volksabstimmung
- "Chile: Der 'Erfolg' der Putschisten"
- "Argentinien: Internationale Brigaden für Chile"
- "Paris: Frankreichs freie Presseagentur schließt"
- "Besancon: Langer Marsch zu LIP"
- "London: Erstes Frauentheatertreffen in England"
- "Chicago: Demonstration gegen Preissteigerung"
- "Indonesien: Massaker an chinesischer Minderheit"
- "Italien, Frankreich, England: Streiks in drei Staaten"

DOKUMENTATION
- "Uruguay: Appell der Tupamaros ans Volk"

Berichtet wird u. a. über Siemens-Traunreut. Dort ist eine Frauengruppe aktiv. Gefordert wird u. "15% Lohnerhöhung sofort für alle", über einen Prozess gegen Hausbesetzer in Hamburg, über Duisburg, wo G. Wagner am 28.9.1973 verhaftet worden sei. Die ESG-Bochum gibt eine "Solidaritätserklärung zur Verhaftung Wagners" heraus. Das Chile-Komitee West-Berlin veranstaltete am 24.9. einen Solidaritätsabend für Chile. Berichtet wird weiter über den Stuttgarter "Plakat-Bauernverlag", der aus Mitgliedern des "Arbeitskreises Agrarpolitik" an der Uni in Stuttgart-Hohenheim und des "Plakatkollektivs-Stuttgart" besteht. Der AK gibt die Zeitung: "Zur Sache" heraus. Sie ist gerichtet an Landjugendliche und Agrarstudenten". Die "Chile-Nachrichten" steuern zur Ausgabe einen Artikel bei. Einige Mitglieder der "Revolutionären argentinischen Organisation" wollen gegen die Militärjunta in Chile kämpfen. In London soll am 8.10. das erste "Women Theater Festival" stattfinden. Am, 5.8. soll es in Indonesien ein Massaker an Chinesen gegeben haben. Berichtet wird noch über die Tupamaros. Ein Appell lautet: "Organisieren wir den Volkskrieg gegen die Diktatur". Der Aufruf ist aus den Juli 1973.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 6, Frankfurt/M., 7. Oktober 1973.

17.11.1973:
Es erscheint die Nr. 12 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
Inhalt:
INLAND
- "Erklärung des Kollektivs"
- "Wetzlar: Anarchistenfahndung in Wetzlar/Gießen"
- "Frankfurt: Selbstorganisation der Gefangenen in der BRD"
- "Frankfurt: Gefangenenrat von Gefängnisleitung angeklagt"
- "Frankfurt: Protest gegen die Internierung von Kindern in der Frankfurter Frauenhaftanstalt"
- "Hamburg: "SPD-Behörde verhindert Solidaritätssammlung für den antifaschistischen Kampf in Chile"
- "Hannover: Hausdurchsuchung bei dem deutschen Friedensgespräch mit der italienischen Theatergruppe 'la Commune'"
- "Sindlingen: Zeugenschlachtprozess gegen Marianne Herzog"
- "Erlangen: § 129-Verfahren gegen RH-Erlangen/Nürnberg"
- "Tübingen: Zwei politische Prozesse eingestellt"
- "Erlangen: Verbot sozialistischer Literatur an bayrischen Unis"

AUSLAND
- "Kuba: Kubaner zum faschistischen Putsch"
- "London: Squatters gewannen Streit mit den E-Werken"
- "Äthiopien: Politische Hintergründe der Hungersnot"
- "New York: Pro-arabische Versammlung in den USA"
- "Liverpool: Englische Docker boykottieren Chile"
- "London: Leere Kirche besetzt"
- "Irland: Zur Flucht der drei Provos"
- "British-Columbia: Co-ops für Selbstversorgung"

DOKUMENTATION
- "Dokument 1: Forderungen des Gefangenenrates Frankfurt"
- "Dokument 2: Wissenschaft für Vietnam in Italien"
- "Dokument 3: Ein Arbeitsvertrag von Neckermann"
- "Dokument 4: 5 Jahre Militärregierung in Peru"

In der "Erklärung des Kollektivs" wird u. a. ausgeführt:
"RICHTIGE INFORMATIONEN SIND FÜR UNS UNERLÄSSLICHE PRODUKTIONSMITTEL UND SCHLAGKRÄFTIGE WAFFEN IM KLASSENKAMPF!
Der Informationsdienst ist ein unabhängiges Bulletin zur Verbreitung von Nachrichten über Konflikte, Sauereien der Herrschenden, Aktivitäten an der Basis und Kämpfe in der Dritten Welt. Der Informationsdienst will die Manipulation und das Monopol der bürgerlichen Presse durchbrechen.

NACHRICHTEN KOMMEN VOM VOLK UND KEHREN ZUM VOLK ZURÜCK.
Damit wir das verwirklichen können, bitten wir um die Mitarbeit aller Individuen und Gruppen. Schickt uns Berichte über eure Aktivitäten, über Dinge, die euch nicht passen und die ihr verändern wollt. Schreibt uns oder ruft uns an. Im Augenblick sind wir eine Gruppe von 10 regelmäßig im Büro und an dem Projekt arbeitende Genossen und ein Haufen von Leuten, die hin und wieder mal reinschauen und locker mitarbeiten. Wir haben zurzeit Kontaktzentren in Berlin, Hamburg, Köln und München. Weitere werden in Hannover und Stuttgart folgen. In den größeren Städten arbeiten wir beim Aufbau von Kommunikationszentren mit, die für uns eine bessere Arbeitsmöglichkeit bieten. Von dort wird jederzeit die Möglichkeit gegeben sein Informationen an uns weiterzuleiten. An ausländischen Informationen können im Augenblick französische, englische, spanische, italienische und portugiesische übersetzt werden. (…)

Der Kreis der Mitarbeiter soll sich nicht auf Journalisten und bestehende Organisationen beschränken, vielmehr glauben wir, dass in verschiedenen Lebens-,Arbeits- und Organisationszusammenhängen Erfahrungen gemacht werden, die selbst mit Fehlern behaftet, wichtige Informationen für die emanzipatorische Bewegung darstellen, da nur so die verschiedenen Formen des Widerstands gegen die Unmenschlichkeit des täglichen Lebens zur gemeinsamen Erfahrung werden können.

Was ihr und wir, das ID-Kollektiv dazu beitragen können, das ist unserer Ansicht nach: PARTEILICHKEIT DER INFORMATION NICHT HEIßT: IM INTERESSE DES VOLKES DIE HALBE WAHRHEIT VERSCHWEIGEN. Schickt uns Nachrichten! (…)
Wir wollen keinen linken Journalismus aufbauen! Lasst die Betroffenen sprechen! Gebt den Aktivisten das Wort, nicht den Journalisten. Wir unterliegen keinem Formulierungsdruck, wenn nur klar wird, worum es geht. Auch sind wir gegen Trennung von Politik, Kultur, Sport, Frauenteil u. a. Macht der Bevölkerung, den Kollegen, den Genossen klar, dass sie selbst zu Wort kommen müssen, nicht die Herrschenden oder deren Handlanger bei den Medien.

Unsere Empfänger sind im Wesentlichen Gruppen, Kommunikationszentren, linke Stadtteil-u. Betriebszeitungen, Jugendzentren, Buchläden u. a., die als Multiplikatoren unsere Nachrichten weiter veröffentlichen. Aber darüber hinaus werden wir versuchen Arbeitsformen zu finden, die es möglich machen die Gegeninformationen auch unter dem Teil der Bevölkerung zu bringen, der zurzeit keine andere Alternative zu bürgerlichen Medien hat".

Berichtet wird u. a. über eine "Anarchistenfahndung" in Wetzlar, bei der "17 Personen festgenommen wurden". Der Aufhänger soll der "Einbruch in ein Lebensmittelgeschäft" gewesen sein, über die "Selbstorganisation der Gefangenen in der BRD". Die Gruppe besteht aus "entlassenen Strafgefangenen und ehemaligen Inhaftierten in psychiatrischen Haftanstalten". Gegen das Büro des "Gefangenenrates Frankfurt" sei nun ein Prozess angestrengt worden. Hintergrund: Man beschuldigt die Anstaltsleitung des Mordes. Berichtet wird weiter über die DFG/IDK. Die Geschäftsstelle in Hannover sei am 5.11. von der Polizei durchsucht worden, über den Prozess gegen Marianne Herzog. Weiter wird berichtet über die "Rote Hilfe" Erlangen/Nürnberg. Am 12.11. seien Ermittlungen aufgenommen worden, da ihre Tätigkeit als "Werbung für eine kriminelle Vereinigung" aufgefasst wird. An bayrischen Universitäten ist der Versuch unternommen worden, "die Büchertische in den Studentenwerken- und Gebäuden zu verbieten". Die Stadtteilgruppe Berlin-Kreuzberg hat die Broschüre: "Sanierung in Kreuzberg" herausgegeben. Berichtet wird noch von Kuba, aus Äthiopien und von einer "Pro-arabischen Versammlung" in New York. Demos zur Unterstützung des arabischen Volkes fanden in Michigan, in Chicago und Los Angeles statt. Im "Dokument 1" werden die Forderungen des Gefangenenrates Frankfurt/M. veröffentlicht, im "Dokument 2" wird über die Organisierung der "Kollektive Wissenschaft für Vietnam" in Italien berichtet. Diese hätten schon im November 1972 Treffen in Bologna organisiert und "Forschungsvorschläge" gesammelt. Im "Dokument 3", werden Teile des "Arbeitsvertrages von Neckermann" veröffentlicht.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 12, Frankfurt/M., 17. November 1973.

24.11.1973:
Es erscheint die Nr. 13 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M. Eingangs ruft das "ID-Kollektiv" zur Mitarbeit auf: "Wir wollen Berichte veröffentlichen über Gespräche und Ereignisse in der Bevölkerung anlässlich der sogenannten Energiekrise, insbesondere das Sonntagsfahrverbot, Brennstoffpreiserhöhung, etc. Kurz oder lang, handschriftlich oder mit der Maschine geschrieben".

Inhalt:
INLAND
- "Berlin: 10 Jahre für Heinz Jansen"
- "Berlin: Schikanen gegen Pädagogen im Kinderheim Zehlendorf"
- "Berlin: Unzureichende medizinische Betreuung von Strafgefangenen"
- "Berlin: Arabische Automieter müssen denunziert werden"
- "Berlin: Erstes internationales Frauentreffen mit Filmen von Frauen über Frauen"
- "Mainz: Polit-Filmtage"
- "Nürnberg: Herr Sauber verbietet Sammlung für Fordarbeiter"
- "Coesfeld: Verhandlungen für ein Jugendzentrum"
- "Münsterland: Weitere Polizeiaktionen gegen Kriegsdienstverweigerer"
- "Reutlingen: Tödliche Schüsse aus einer Dienstpistole"
- "Sindlingen: ED-Korrespondenz als Prügelknabe"
- "Frankfurt: Vergleich Amendt-Springer"
- "Frankfurt: Der wahre Anton im Tat"

AUSLAND
- "Griechenland: Widerstandskampf gegen die Junta"
- "Chile: Zur Lage-Erste Anzeichen von Reorganisation"
- "Brüssel: Nein zu Brasil-Export. Demonstration. Fest in der Unterstadt"
- "London: 135.000 Studenten gegen niedrige Förderungssätze"
- "Amsterdam: Holländer protestieren gegen Isolationsfolter an politischen Gefangenen in der BRD"
- "Berkeley: People's Translations Service"

DOKUMENTATION
"Dokument 1: Gegendarstellung: Die Bezeichnung 'Ölkrise' ist unrichtig und vielmehr ist es eine Krise des kapitalistischen Systems. Und die Folge der katastrophalen Abhängigkeit der BRD von den USA"
- Dokument 2: Protestbrief aus Holland"

Berichtet wird u. a. über Heinz Jansen, der am 12.11. zu "10 Jahren Gefängnis" verurteilt wurde. Hintergrund der Gefängnisstrafe: "Heinz Jansen ist seit dem 22. Dezember 1970 in Untersuchungshaft. Im Zusammenhang mit der Fahndung nach der Roten-Armee Fraktion wurde auch Heinz Jansen als angebliches Mitglied der RAF gesucht. Er soll sich außerdem an einem Bankraub in Berlin-West beteiligt haben und am 31.8.1970 in West-Berlin auf Polizeibeamte geschossen haben". Berichtet wird weiter über ein erstes "Internationale Frauentreffen" in West-Berlin vom 15.11-18.11. Insgesamt sollen "45 Filme" gezeigt worden sein. Auf einem Seminar wurden folgende Themen behandelt: "Frauen im Arbeitskampf. Frauen in der Darstellung der Medien. Frauen und der § 218, Sexualität, Rollenverhalten, Frauenbewegung in Europa und den USA". Das AStA-Kulturreferat in Mainz zeigt vom 28.11.-1.12. 1973 "in Zusammenarbeit mit deutschen und französischen Filmschaffenden, Filme über exemplarische Kämpfe in Frankreich von 68-73 unter dem Motto: Vertrauen auf die eigene Kraft". In Coesfeld wird am 12.11. eine "Presseerklärung des Arbeitskreises Jugendzentrum" veröffentlicht. Die Versprechungen für das Jugendzentrum, "sind durchweg nicht eingehalten und erfüllt worden". Daher fand eine Demo am 22.8. statt. Berichtet wird weiter von Aktionen der Polizei gegen Kriegsdienstverweigerer im Münsterland/Coesfeld. Anlässlich einer Lehrlingswoche soll am 23.11.in Frankfurt/M., im "Theater am Turm" das Stück: "Der wahre Anton" von einer Kölner Theatergruppe aufgeführt werden. Berichtet wird weiter vom Widerstandskampf in Griechenland, über Chile und die derzeitige politische und wirtschaftliche Lage (Bericht aus den "Chile-Nachrichten"), über eine Demo in London von "135.000 Studenten" für "höhere Förderungssätze", weiter über Protestbriefe von Holländern "gegen Isolationsfolter an politischen Gefangenen in der BRD". "Im "Dokument 1" werden "Stellungnahmen zur sogenannten Energiekrise" veröffentlicht. Im "Dokument 2" fordert die holländische "Initiativgruppe Patienten und Untersuchungsgefangene" u. a. die "Aufhebung der Isolationshaft" und die "Herstellung der Verteidigerrechte für politische Gefangene".
Q: ID, Jg. 1., Nr. 13, Frankfurt/M., 24. November 1973.

01.12.1973:
Es erscheint die Nr. 14 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
In der "Hausmitteilung" wird zu den "Abonnenten ausgeführt: "Zurzeit wird ID in 800 Exemplaren gedruckt, und wir beabsichtigen, die Auflage zu erhöhen, weil ID sich nicht als Zeitung versteht, sondern als Presse- und Nachrichtenagentur, d. h., wir sind an der Weiterverbreitung der Nachrichten interessiert und wollen nicht mit den bestehenden linken Zeitungen wetteifern".

Unter "reaktive Nachrichten" heißt es: "Eines der Kriterien, die wir uns gesetzt haben, war, dass unsere Nachrichten Gebrauchsgegenstände werden müssten. Der Großteil der Nachrichten, die uns zugeschickt werden, besteht aber aus Berichten über Verhaftungen, Erschießungen, Hausdurchsuchungen und Prozessankündigungen, die meistens auf die Besonderheiten der Sache nicht eingehen, sodass man aus ihnen nichts lernen kann und die auch für die Argumentation nicht weiterhelfen können. Deshalb haben wir jetzt eine kleine 'Justiz-Kiste' angelegt und werden solche Berichte gesammelt weitergeben. Gleichzeitig müssen wir die eigenen Recherchen verstärken. ES GESCHIEHT DOCH SO VIELES IM BETRIEB, IN DER SCHULE, IN DER STADT!"

Inhalt:
INLAND
- "Oberliederbach: Der Kampf der Farbwerke Hoechst gegen Lehrlinge und ihre Betreuer"
- "Offenbach: Streik an der Berufsschule"
- "Hamburg: Putschklatsch im Offizierskasino"
- "Frankfurt: Das Leben von vielen in den Botschaften von Santiago ist in Gefahr"
- "Bayern/Frankfurt/Berlin: Der erste Notstandssonntag"
- "Wetzlar: Solidarität der Dorfbewohner mit den Kommunarden"
- "Bremen: Strafgefangene müssen eigene Beruhigungszelle bauen"
- "Frankfurt: Sozialkampf an der Uni"
- "Frankfurt: Zur Lage des Häuserkampfes"
- "Sindlingen: Verfassungsschutz hält Zeugen zurück"

AUSLAND
- "Nordirland: Neueste Pläne zur Errichtung von KZs"
- "Südwestafrika: Nachrichten aus dem südlichen Afrika"
- "Prag: TV-Spots gegen lange Haare"

DOKUMENTATION
- "Dokument 1: Brief der Amnesty International an Brandt"
- "Dokument 2: Brief einer deutschen Faschistin aus Chile"
- "Dokument 3: 100% Heizkostenzuschlag verlangt"

LETZTE MELDUNG
- "Nachrichten aus dem Iran"

Berichtet wird u. a. über die Lehrlinge bei den Farbwerken Hoechst, über einen Streik an einer Offenbacher Berufsschule am 30.11. wegen der "miesen Schulsituation", über exilierte Chilenen in der Botschaft von Santiago, über die Fahrverbote und Berichte darüber. In Wetzlar haben sich Bewohner mit der dortigen "Kommune Oberbiel" solidarisiert. Berichtet wird weiter über die Haftanstalt Bremen-Oslebshausen, wo Gefangene ihre "eigene Beruhigungszelle" bauen müssen, über einen "Auszug aus der Resolution der Uni-Vollversammlung" in Frankfurt/M. vom 28.11.: "Für ein kostendeckendes BAFÖG-Gegen die materielle Reglementierung des Studiums!" Im Artikel: "Zur Lage des Häuserkampfes", wird über die derzeitige Situation des Blocks 'Bockenheimer/Schuhmannstraße' berichtet. Aus dem Ausland wird über Nordirland berichtet, über Südwestafrika, wo portugiesische und rhodesische Behörden die Verfolgung von Freiheitskämpfern koordinieren. Im "Dokument 1" richtet Amnesty International einen Brief an Brandt und bittet darum, die IA in der Frage der "Chile-Flüchtlinge" zu unterstützen. Im "Dokument 2" geht es um einen Brief einer Faschistin aus Santiago. Und im "Dokument 3" berichtet ein Mieter aus Köln über einen Heizkostenzuschlag des Vermieters. In der "Letzten Meldung" wird von persischen Schriftstellern und Journalisten berichtet, "die der Herrschaft des Schah-Regimes nicht zustimmen".
Q: ID, Jg. 1., Nr. 14, Frankfurt/M., 1. Dezember 1973.

09.12.1973:
Es erscheint die Nr. 15 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
Inhalt:
INLAND
- "Wiesbaden: Schulstreik wegen Stadtsanierung"
- "Berlin: AIM Europa gegründet"
- "Offenbach: Griechisches Kulturzentrum: Zentrale der Bespitzelung"
- "Bochum: Polizei raus aus der Uni"
- "Hagen: Senatssitzung unter Polizeieinsatz"
- "Köln: Erfolgreiche Durchbrechung des Demoverbots"
- "Bochum: Krise und Kurzarbeit bei Opel"
- "Frankfurt: Gespräch zwischen Hausbesetzern, Mietstreikern und Stadt"
- "Kettenhofweg 51 im Prozess"
- "Berlin: Behandlung von K. Hammerschmidt in U-Haft"

AUSLAND
- "Persien: Streikwelle durch das ganze Land"
- "Peru: Blutige Zusammenstöße zwischen Streikenden und der Polizei"
- "Chile: US-Flugzeug beschoss Moneda-Palast"
- "Chile: Volle Läden, leere Mägen"
- "Portugal: Verhaftungen nach den Wahlen"
- "London: Lotta Continua Treffen"
- "Neapel: Wissenschaft für Vietnam in Italien"
- "Dublin: Erklärungen der Provisionals zu der neuen Regierung in Nordirland"

DOKUMENTATION
- "Dokument 1: Erklärung zu den Anschlägen auf ITT Berlin, Nürnberg"
- "Dokument 2: Beschluss über Weiterbestehen der Isolierhaft Andreas Baader"
- "Dokument 3: Was ist in der Westendstraße 70 los?"

Berichtet wird u. a. über einen Schulstreik in Wiesbaden am 3./4. 12. mit einer abschließenden Demo. Schüler protestierten "gegen den Ausbau der Schwalbacher Straße zu einer 8-spurigen Stadtautobahn", über die Gründung der "American Indian Movement (AIM) in Europa" am 29.10. in West-Berlin, weiter über einen Polizeieinsatz an der Bochumer Uni am 29.11. Hintergrund: "Statistikklausur in der Abteilung Sozialwissenschaften, "die in diesem Semester von 200-250 Studenten boykottiert wurde, nachdem, die Klausur schon in den letzten Semestern heftigst umstritten war". Die Studenten forderten: "Freie Wahl der Prüfungsbestimmungen". Daraufhin wurde vom Rektorat die Polizei gerufen. Von den Studenten wurde eine Demo organisiert mit der Parole: "Polizei raus aus der Uni!, "Wilms, AStA, Rektorat sind ein Gangstersyndikat!", "Freiheit für alle politischen Gefangenen!" Berichtet wird weiter über die FH Hagen, wo am 3.12. eine Senatssitzung an der FH unter Polizeischutz stattfand. In Köln fand am 1.12. trotz Verbot eine Demo "gegen die Inhaftierung von 25.000 politischen Gefangenen im Iran und gegen die drohenden Todesurteile gegen 12 persische Patrioten" statt, weiter über die Krise bei Opel, über den Frankfurter Kettenhofweg 51 und weitere Besetzungen (Bergerstraße, Eppsteinstraße, Schwindtstraße). Berichtet wird noch über K. Hammerschmidt und ihre ernste Erkrankung in der U-Haft. Die RH West-Berlin protestiert dagegen, dass man sie nicht in ein Krankenhaus überführt. Aus dem Ausland berichtet die CISNU über Persien. In Peru gibt es "Zusammenstöße zwischen Streikenden und der Polizei". In London veranstaltete "Lotta Continua" Ende November ihr erste öffentliche Sitzung. Im "Dokument 1" wir über die "Roten Zellen" berichtet, die für sich die Anschläge auf die ITT-Niederlassungen in West-Berlin und Nürnberg am 16.11. und 17.11. reklamieren. Im "Dokument 2" wird der Antrag von Baader über das "Weiterbestehen der Isolierhaft" abgelehnt. Im "Dokument 3" geht es um die Westendstraße.
Q: ID, Jg. 1., Nr. 15, Frankfurt/M., 9. Dezember 1973.

16.12.1973:
Es erscheint die Nr. 16 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M. Eingangs wird darüber berichtet, dass der "ID" in einigen Haftanstalten "beschlagnahmt" wird, so u.a. in Stuttgart-Stammheim.

Inhalt:
INLAND
- "Frankfurt: Die Auswirkungen der Ölkrise auf die kommende Tarifrunde"
- "Berlin: Massenkündigungen im DRK-Heim"
- "Berlin: Prozess gegen Heinz Brockmann"
- "Berlin: Sponti-Treffen"
- "Berlin: Bürgerkriegsübung auf dem Kurfürstendamm"
- "Dortmund: Totenbriefe für Wiriyamu"
- "München: Polizeieinsatz im Freizeitheim in der Arbeiterwohlfahrt"
- "Mannheim: Erklärung des Gefangenenrates der JVA"

AUSLAND
- "Besancon: Vierte geheime Lohnzahlung für LIP-Arbeiter"
- "Mailand: FIAT-Boss entführt"
- "Madrid: Polizisten der Brigade Sociales räumen die Fakultäten"
- "London: Hausbesetzung auf Englisch"
- "Teheran: Presse verschweigt Studentenwiderstand"
- "Buenos Aires: ERP, MIR, Tupamaros werden zusammenarbeiten"
- "New York: Schmeißt Nixon raus. Aktionen in den USA"

DOKUMENTATION
- "Dokumente 1: Richterspruch gegen Opel-Arbeiter"
- "Dokument 2: Revolte in Bruchsal im Juli 1973"
- "Dokument 3: Die nationale Restauration in Chile"
- "Dokument 4: Der derzeitige Stand des Widerstandes in Chile (Teil 1)"

Berichtet wird u. a. über die Ölkrise und die "Auswirkungen auf die kommende Tarifrunde", über Kündigungen im DRK-Heim Zehlendorf am 15.11., über den Prozess gegen Heinz Brockmann, der am 3.5.1973 festgenommen worden war, über ein "Sponti-Treffen" in Berlin-West. Der "Lange Marsch" hatte eingeladen. Aus einer "Pressemitteilung des Informationszentrums Dritte-Welt Dortmund" geht hervor, dass einem Massaker in Mozambique Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Am 10.12. kam es zu einem "Polizeieinsatz im Freizeitheim der Arbeiterwohlfahrt" nachdem es unter Jugendlichen zu Auseinandersetzungen gekommen war. Der "Gefangenenrat der JVA Mannheim" erklärt "dass die Briefbeschlagnahme in der JVA Mannheim (sich) politisch auswirkt". Aus dem Ausland wird über Italien berichtet. Dort ist am 10.12. der Personalchef der Gruppe Otto bei FIAT von einem Kommando der "Roten Brigaden" entführt worden. Am 6. 12. kam es in Teheran zu "heftigen Studentenprotesten", die die die Presse verschweigt. Die TU in Teheran wird als "das Zentrum des iranischen Widerstandes" bezeichnet. Aus Buenos Aires wird berichtet, dass die Organisationen ERP, MIR und die Tupamaros zusammenarbeiten wollen. Eine Erklärung dazu wurde am 1.10. veröffentlicht. In den USA finden am 15.12. in "30 Städten Anti-Nixon Demonstrationen" statt". Im "Dokument 1" wird über den "Richterspruch gegen einen Opelarbeiter" berichtet. Das Arbeitsgericht Bochum hat im Prozess die Klage eines Opel-Arbeiters abgewiesen. Im "Dokument 2" wird über Bruchsal berichtet. Dort soll es im Juli 1973 in einem Gefängnis zu einer Revolte gekommen sein. Als eigentliche Ursache bezeichnet der "ID" "die Brutalität des deutschen Strafvollzuges". Im "Dokument 3" wird über Chile und die dortige wirtschaftliche Situation berichtet. Und in der "Dokumentation 4" über den "Widerstand in Chile".
Q: ID, Jg. 1., Nr. 16, Frankfurt/M., 16. Dezember 1973.

21.12.1973:
Es erscheint die Nr. 17 des "ID - Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" in Frankfurt/M.
Inhalt:
INLAND
- "Frankfurt: Weihnachten im Bieberhaus"
- "Frankfurt: Gewaltsame Räumung am 28. Dezember?"
- "Frankfurt: Zum Amnesty International Kongress in Paris"
- "Frankfurt: Erste Anzeichen der 'Grauen Zeitung"
- "Dortmund: Anzeigen-Kampagne für Südafrika"
- "München/Haidhausen: Das Gasteig gehört uns"
- "Berlin: Der Bundeskanzler versichert"
- "Dechsendorf: Starfighter-Kino"

DOKUMENTATION
- "Dokument 1: Interview mit der Deutschen Urangesellschaft"
- "Dokument 2: Das Zehlendorfer Elisabeth-Weiske-Heim"
- "Dokument 3: Gruß an einen ehrbaren Freund"

Berichtet wird u. a. über die Frankfurter Firma Bieberhaus, wo es keinen BR geben soll. Man arbeite dort "durchschnittlich 45-47 Stunden und mehr". In Frankfurt rechnet der Häuserrat damit, "dass die Polizei den mittleren Tag zwischen den Feiertagen benützt, um den besetzten Häuserblock Schumannstraße/Bockenheimer Landstraße noch vor der Verstaatlichung der Polizei gewaltsam zu räumen". Berichtet wird weiter vom AI-Kongress in Paris am 10./11. 12. "Kurz vor Beginn des Kongresses schmiss die UNESCO AI aus ihren Räumlichkeiten heraus. Grund: In einem Buch über Folter in der Welt hatte AI es gewagt, einige Folterländer, die auch in der UNESCO vertreten sind, beim Namen zu nennen". Berichtet wird weiter über die Herausgabe der "Grauen Zeitung". "Die 'Graue Zeitung' bringt Nachrichten des Gefangenenrats, der Vereinigung der Gefangenen und Ehemaligen der Strafanstalten, psychiatrischen Haftanstalten, Fürsorgeanstalten". Der Nachrichtendienst erscheint unregelmäßig. Berichtet wird noch über München und das "Gasteig-Spital", das seit Mai 1973 leer steht. Am 9.12. fand eine Demo statt, auf der u. a. gefordert wurde: "Aus dem Gasteig-Spital ein Bürgerzentrum machen". Im "Dokument 1" geht es um ein Interview mit dem Geschäftsführer der Deutschen Urangesellschaft", im "Dokument 2" um das "Zehlendorfer Elisabeth-Weiske-Heim".
Q: ID, Jg. 1., Nr. 17, Frankfurt/M., 21. Dezember 1973.

Letzte Änderung: 12.09.2021