Berliner Extra-Dienst

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 17.7.2021

Der "Berliner Extra-Dienst" war die Nachfolgezeitung des "Berliner Extra-Blatts". Die erste Nummer der Zeitung erschien am 20. Mai 1967; die letzte, laut "Zeitschriftendatenbank", am 30. Januar 1979 (Nr. 9).

In der Auseinandersetzung mit dem "Extra-Blatt" wandte sich die "Rote Presse Korrespondenz" mit der Nr. 1 vom 22. Februar 1969 vom Extra-Blatt" ab und erklärte sich für eine neue Zeitung, die eine neue Frontstellung aufbauen wolle. Sie solle sich gegen "jede autoritäre Herrschaft" wenden. Die neue Zeitung, die "RPK", wolle "antirevisionistisch, antiimperialistisch und antineokolonialistisch" sein und sich für die unterdrückten Völker der Dritten Welt einsetzen, so die "Gründungserklärung" (vgl. "Rote Pressekorrespondenz" Nr. 1/1969, S. 1.). Der "Berliner Extra-Dienst" ging 1979 in die Zeitung "Die Neue" auf. Diese sollte wohl ein Gegenentwurf zur 1978 gegründeten "Tageszeitung" (taz) sein. "Die Neue" wurde mit der Ausgabe 43 vom 29. Oktober 1982 eingestellt.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

20.05.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 1 erscheint. Hierbei handelt es sich um die erste Ausgabe überhaupt.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Passierscheine: Albertz-Brief an Abusch liegt in Bonn"
- "Berliner SPD: Offener Fraktionskampf"
- "SHB: Leber neuer Sonntagsredner"
- "Schüler: Überregionale Zeitung"
- "Presse: Zensur in der Bunten Illustrierten"
- "Bremen: Rundfunk setzt Springer-Sendung ab"
- "Film: Vierter Mauer Streifen aus der DDR"
- "Theater: Wenig erfolgversprechende Westberliner Pläne"
- "Kabarett: Neuss verschiebt Pläne"
- "Personalien'"
- "Ekkehart Krippendorff: Der Extra-Kommentar: After Meinungen"
- "Entwurf zur Klärung sozialdemokratischer Politik"

Berichtet wird u. a. über die erste Bundestagung der von Studenten und Schülern initiierten "Unabhängigen Schülergemeinschaft" am 17. und 18. 6. in Frankfurt/M. und die Gründung der Schülerzeitung "Roter Turm" der Zehlendorfer Schadow-Schule, über den West-Berliner RC und die Eröffnung seiner Räume in der Wielandstraße am 20.5. Beigefügt ist der Ausgabe ein Bestellschein für den "Extra-Dienst" bei einem Inlandsabonnementenpreis von 5 DM monatlich.
Quelle: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 1, West-Berlin, 20. Mai 1967.

24.05.1967:
Der Berliner Extra-Dienst (BED) Nr. 2 erscheint mit einer Dokumentation: "Thesen gegen Alleinvertretungs-Anspruch".
Artikel der Ausgabe sind:
- "DDR: Winzer-Reise soll doch Anerkennung bringen"
- "West-Berlin: Keine neuen Unerwünschten aus der DDR"
- "Schah-Besuch: Bild-Zeitung Nachrichtendienstlich tätig"
- "Chemieindustrie: Gewerkschaft fordert Senats-Stellungnahme"
- "SPD West-Berlin: Hält Büsch durch?"
- "Posener Messe: Senator König fährt offiziell"
- "Rundfunk: SFB stellt III. Programm ein"
- "Verlagswesen: Schwierigkeiten bei Voltaire?"
- "Personalien"

Berichtet wird u. a. über den anstehenden Schahbesuch im Juni 1967 und den iranischen Geheimdienst (SAVAK), der Bild-Zeitung, die einen Fragebogen an die "Vereinigung Iranischer Studenten" in Hamburg verschickte. Darin werden Fragen zum Schah-Besuch gestellt.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 2, West-Berlin, 24. Mai 1967.

27.05.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 3 erscheint mit einer Dokumentation: "Brief eines Soldaten aus Vietnam an seine Eltern".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD: Außerordentlicher Bundesparteitag in Vorbereitung"
- "Wirtschaftspolitik: Industrie auf Anti-Schiller-Kurs"
- "Westberliner SPD: Soll Albert Klaus Schütz weichen?"
- "Firmenverlegung: West-Berlin ist nicht ohne Risiko"
- "Westberliner Studenten: Geldsammlung für die FNL"
- "Strafvollzug: Glocke -Zellen in Tegel und Moabit bleiben"
- "Westberliner Theater: Oper am Lehniner Platz?"
- "Hinweis"
- "Extra Blatt zum Russell-Tribunal in Stockholm"
- "Personalien (Horst Grabert, Ernst Niekisch, Mike Nichols, Karl Theodor von und zu Guttenberg)"
- "Thesen zur inneren Reform der SPD"

Geworben wird für den "Gewerkschaftsspiegel".
Berichtet wird u. a. über eine Sonderausgabe des "BED" zum Russell Tribunal in Stockholm, über eine Geldsammlung von West-Berliner Studenten für die FNL. Ein "Vietnam-Komitee wurde unter Beteiligung von SDS, SHB, HSU LSD gegründet. Die Geldsammlung "soll den Ankauf von Medikamenten finanzieren". Bei einer Flugblatt-Kampagne wollen die Studenten außerdem amerikanische Soldaten dazu auffordern, den Einsatz in Vietnam zu verweigern.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 3, West-Berlin, 27. Mai 1967.

31.05.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 4 erscheint mit einer Dokumentation: Reinhard Lettau: "Von der Servilität der Presse".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Presse: Spiegel-Verfügung gegen Konkret"
- "Ausländerpolizei: Der Fall Lettau und andere"
- "Notstandsgesetze. Kein Platz für Gegner in West-Berlin"
- "Vietnam: Teile der SPD demonstrieren mit den Falken"
- "Kabarett: Besuche von der Politischen Polizei"
- "Schuldbildung: Lehrer gegen Gewerkschaften"
- "Hinweis"
- "Stadtplanung: Ost-Berlin rechnet mit 2,1 Millionen Einwohnern"
- "Sing-Out: Von den Schwierigkeiten des Massen-Gesangs"
- "Personalien: Dr. Bahman Nirumand, Hans A. Nikel, Hans Abich"
- "Polizeipräsident: Sie unter Anwendung unmittelbaren Zwangs abzuschieben"
- "Günter Grass: Reinhard Lettau wird mein Gast sein"

Berichtet wird u. a. über eine "Spiegel"-Verfügung gegen die Zeitschrift "Konkret". Der "Spiegel" wehrt sich gegen eine Satire: "Spiegel an Springer verkauft". Weiter wird berichtet über den deutschsprachigen Schriftsteller Reinhard Lettau mit amerikanischer Staatsangehörigkeit, dem bisher eine Aufenthaltserlaubnis vom West-Berliner Ausländeramt verwehrt wurde.
Berichtet wird weiter von Plakaten, die sich gegen die Notstandsgesetze richten und an Berliner Litfaßsäulen hängen. Eine Klage gegen den Maler Ruckhaberle wurde vom Landgericht abgewiesen. Weiter wird berichtet über eine Vietnam-Demonstration der West-Berliner Falken am 3.6. unter der Parole: "Keine SPD-Unterstützung für den schmutzigen Krieg in Vietnam", weiter über das engagierte politische Kabarett, das von der politischen Polizei beobachtet wird, über eine Sonderausgabe des BED. Berichtet wird noch über die "Sing-Out" Bewegung, weiter über Nirumand und Hans Abich. Reinhard Lettau schreibt in einer Dokumentation über die "Servilität der Presse". Und Günter Grass lädt Lettau zu sich ein.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 4, West-Berlin, 31. Mai 1967.

03.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr.5 erscheint mit einer Dokumentation von Bahman Nirumand: "Die permanente Konterrevolution - Persien und der Westen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Staatsbesuch: Jubelnde Perser aus Nahost eingeflogen"
- "DDR: Prominenten-Tochter nicht in die SED"
- "Schering AG: Durch Zechenschließung 45 Millionen verdient"
- "Bundespräsident: Erhard als Lübke-Nachfolger genannt"
- "Lieber nach Polen: Drei Namen im Gespräch"
- "Knudsen-Doktoranden: Auf der Suche nach einem neuen Vater"
- "Personalien"
- "Mohammed Reza Pahlewi"
- "Hinweise"

Berichtet wird über den Besuch des Schahs von Persien in Deutschland. Zum Besuch in Berlin seien "meist Mitglieder der Geheimpolizei" nach West-Berlin eingeflogen worden. Dazu heißt es noch: "Die Mehrheit der 'jubelnden Landsleute', die der Schah im Garten seines Hotels bei Bonn empfing und deren Pässe er vor den Kameras des westdeutschen Fernsehens signierte, waren Angehörige der persischen Geheimpolizei. Die persischen Geheimpolizisten beschäftigten sich in ihrer Jubelfreizeit mit der Provokation von Zusammenstößen mit demonstrierenden persischen Studenten, was sich in der westdeutschen Presse als 'Zusammenstöße zwischen Royalisten und Schahgegnern' niederschlug. Der Wirtschaftsattache des Kaiserlichen-Iranischen Konsulats in West-Berlin, Ghazi, warb in Westberlin 35 Perser gegen Zahlung von 80 DM Spesen und Zahlung der Flugkosten zum Jubeln an; die Perser wurden in die Bundesrepublik geflogen, wo sie an der Schah Rundreise teilnahmen. Als Zusatzhonorar wurde den Jubelpersern für Sommer oder Herbst ein 14-tägiger Erholungsurlaub in Persien zugesagt, dessen Kosten die Regierung des Kaiserreichs Iran tragen würde".

Berichtet wird weiter von "der Tochter des Gründers der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und ehemaligen Außenminister, Dr. Lothar Bolz, der Übertritt von der NPD zur sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) verwehrt", über die Schering AG, die Hauptaktionär der Concordia AG mit 65,5% ist. Sie soll durch Zechenschließungen ca. "45 Millionen verdient" haben. Die Nr. 1. des "Oberbaum-Blatts" ist am 1. Juni erschienen. Das Blatt erscheint "bei der Oberbaumpresse", Herausgeber ist Hartmut Sander. Die Nr. 1 beschäftigt sich u. a. mit dem Schah-Besuch in West-Berlin. In Sachen "Brüsseler Kaufhausbrand". Ermittlungsergebnisse sollen verschwunden sein. Biographische Daten gibt es zu: "Walter Ulbricht, Mohammed Reza Pahlewi, Geworben wird für die "Sonderausgabe des Extra-Blatts zum Vietnamtribunal in Stockholm" (Russel-Tribunal). In der Dokumentation von Nirumand zieht dieser den roten Faden von den Vorgängern in Vietnam über die Abhängigkeit der ehemaligen Kolonialländer von den staatskapitalistischen Gesellschaften bis zur persischen Konterrevolution.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 5, West-Berlin, 3. Juni 1967.

10.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 7 erscheint mit einer Dokumentation von Peter Brückner: "Über Ordnung, Unmenschlichkeit und den Geist der deutschen Universität".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Westberlins Senat: Landesverratsverfahren gegen Welt-Redakteur?"
- "Straßenschlacht vor der Oper: Von der Polizei eingeplant"
- "Albertz-Rückzug: Spiegel-Interview soll nicht erscheinen"
- "Bonner SPD: Intervention im Schöneberger Rathaus erwogen"
- "Gerüchte: Es gab keinen zweiten Toten"
- "Polizeigewerkschaft: Kollegen sollen schweigen"
- "RIAS: Tribunal gegen Sam Jensen"
- "Bildzeitung: Wir schießen zurück"
- "Morgenpost: Der Name war bekannt"
- "Telegraf und Abend: Keine Todesanzeige für Ohnesorg"
- "Der Abend: Zwei Mitarbeiter gehen"
- "DDR-Literatur: Neuer Subjektivismus"
- "Pädagogische Hochschule: Gottschalch soll gehen"
- "Studenten rufen Arbeiter zur Solidarität auf"
- "Walter Sickert: Schuld haben nur die Demonstranten"
- "Falken: Nach Duesing müssen auch Albertz und Büsch gehen"
- "Betriebsräte: Protest gegen Unfreiheit in West-Berlin"
- "Solidaritätsadresse an den AStA der FU"
- "Resolution an den regierenden Bürgermeister"
- "Extra Meinung: Einige Folgerungen"

Berichtet wird u. a. über den Tod von Benno Ohnesorg, über die Straßenschlacht vor der Oper, die von "von der Polizei eingeplant war", über Gerüchte, die von einem zweiten Opfer bei den Demonstrationen gegen den Schah-Besuch vor der deutschen Oper berichten, über eine Mikrophonsperre gegen Sam Jensen (RIAS), der sich gegen die "BZ" richtete, die nach der Demo davon sprach: "Das ist Terror", über eine lancierte Meldung der "Bild"-Zeitung, dass Studenten nun "zurückschießen werden". Berichtet wird weiter über den Todesschützen Kurras, über den "Telegraf" und den "Abend", die keine Todesanzeigen für Benno Ohnesorg schalten wollen.

Über die jüngste Geschichte der FU erscheint von Peter Brückner eine Dokumentation. Der AStA der FU ruft die West-Berliner Bevölkerung zur Solidarität auf und wendet sich auch an die Arbeiterschaft. Dazu wird eine Stellungnahme veröffentlicht, die die Sachverhalte an der deutschen Oper aufklärt und den "Ausnahmezustand" beim Schah-Besuch verurteilt. Zudem werden Fakten über den Schah veröffentlicht. Der DGB-Vorsitzende Walter Sickert, erklärt sich dahingehend, die von der "Unverantwortlichkeit des AStA spricht, der die Arbeiterschaft aufwiegeln will: "Die Schuld für das Todesopfer und für die Verletzten liegt nur bei den Personen, die die Demonstration in Szene gesetzt haben". Der Landesvorstand der Falken ruft u. a. zum Rücktritt von Albertz auf. Vertrauensleute und Betriebsräte aus verschiedenen West-Berliner Betrieben solidarisieren sich mit dem AStA der FU. In einer "Extra-Meinung" wird das West-Berliner Abgeordnetenhaus als eine "Karikatur eines demokratischen Parlaments bezeichnet". Und: "Die 5-Prozent Klausel muss ersatzlos gestrichen werden. (…) Auf jeden Fall muss die Ermittlung gegen den politischen Polizisten Kurras bis Ende Juni abgeschlossen und das volle Ergebnis veröffentlicht sein". Aufgerufen wird zum Abonnieren der Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 7, West-Berlin, 10. Juni 1967.

14.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 8 erscheint mit Dokumentationen: Werner Doye/Hendrik Schmidt/Bettina Lohmann u. a.: "Zum gegenwärtigen Verhältnis der Berliner Presse zur Studentenschaft". Und: Gerhard Zwerenz: "Über diese SPD".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Senatspresseamt: Peter Herz soll gehen"
- "Senatsumbildung: Schütz will jetzt nicht nach West-Berlin"
- "Untersuchungsausschuss: 'Rädelsführer' schon geortet"
- "Alliierte Schutzmächte: Demonstrationsverbot unklug"
- "Kommune West-Berlin: Sie küssten und sie trennten sich"
- "RIAS-Tribunal: Milde Strafe für Schallplatten-Jockey"
- "Presseberichterstattung: Kartei nach Lochkartensystem"
- "Boykotthetze: Demonstranten dürfen nicht mehr hetzen"
- "Diplomatischer Dienst: SPD will Mann in Warschau"
- "Wahlrechtsreform: CDU plötzlich Ja, SPD neuerdings Nein"
- "Sozialdemokratie: Opposition vertat Parteitags-Chance"
- "Hinweise"
- "Augenzeugenbericht: Die Schweine werden schon wieder frech"

Berichtet wird u. a. über die Führungskrise der West-Berliner SPD. Die Mehrheit der SPD-Führung wünsche sich die Abberufung des Senatssprechers Peter Herz, der sich im Falle Ohnesorg eine "unnachrichtliche Nachrichtenpolitik" betrieben haben soll. Eine Senatsumbildung soll zur Zeit nicht stattfinden. Der Sicherheitsausschuss des Abgeordnetenhaus soll auf der Suche nach den "Rädelsführern der Studentendemonstrationen" sein. Im Zentrum stehe der "Republikanische Club", Mitglieder des "Extra-Blatts", Horst Mahler, der "Extra-Dienst" u. a. Die Alliierten in West-Berlin halten ein Demonstrationsverbot für "unklug". Die sog. "Horrorkommune" in West-Berlin hat sich gespalten. Weiter wird berichtet über das "RIAS-Tribunal". "Sam Jensen erhielt Mikrofon-Sperre von 3 Wochen. "Eine ausführliche Pressekartei nach Lochkartensystem über die Berichterstattung westdeutscher und West-Berliner Zeitungen zum Schah-Besuch wird zur Zeit im Auftrag des 'Republikanischen Clubs' angelegt. Gerhard Zwerenz teilt gegen die SPD kräftig aus: "Es ist hohe Zeit, mit der Akrobatik aufzuhören. Eine Partei, die gewählt werden will, muss sich auch aber auch dazu verstehen, die Interessen ihrer Wähler wahrzunehmen, nicht aber die Interessen der Wähler, die ihre Stimmen nicht ihr, sondern der anderen Partei gegeben haben. Ist dem nicht so, können wir uns den Gang zur Wahlurne schenken". Berichtet wird noch über eine Hetzjagd gegen Demonstranten. In der Doku: "Zum gegenwärtigen Verhältnis der Berliner Presse zur Studentenschaft", wird eine "Materialsammlung" seit dem 2.6.1967 vorgestellt und gefolgert: "Von besonderem Interesse dürfte die Folgerung sein, welchen erheblichen Einfluss eines relativen Pressemonopols auf politische Prozesse haben kann".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 8, West-Berlin, 14. Juni 1967.

16.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 9 erscheint mit einer Dokumentation eines Teils der jungen Linken in der SPD: "Zur Konzeption einer Entspannungspolitik".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Besatzungsmächte: West-Berlin ist kein Bundesland"
- "Todesschütze Kurras: Schon einmal wegen Körperverletzung angezeigt"
- "Karnatz-Fahrer: Schlug auf Demonstranten ein"
- "Geheimdienst: Tagung mit Publizisten"
- "Neues Hochschulgesetz: Die Konservativen werden meutern"
- "Wühlmäuse: Neuer Prozess gegen Springer-Konzern"
- "Wolfgang Neuss: Endlich heute Premiere"
- "Rektorenwahl: Mediziner, weil Klinikum eingeweiht wird"
- "Kunst in der DDR: Jeder interpretiert die Wirklichkeit"
- "Studentenpresse: Dreimonatszeitung für West-Berlin geplant"
- "Springerpresse. Angriff auf Gruner+Jahr"
- "Westpresse im Ostblock: Bulgarien interpretiert pro Woche 5.000"
- "Hinweise"

Die Doku der jungen Linken in der SPD: "Zur Konzeption einer Entspannungspolitik,
gliedert sich in:
- "Zur Frage der äußeren Grenzen"
- "Die deutsche Teilung"
- "Das Berlin Problem"
- "Der militärische Status der beiden Teile Deutschlands"
- "Zur Osteuropa- und Deutschlandpolitik"

Zusammenfassend sei zu fordern: Ein wichtiger Abschnitt ist der zur Oder-Neiße Grenze. Dazu wird festgehalten: "Die 1945 vollzogenen Grenzveränderungen sind ein Ergebnis des vom Deutschen Reich unter der Reichskanzlerschaft Hitlers ausgelösten Vernichtungskrieges. (…) Die Politik der Nichtanerkennung der Oder-Neiße Grenze zielt, wenn sie ernst gemeint sein soll, aber nicht nur auf Grenzrevision, sondern auch auf die Revision der jüngeren Geschichte". Und zum "Alleinvertretungsanspruch wird ausgeführt: "Aufgabe des Alleinvertretungsanspruches. Ersatzlose Abschaffung der Hallsteindoktrin. Anerkennung beider deutscher Staaten. (…) Die Osteuropa-und Deutschlandpolitik muss sich orientieren an den in Mittel- und Osteuropa vorgegebenen politischen Verhältnissen und an den Interessenlagen der anderen Mächte, besonders der Großmächte. (…) Die bestehenden Grenzen in Europa sind anzuerkennen von der BRD, insbesondere die Oder-Neiße Linie als polnische Westgrenze".

Berichtet wird u. a. über die alliierten Besatzungsmächte in West-Berlin, die Albertz politisch desavouieren. Sie stören sich an den Status West-Berlins und meinen, dass "Berlin nicht als ein Land der Bundesrepublik anzusehen und auch nicht als ein Land der Bundesrepublik zu regieren ist", über Kurras, der schon mal wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen sei, über das neue West-Berliner Hochschulgesetz, dass der Kultursenator Werner Stein vorlegen will, weiter über einen Prozess gegen Dieter Hallervorden (Chef der "Wühlmäuse"), der wegen seiner Darstellung der "Lust auf der Bühne" angezeigt worden war. Berichtet wird über Wolfgang Neuss und sein neues Programm: "Asyl im Domizil", über die Rektorenwahl an der FU, über den sog. "sozialistischen Realismus" in der DDR, über ein mögliches Drei-Monatsblatt der Studentenpresse als sog. "Anti-Springer-Bastion". Geworben wird für eine Sonderausgabe des "Extra-Blatts" über Vietnam und den Fall Ohnesorg". Aufgerufen wird zu Spenden für Vietnam.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 9, West-Berlin, 16. Juni 1967.

21.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 10 erscheint mit einer Dokumentation von Dr. Ekkehart Krippendorff: "Zum 17. Juni 1967".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Ostpolitik des Senats: Warten auf Bonn"
- "Arbeitgeber: Keine Gewerkschaftszeitung in Betriebe"
- "West-Berliner Justiz: Immer noch kein Decot-Verfahren"
- "Australische Militärmission West-Berlin: Menschliche Chemie"
- "Britisches Atombunker-Hospital: Angenehm für Berlins Behörden"
- "Reichskabarett: Neues Programm im September"
- "Studentenpresse: Auch in Hamburg Extra-Blatt"
- "West-Berliner Kunstverein: Beschlussunfähig"
- "Theaterwissenschaftler: Warnschuss gegen Knudsen ohne Erfolg"
- "Personalien"
- "West-Berliner Hinweise"

Die "Erklärung von Krippendorff zum 17. Juni" fußt auf einer Rede, die er am 17. Juni dieses Jahres in Tübingen an der Uni gehalten hat. Die Rede geht u. a. auf den 17. Juni 1953 ein, den 4. Juni in den USA, den 14. Juli in Frankreich, den deutschen 9. November, die Katastrophe von 1933, das Jahr 1848, den 20. Juli 1944, den Bauernaufstand von 1525. Vor allem sei der 17. Juni 1953 kein "Lernprozess" gewesen. Er blieb ohne "bewußtseinsbildende Konsequenzen", aber der 17. Juni war eine "spontane Solidarität der Arbeiterschaften in mehr als 270 Städten mit ihrwen streikenden Kollegen in Berlin".

Berichtet wird u. a. über die Ostpolitik des Senats und über die "Passierscheinpolitik" von Albertz, über die Spitzenverbände der Arbeitgeber, die sich für ein Nein zu Gewerkschaftszeitungen in den Betrieben aussprechen. Berichtet wird weiter über die australische Militärmission in West-Berlin: Australien würde, wie die USA den Krieg in Vietnam mit chemischen Kampfmitteln unterstützen. Das West-Berliner "Reichskabarett" startet ein neues Programm im September: "Bildung und Erziehung". Seit dem 21. 6. erscheint auch in Hamburg ein Extra-Blatt, das "Hamburger Extra-Blatt". In den "Personalien" gibt es biographisches zu William Borm und Walter Barthel zu lesen. Im RC soll am 21.6. eine Diskussion über die Hintergründe des Nahost-Konflikts stattfinden. Am 22.6. will man über die Vorfälle im Auditorium Maximum "über die Vorfälle an der Deutschen Oper" debattieren. Am 23.6. soll die verschobene Vietnam-Demo der Falken stattfinden. Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 10, West-Berlin, 21. Juni 1967.

24.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 11 erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Bundeswehr. Piloten werden in Südvietnam kämpfen"
- "Bundes SPD: Machtkampf zwischen Wehner und Schmidt begann"
- "DDR: Jüdischer Zwist wegen Israel"
- "West-Berliner Senat: Rettet uns vor der Partei"
- "VDS: Karlsruhe und Frankfurt wollen austreten"
- "West-Berliner Jungdemokraten: Misstrauen gegen Vorsitzenden"
- "Schüler-Konkurrenz: Liberaler Schülerbund wird gegründet"
- "Personalien"
- "Extra-Meinung: Zum Berliner Hochschulgesetz"
- "Martin Buchholz Extra-Report: Über den Schusswaffengebrauch in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin"

Berichtet wird u. a. über die Bundeswehr und Generalleutnant Steinhoff, der bei einem Treffen in den USA vom 13.-16.2. im amerikanischen Verteidigungsministerium "auch den Einsatz von Bundeswehr-Piloten in amerikanischen Einheiten in Südvietnam erörtert haben soll", über die Auseinandersetzungen in der SPD zwischen Schmidt und Wehner, über den Nahost-Konflikt, über den sog. Mattick-Plan über die VDS-Gruppen Karlsruhe und Frankfurt, die ihren Austritt aus dem VDS angekündigt haben, über die Vorbereitung für eine Gründung eines "Liberalen Schülerbundes" in West-Berlin. Biographische Daten gibt es zu: Ruprecht Rauch, Wolfgang Schollwer. In der "Extra-Meinung" erklärt sich Knut Nevermann (Vorsitzender des AStA der FU) zum Hochschulgesetz, Martin Buchholz schreibt über den Schusswaffengebrauch.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 11, West-Berlin, 24. Juni 1967.

28.06.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 12 erscheint mit einer Dokumentation der Bezirksleitung Stuttgart der IG Metall".
Artikel der Ausgabe sind:
- "West-Berliner Linke: Rätedemokratie für die Stadt?"
- "Bundesregierung: Kiesinger unter Beschuss der CDU"
Untersuchungsausschuss: Suche nach 'Rädelsführern' schon abgeblasen"
- "Polizeipräsident Duensing beurlaubt, aber im Amtssitz"
- "West-Berliner Polizei-Schießanlage: Porträts im Schieß-Kino"
- "Auch in Hamburg: Vorwürfe gegen Polizei mehren sich"
- "Schamhafte Presse: Spiegel kastriert Horror-Kommune"
- "Wirtschaftskrise: Nur Arbeiter, kaum Angestellte betroffen"
- "Springer-Werbung mit Kokoschka: Pleite vor 50 Zuschauern"
- "Für langjähriges Wirken im Film: Durchhalte-Regisseur ausgezeichnet"
- "West-Berliner Akademie der Künste: Löffler wehrt sich auf 7 Seiten"
- "Aus einem Protokoll eines Unternehmer-Studien-Kreises
- "Extra-Meinung: Durchbruch der 'Jungen Linken'"

Berichtet wird u. a. über führende Zirkel der West-Berliner Linken, die über einen "Bürgerrat" bzw. "Volksrat" für West-Berlin debattieren, über die Rücktrittsdrohung von Kiesinger, über eine Sitzung des West-Berliner Abgeordnetenhauses. Danach habe der Verfassungsschutz in Fragen einer "Rädelsführerschaft" oder "Attentatspläne" am 2. Juni "nichts anzubieten". Weiter wird berichtet über die Beurlaubung von Duensing, über die KI in Selbstdarstellung, über die Demonstration gegen den Schah am 3. Juni in Hamburg, über den Regisseur Günther Rittau ("U-Boot vorwärts"), über die West-Berliner Akademie der Künste, über die Linke in der SPD. Berichtet wird noch über eine Reihe von Unternehmen, in denen laut Protokoll eines Studienkreises von Unternehmen über Senkung der Personalkosten diskutiert wird. Dazu gehören u. a.: Gebrüder Happich (Wuppertal), Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia (Altlünen), Zinser Textilmaschinen. Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 12, West-Berlin, 28. Juni 1967.

01.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 13 erscheint mit einer Dokumentation: "Ein Brief Adenauers an die Nazis: An den Herrn Preußischen Minister der Inneren, Berlin".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Vietnam-Krieg: Invasion Nordvietnams am 7. Juli?"
- "US-Truppen in Vietnam: Bericht über eine Meuterei"
- "SED-Führungsgremium: Im Juli Tagung über Deutschlandproblem"
- "Metall Arbeitgeber: Rüstung für den Arbeitskampf"
- "Altkleidersammlung: Spenden für den Notstand"
- "Verbal-Injurien: 'Rüpel' ist eine strafbare Handlung"
- "DDR: Wahlen mit begrenztem Risiko"
- "Personalien"
- "Dokumentation zum 2. Juni: Bücher in Köln, West-Berlin und anderswo"
- "Linke Literatur: Neue Zeitschrift der West-Berliner Falken"

Berichtet wird u. a. über den Vietnam-Krieg. Laut amerikanischen Kreisen in Paris, soll eine Invasion Nordvietnams am 7. Juli stattfinden, über US-Truppen in Vietnam. Dort soll unter amerikanischen Truppen eine Meuterei stattgefunden haben. Berichtet wird weiter über die SED. Auf einer Tagung des ZK im Juli soll auch über Deutschlandprobleme gesprochen werden. Berichtet wird weiter über den Ausdruck "Rüpel", der nach § des StgB eine "öffentliche Beleidigung" darstellt. Berichtet wird weiter über DDR-Wahlen, Personalien (Jesco von Puttkamer, Hartmut Häussermann), über Westdeutsche Verlage, die planen über die Situation West-Berliner Studenten Bücher herauszubringen. Eine neue Zeitschrift der West-Berliner Falken nennt sich "Positionen".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 13, West-Berlin, 1. Juli 1967.

05.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 14 erscheint mit folgenden Dokumentationen:
"Offener Brief der Studenten an die Alliierten" und "Offener Brief des Konvents der Freien Universität Berlin: An die Vertreter der Regierungen der Alliierten Mächte in Berlin, den Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, an den Senat von Berlin, die Vorsitzenden der Fraktionen im Abgeordnetenhaus"
Artikel der Ausgabe sind:
- "Presse: Vor einem Tribunal gegen den Springer-Konzern?"
- "Kommune I: Mit Teufel im Bunde"
- "Technische Universität: Schwaben erobern die Uni"
- "Gegenuniversität: Vorlesungsplan bald abgeschlossen"
- "Gewerkschaften: Sickert schießt zurück"
- "SPD und Außerordentlicher Parteitag: Die Absichten der Antragssteller"
- "Zeit: Mußtmaßungen über Biermann"
- "Humanistische Union: Steffen über Berliner Demonstrationen"
- "Personalien"
- "Pfarrer Kanitz: Kann Gewalt dem Frieden dienen?"

Berichtet wird u. a. über die Vorbereitung eines Tribunals gegen Springer. Es soll Ende Oktober/Anfang November 1967 stattfinden. "Das Tribunal soll ermitteln, ob der Springer-Konzern in West-Berlin mit seinen Tageszeitungen gegen das Verfassungsgebot über Völkerverständigung verstoßen hat und fortgesetzt 'Volksverhetzung' treibt", weiter über die KI zu Fritz Teufel, der angeklagt wurde "durch Verbreitung von Schriften zur Begehung strafbarer Handlungen aufgefordert zu haben, nämlich zum vorsätzlichen Inbrandsetzen von Räumlichkeiten." Einige Arbeitsgruppen an der FU bereiten einen "Vorlesungsplan für eine Gegenuniversität" vor. Es würden bisher 28 Vorlesungen feststehen. Demnächst wollen sich wissenschaftliche Assistenten im RC treffen um über einen Förderkreis zu beraten.

Berichtet wird weiter über Biermann und über einen Artikel in der "Zeit", in dem Mutmaßungen über ihn angestellt werden. Berichtet wird noch über West-Berliner Demonstrationen, wozu der Landesvorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Joachim Steffen, eine Dokumentationsausstellung der HU eine Eröffnungsrede im Europa-Center halten will. Die Ausstellung firmiert unter dem Titel: "Demonstrationen-Ein Berliner Modell". Biographisches gibt es zu: Karl Heinz Holthausen, Walter Barthel und Gerhard Danelius. In den Dokus geht es u. a. über die erste Lesung der Notstandsgesetzentwürfe im Bundestag.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 14, West-Berlin, 5. Juli 1967.

08.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 15 erscheint mit einer Dokumentation der Jungen Linken in West-Berlin: "Was ist mit der Presse los?"
Artikel der Ausgabe sind:
- "West-Berliner SPD: Reform der Berliner Politik?"
- "West-Berliner Wahlen: Die jungen wählten links"
- "Geheimdienst: Perser weiter in West-Berlin tätig"
- "Berliner Wirtschaft: neue Analyse wird erarbeitet"
- "Springer: Mahnt zur Vorsicht"
- "Biermann-Streit: Zeugen ziehen auf"
- "Nach Herbig-Rauswurf: Bücher der Achtzehn"!
- "Berlinale: Wohin der von Hase läuft?"
- "Extra-Plaketten: Enteignet Springer"
- "Personalien"
- "Aktion Araberhilfe: Verkehrte Fronten"
- "Extra-Meinung: So etwas nennt sich Justiz"
- "Erklärung von Rechtsanwalt Mahler zur Vertagung der Hauptverhandlung gegen Rainer Langhans und Fritz Teufel am 7. Juli 1967"

Berichtet wird u. a. über den LV West-Berlin der SPD und die Erarbeitung eines neuen "Sachprogramms", über die Sonder-Wahlerhebung der letzten West-Berliner Wahl zum Abgeordnetenhaus, über den persischen Geheimdienst, der weiterhin in West-Berlin tätig sei. Nirumand sei davon überzeugt. Weiter wird über die anwachsende Anti-Springer Stimmung berichtet, über den Biermann-Streit. Es geht hierbei um die "Rowohlt-Anthologie: "Nachrichten aus Deutschland". Berichtet wird noch von der Berlinale, über Extra-Plaketten mit dem Logo: "Enteignet Springer" und den Moabiter Teufel-Prozess. Biographisches gibt es zu Fritz Teufel, Carl-Heinz Hagin, Klaus Wagenbach, Günter Wallraff. In der Dokumentation der jungen Linken in der SPD geht es um das Thema: "Die Konzentration im Pressewesen".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 15, West-Berlin, 8. Juli 1967.

12.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 16 erscheint mit einem Extra-Report mit Dokumentation: "Wird Fritz Teufel ein Justizopfer?"
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD Landesvorstand: Klausurtagung im September"
- "Hinweis: Bild-Dokumentation zum Fall Teufel"
- "Waggonbau: 180 Millionen Auftrag aus der DDR?"
- "Verfassungsschutz: Bericht über Rädelsführer'"
- "Polizei: Falsche Aussagen gegen Demonstranten"
- "Brandstiftung. Attentäter im Springer-Haus"
- "Aktionsgemeinschaft der Polizei: ÖTV macht nicht mit"
- "Extra-Report mit Dokumentation: Wird Fritz Teufel Justizopfer?"

Bericht wird u. a. über eine SPD Klausurtagung im September, über einen, gerüchteweise, 180 Millionen Auftrag aus der DDR, über einen Verfassungsschutzbericht mit "angeblichen Hintergrundinformationen über Rädelsführer bei den studentischen Unruhen", über falsche Aussagen der Polizei gegen Demonstranten, über eine rätselhafte Brandstiftung im Springer-Hochhaus, über eine "Aktionsgemeinschaft" zwischen dem Deutschen Beamtenbund und der Polizeigewerkschaft, "die das Image der Polizei aufpolieren soll". Die ÖTV erteilt dem eine Absage. Keine westdeutsche Zeitung oder Nachrichtenagentur hat einen Korrespondenten in Vietnam. Berichtet wird weiter darüber, dass im RC eine Diskussion über die Ereignisse des 2. Juni stattfinden soll. U. a. mit Justizsenator Hoppe, FDP-Fraktionschef Oxfort.

Berichtet wird im "Extra-Report mit Dokumentation'' über die Teufel-Festnahme und Polizisten, die "gelogen" haben. Im Prozess gegen Fritz Teufel und Rainer Langhans hat die Verteidigung eine "sensationelle Enthüllung vorbereitet: Der Angeklagte Fritz Teufel sitzt seit fünf Wochen unter einer wissentlich falschen Beschuldigung in Untersuchungshaft". Im "Hinweis" zur Doku wird noch erklärt, dass das "Beweismaterial" kostenlos nachgedruckt werden kann. Die Öffentlichkeit ist zu informieren.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 16, West-Berlin, 12. Juli 1967.

15.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 17 erscheint mit einer Dokumentation zu Springer: "Springer-Betriebsrat: Angst um den Arbeitsplatz", "Offener Brief an den AStA, Helmut Arndt: "Zehn Thesen zur verlorenen Pressefreiheit".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD West-Berlin: Rebellion unter Polizisten wird organisiert"
- "Senatsumbildung: Kampf um den Bürgermeister"
- "Springer-BZ: Zwei Redakteure beurlaubt"
- "Studenten-BZ: Für die Hochschulen Berlins"
- "Brief an Alliierte: Versand vergessen"
- "Personalien"
- "Todesschütze Kurras: Ich hätte 18 Mann erschießen können"
- "Arbeitslosigkeit: Immer mehr Journalisten betroffen"
- "Bundespresseamt: Sorgen um Kaiserkrönung von Teheran"
- "Bildzeitung: Methoden der Bild-Beschaffung"
- "West-Berliner Presse: Methoden der Vietnam-Berichterstattung"
- "Vorwurf gegen Generalstaatsanwalt"

Berichtet wird u. a., über eine mögliche "Rebellion" unter "sozialdemokratischen Polizeibeamten", die mit "Billigung rechter Landesvorstandsmitglieder SPD" organisiert würde, über die kommende Senatsumbildung, über die Kündigung zweier BZ-Redakteure, über den FU-Konvent, der an die westlichen Besatzungsmächte appelliert, "die Übernahme der Bonner Notstandsgesetze zu verhindern", weiter über die Planung eines Arbeitskreises der Berliner Hochschulen, unter dem Arbeitstitel "Hochschulen-BZ", "ein eigenes Wochenblatt" herauszugeben.

Weiter über die Arbeitslosigkeit unter Journalisten, über die kruden Methoden der Beschaffung von Bildern durch die "Bild-Zeitung". Kritisiert wird die West-Berliner Presse und ihre Berichterstattung über Vietnam. Das "Komitee Freiheit für Teufel", der RC und Horst Mahler stellen in einer "Erklärung zur Stellungnahme des Generalstaatsanwalts Dehnicke im Fall Teufel fest, dass es nachgewiesen sei, "dass der Student Fritz Teufel seit nunmehr sechs Wochen unschuldig in Untersuchungshaft einsitzt". Der Generalstaatsanwalt begehe "Freiheitsberaubung im Amt". In der Doku zu Springer veröffentlicht der BR einen "Offenen Brief" und Helmut Arndt stellt "Thesen zur verlorenen Pressefreiheit" auf.
Biographisches erfährt man über: Rudi Dutschke, Malte-Till Kogge, Eugen Gerstenmaier, über Kurras.
Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 17, West-Berlin, 15. Juli 1967.

19.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 18 erscheint mit einer Dokumentation: "Der 2. Juni der SPD".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Frühjahr 68: 1, 3 Millionen auf der Straße?"
- "Industrie: Geschrumpfter politischer Erwartungshorizont"
- "Anti-Vietnam-Demonstration: Schutz durch Polizei und Amerikaner"
- "RIAS-Quizmaster: Sender von Kommunisten unterwandert?"
- "Hamburger SDS: Ein 'Ship in' auf der Alster"
- "Studenten-Demonstration: katholische Jugend gegen Kirche"
- "Kontakte mit der Diktatur: Landjugend lädt Spanien ein"
- "Münchens Desch-Verlag Neue 'Weltbühne' im September"
- "Verlegerpakt rechtsradikal-antifaschistisch: Noch nicht perfekt"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Extra-Exklusiv: Fritz Teufel: Jetzt gestehe ich"

Berichtet wird u. a. über die "Wirtschafts- und Finanzpolitik des Kabinetts Kiesinger-Strauß", über Arbeitslosigkeit 1968, über einen "Tag der offenen Tür auf dem Tempelhofer-Feld", der von Amerikaner veranstaltet wurde. Protestler führten ein Go-in gegen den Vietnamkrieg durch, über RIAS und Hans Rosenthal und die Frage: Ist RIAS von Kommunisten "unterwandert?". Weiter wird berichtet vom Hamburger SDS, der zum Kubanischen Nationalfeiertag am 26.7. Aktionen plane. Berichtet wird noch von Rechtsradikalen, die versprengte Nationalisten in Gruppen sammeln wollen, in die "Jungen Nationaldemokraten" und im "Bund der Heimattreuen Jugend" (BHJ). Der Münchener Desch-Verlag, der die Zeitschrift "Kultur" 1961 einstellte, will im September die Null-Nummer eine neuen Zeitschrift für Kultur und Politik vorstellen. In Anlehnung an Ossietzkys "Weltbühne" soll sie "Neue Weltbühne" heißen.
Im "Extra-Exklusiv" schreibt Fritz Teufel sein "Geständnis" auf. In der Doku: "Der 2. Juni der SPD", legt eine Kommission seine Auffassungen "Zur Situation der Jugend in West-Berlin" vor. Die Analyse wird vom LV der SPD "nicht vertreten".
Biographisches erfährt man über: Ernst Lemmer, Jesco von Puttkamer, Georg Schulemann, Kai Hermann.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 18, West-Berlin, 19. Juli 1967.

22.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 19 erscheint mit einer Dokumentation des Bundeskartellamts: "Von den Schwierigkeiten, den Verbrauchern zu helfen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Republikanische Club: Gründungen in der BRD"
- "SPD-Personalia: Neubauer doch als Bürgermeister?"
- "CDU-Erwägung: Lübke ab nach Rom?"
- "Hamburger Polizei: Maschinengewehre gegen Studenten aufgeboten"
- "Haus Springer: Materialsammlung in Sachen Enteignung"
- "Konservativer Sammlungsversuch in West-Berlin: Demokratischer Club"
- "Evangelische Kontakte zur DDR: Comenius-Club in Gründung"
- "Verleger und Buchhändler: Senat soll Minderheiten tolerieren"
- "Hinweise"
- "Hannes Schwenger: Zur Diskussion gestellt: Warum nicht Springer-Volksaktien?"

Berichtet wird u. a. über die Gründung von Republikanischen Clubs in der BRD, so in Göttingen. Weitere Gründungen sollen folgen in Hamburg, Köln, München und Würzburg, über die Sondierungen bei der West-Berliner Senatsbildung im September/Oktober. Sozialsenator Neubauer wird als Bürgermeister gehandelt. Bestätigt sei, so "konkret", dass während des Schah-Besuchs in Hamburg bewaffnete Polizisten mit Maschinengewehren eingesetzt worden waren.

Berichtet wird weiter über Materialsammlungen in Sachen "Enteignet Springer". Als Gegenorganisation zum RC ist konservativen Kreisen ein "Demokratischer Club" in Vorbereitung. Auf einer MV am 19.7. wurden u. a. Manfred Roeder, Harald Hasper, Heinz Krieg u. a. in den Vorstand gewählt. Karl-Heinz Rose sprach hier über: "Grundlagenliteratur der studentischen Extremisten". Der Tod Benno Ohnesorgs wird hier als "unglückliche Geschichte" bezeichnet. Eine Gründung des "Comenius Clubs" ist für den Herbst geplant. Im "Reichskabarett" gastiert vom 24.-30.7. "Floh de Cologne". Vom 19.-24.9. findet in Köln eine Tagung der Deutschen Jugendpresse in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Gesundheitserziehung, über sexuelle Aufklärung statt. Am 25.7. soll im Rathaus Charlottenburg eine Veranstaltung zum Nahostkonflikt stattfinden. Hannes Schwenger nimmt zur Enteignungsforderung Stellung: Sie könne nur dann Unterstützung finden, "wenn ihre rechtliche und wirtschaftliche Durchführung im Rahmen der bestehenden Ordnung einleuchtet'".
In der Doku wird auf grundlegende Fragen der "Wettbewerbspolitik und des Wettbewerbsrecht" eingegangen.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 19, West-Berlin, 22. Juli 1967.

26.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 20 erscheint mit einer Dokumentation von Jörg Huffschmidt/Karl-Heinz Stanzick/Bernd-Peter Lange: "Vorschläge zur Demokratisierung der Presse".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Vietnam-Krieg: USA Nachschub über die Bundesrepublik"
- "SPD-Landesvorstand West-Berlin: Nur noch zwei Linke?"
- "Kanzlerreise in die USA: Von Johnson abgesagt"
- "Familienhilfe: Johnson und Kiesingers Tochter Viola"
- "Springer: Das Image wird aufgeputzt"
- "Schülerzeitungen: Redakteure lehnen Staatspreis ab"
- "Deutsche in Übersee: Fester Platz für Hitler-Bild"
- "Verletzter Demonstrant: Die Polizisten bitten zur Kasse"
- "FIAT 124: Nur ohne Rost empfehlenswert"
- "DDR-Nachruf auf Jonny Löhr: Glasklar"
- "Staatsanwalt in West-Berlin: Nationalzeitung empfohlen"
- "Republikanischer Club: Schlägerkartei eingerichtet"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"

Berichtet wird u. a. über den Vietnam Krieg. Nachschubeinheiten der GIs sollen in der BRD "ihre spezielle Vietnam-Ausbildung" erhalten, "die von Experten der Bundeswehr als 'besonders hart' qualifiziert wird", über Mitglieder des SPD LV West-Berlin, die bei der letzten Senatssitzung gegen eine Entschließung zur an der FU geplanten "Kritischen Universität" stimmten, über die Absage einer Kiesinger-Reise in die USA, über einen "eigenen Nachrichtendienst" über das Verlagshaus Springer. Der werde "jetzt im Hochhaus an der Kochstraße in der Abteilung 'Information Berlin' herausgegeben. Der Dienst soll monatlich erscheinen und soll sich mit "Presse- und Verlagspolitischen Fragen" beschäftigen. Die Redakteure der bayerischen Schülerzeitung "Kurier und Arche Nova" verweigern die Annahme eines Pokals als beste Zeitung. Ein Student, der nach der Anti-Schah Demo vom 2. Juni ärztliche Behandlung verlangt haben soll, wird nun zur Kasse gebeten. In der DDR-Zeitung "Neues Deutschland", erscheint ein Nachruf auf Jonny Löhr, geheimes Mitglied der SED. Der RC will über die tätlichen Auseinandersetzungen zwischen West-Berliner Polizisten und den Bürgern, eine "Schlägerkartei" einrichten. Im RC tagt am 26.7. das Komitee: "Freiheit für Griechenland". Lieder und Songs aus dem spanischen Bürgerkrieg werden im RC am 29.7. vorgetragen. In der Doku "Vorschlag zur Demokratisierung der Presse" sollen "Grundlagen zur Diskussion der Maßnahmen gegen den Springer-Konzern" vorgestellt werden.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 20, West-Berlin, 26. Juli 1967.

29.07.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 21 erscheint mit einer Dokumentation von Helmut Kentler: "Volk, Staatsorgane und Studenten Berlins".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Polizeipräsident Duesing: Schwarze verstehen nur Gewalt"
- "Justizsenator Hoppe: Verurteilung Teufels nicht so wichtig"
- "Steckbrief-Aktion für Teufel: Ab Sonnabend in der City"
- "Nicht-politische Hochschulgruppen: Rechtshilfefonds"
- "Vietnam-Krieg: Hilfestellung der westdeutschen Industrie"
- "DDR: Erich Honecker auf Platz 4"
- "Film über den 2. Juni: Im Oktober fertig"
- "ZDF Ost: Technisch fertig, aber ohne Personal"
- "Kunst-Kollektiv: Ziemlich nutzlose Angelegenheit"

Berichtet wird u. a. über den West-Berliner Polizeipräsidenten Duesing, der den Film "Africa Addio" gelobt haben soll. Schwarze würden "nur Gewalt verstehen", über Justizsenator Hoppe, der der "Zeit" zu verstehen gegeben habe, dass es ihm nicht darauf ankomme, ob Teufel tatsächlich "wegen Landesfriedensbruch verurteilt werde", sondern dass die U-Haft "auch ohne Verurteilung ihren abschreckenden Zweck erfüllen würde".
Berichtet wird weiter über eine "Steckbrief-Aktion West-Berliner Studenten (…) von Sonnabend an auf die City, vor allem auf den Kurfürstendamm ausgedehnt werden soll". Der "Steckbrief" geht auf die "unfähige Staatsobrigkeit" ein, um "einen Sündenbock" zu haben. Der "Steckbrief" fragt weite, warum die Anklage nicht auf die gesamte K I ausgedehnt wurde. Bereits verteilt wurden "Steckbriefe für Generalstaatsanwalt Dehnicke und Oberstaatsanwalt Kuntze". Der Generalstaatsanwalt habe bereits Strafantrag wegen "übler Nachrede" gestellt.

Am 21.7. wurde in Bonn der "Studentenrechtshilfefonds e. V." gegründet. Es solle ein Fonds eingerichtet werden. Ziel sei es: "Geldmittel für die Verteidigung von der Obrigkeit verfolgter Studenten zu stellen, ihre Angehörigen zu unterstützen und auch Gutachten ausarbeiten zu lassen". Berichtet wird über den Vietnam-Krieg und "über den Stand der Kooperation zwischen westdeutschen Industrie-Unternehmungen und der US-Luftwaffe, die sich bei der 'militärischen Stabilisierung' in Vietnam bestens bewährt habe". Ein Dokumentarfilm über den 2. Juni ist in Planung. Er soll im Oktober fertig sein. Eine "nutzlose Angelegenheit" nennt Peter O. Chotjewitz ein "Kunst-Kollektiv" für die Pariser Biennale. In der Doku von Kentler geht es um einen Vortrag über die "rüden Senats-Äußerung zur Wiedergabe der Kentler-Rede in der West-Berliner Presse". Innensenator Büsch erklärt, dass sich "Kentler disqualifiziert habe".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 21, West-Berlin, 29. Juli 1967.

02.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 22 erscheint mit einer Dokumentation von Innensenator Wolfgang Büsch: "Die Protestbewegung unter den Studenten".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Parteien-Popularität: Neuer Tiefpunkt für die SPD"
- "Republikanischer Club: Sickerts anonymer Mitschreiber"
- "Disziplinarverfahren: Nun auch im Fall Gottschalch"
- "Dienstaufsichtsbeschwerde: Polizei schießt auf Kentler"
- "Kriminalbeamte: Individualität wird abgewöhnt"
- "Gruppe 47-Treffen in Franken: Zum letzten Mal beisammen"
- "Krupps enterbter Sohn: Das Wort der Woche"
- "Nachtdepesche: Der Witz der Woche"
- "Extra über uns"

Berichtet wird u. a. über die Popularität der Großen Koalition (danach sei die SPD im Abwind), über den RC und den DGB-Vorsitzenden Walter Sickert. Bei einer Podiumsdiskussion sollen sich Anwesende zur Gewerkschaftsführung geäußert haben, und wie man versuchen will, auf die Arbeiterschaft einzuwirken. Die Aufzeichnung im Stile des Verfassungsschutzes hält Redebeiträge von Bernd Rabehl, Knut Nevermann, Lothar Pinkall, Wolfgang Lefevre u. a. fest. Gegen W. Gottschalch von der PH ist nun auch ein Disziplinarverfahren eröffnet worden (Vorermittlung gemäß § 24 der Landesdisziplinarordnung). Helmut Kentler, der die Polizeiführung psychologisch beraten soll, steht weiter unter Beschuss der von ihm kritisierten Polizei. Auch gegen ihn soll ein Disziplinarverfahren eröffnet werden. Berichtet wird noch über die "Gruppe 47", über Arndt von Bohlen und Halbach und die Umwandlung des Konzerns. In der Doku nimmt Innensenator Büsch zur Protestbewegung Stellung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 22, West-Berlin, 2. August 1967.

05.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 23 erscheint mit einer Dokumentation von Wolfgang Büsch (Teil 2): "Die Protestbewegung unter den Studenten".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD-Überlegungen: Münchens OB Vogel als Kanzlerkandidat"
- "FDP-Zwickmühle: Arbeiterstimmen fangen oder Schröder-Partner?
- "Kurras Anklageschrift: Erhebliche Lücken"
- "West-Berliner Wirtschaft: Wink aus Ost-Berlin"
- "DDR-Wirtschaft: Kredite nur noch gegen Zinsen"
- "Springer-Presse: Plötzliche Erregung über Todesschüsse"
- "US-Campaign beim Volksfest: Einladung zum Nachdenken"
- "Hinweis"
- "Extra über uns"

Berichtet wird u. a. über Münchens OB Vogel, der als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt wird, über die FDP, Opposition oder Regierungsbeteiligung, über die Kurras-Anklageschrift. Weiter über die DDR-Wirtschaft. Die Springer-Presse und die Schüsse auf zwei Strafgefangene, worüber sich die Springer-Presse echauffiert. Berichtet wird noch über ein "Deutsch-amerikanisches Volksfest" in Zehlendorf.
Dietrich Kittner tritt in der Galerie Jule Hammer am 9.8. auf, Horst Krüger liest am 6.8. im RC aus seinen West-Berliner Tagebuchblättern. Am 9.8. wollen Horst Mahler und Ulrich Preuß über die derzeitige Situation der Justiz diskutieren. Der "Extra-Dienst" dokumentiert den 2. Teil des Berichts von Senator Büsch: "Die Protestbewegung unter den Studenten der FU West-Berlin".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 23, West-Berlin, 5. August 1967.

09.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 24 erscheint mit einer Dokumentation von Senator Karl König: "Die Sicherung des wirtschaftlichen Wachstums in Berlin".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Brecht-Ensemble: Zu Gast bei der IG Metall in West-Berlin"
- "Sickert bestätigt: Verfassungsschutz lieferte ihm Protokoll"
- "Notstandsgesetzgebung: Offenbar bereits gescheitert"
- "Anti-Notstandskampagne: West-Berlins Gewerkschaften sind dabei"
- "Kuno Brandels Brief: Aktion eines 'politischen Toten'"
- "Bundesinnenministerium: Hilflos gegen ausländische Geheimdienste"
- "DDR-Verlage: Doch noch zu Frankfurter Buchmesse?"
- "Ferienstrafkammer: Der Witz der Woche"
- "Hinweise"
- "Extra über uns"

Berichtet wird u. a. über das Brecht-Ensemble aus dem Ost-Berliner Schiffbauerdamm-Theater, das auf Einladung der IGM-Ortsverwaltung Berlins drei Aufführungen geben wird, u. a. "Arturo Ui", über den Verfassungsschutz und Walter Sickert. Dieser soll bestätigt haben, dass der Verfassungsschutz ihm ein Protokoll über eine Veranstaltung im Republikanischen Club übergeben hat. Weiter wird berichtet, dass die Große Koalition sich zur Zeit außerstande sieht, die Notstandsgesetzgebung "noch in dieser Legislaturperiode zu verabschieden". In West-Berlin hat sich am 3.8. der Koordinationsausschuss "Notstand der Demokratie" konstituiert. Vorsitzender ist Studentenpfarrer Tietze. Berichtet wird noch über das Bundesinnenministerium, das hilflos gegenüber "ausländischen Geheimdiensten" und gegenüber "fremden Nachrichtendiensten" machtlos sei. Möglicherweise werden DDR-Verlage doch noch auf der Frankfurter Buchmesse gegenwärtig sein.
In der Doku nimmt Senator Karl König zur Frage des "wirtschaftlichen Wachstums" Stellung. Insgesamt sei es so, dass "der wirtschaftliche Rangverlust West-Berlins allein "durch wirtschaftspolitische Maßnahmen (…) nicht wettgemacht werden könne". Zudem gebe es "keine West-Berlin-Lösung". Man müsse über "das allgemeine Nachdenken" zur "realen Zukunft" kommen. Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 24, West-Berlin, 9. August 1967.

12.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 25 erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Iran Diplomaten sind Agenten: Seit drei Jahren in Bonn bekannt"
- "Heinrich Albertz: Abusch-Antwortbrief im September"
- "Kommune-Demonstration: Stern-Redakteur misshandelt"
- "Springer-Presse"
- "Fall Tsakaridis: Liberale Haltung des Senats von West-Berlin"
- "Bertelsmann-Konzern; Veränderungen bei Rütten & Loening"
- "Berliner Morgenpost: Falschmeldung der Woche"
- "Das Angebot des Jahres. Wegert machts möglich"
- "Hinweise"
- "Martin Buchholz: Extra-Report: Mord für den CIA. Extra-Dienst untersucht die Behauptung des 'Neuen Deutschland' über die Hintergründe eines kaltblütigen Verbrechens"
- "Extra-Auslese: Springer-Zeitungen und Leser-Stereotype"

Berichtet wird u. a. über Iran Diplomaten, die als "Agenten" bezeichnet werden und "seit mindestens drei Jahren den Behörden der Bundesrepublik" bekannt seien. Das "führende Personal der iranischen Konsulate in der BRD" würde "aus Offizieren der persischen Geheimpolizei SAVAK bestehen". Auch "Aufenthalt und Tätigkeit" dieser seien bekannt.
Bei der Kommune-Demo "anlässlich des Traueraktes für Paul Löbe (…) wurde von der Polizei auch der West-Berliner 'Stern-Redakteur' Ulrich Maurach festgenommen". Die "Springer Presse" stellt u. a. fest, dass "die gesamte Berliner Presse und darüber hinaus die maßgebenden Zeitungen und Zeitschriften im Bundesgebiet den Ereignissen in Berlin eine Berichterstattung zuteil werden haben lassen, die an Umfang diejenigen über den Koreakrieg in den fünfziger Jahren beträchtlich übertrifft".
Im Falle des griechischen Schriftstellers Tsakaridis gehe es um die Gewährung "von politischem Asyl". Die "Berliner Morgenpost" veröffentlichte eine Falschmeldung. Danach würde der RC "durch 'geheime Geldgeber' finanziert. Roman Brodmanns Fernsehbericht "Der Polizeistaatsbesuch" wird nun auch im III. Fernsehprogramm des SFB zu sehen sein. Studentenpfarrer Tietz setzt sich dafür ein, dass ein Büro für den Vorbereitungsausschuss "Notstand der Demokratie" gegründet werden solle. M. Buchholz untersucht einen angeblichen Mord für den CIA (?). Geworben wird für "express International".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 25, West-Berlin, 12. August 1967.

16.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 26 erscheint mit einer Dokumentation: "Die Anklageschrift gegen den Todesschützen Kurras".
Artikel der Ausgabe sind:
- "In der West-Berliner FDP: Hoppe soll zurücktreten"
- "Fall Derlig: Kampagne gegen Brandts Ostpolitik"
- "Springers Anwalt: Front gegen Augsteins FDP-Karriere"
- "West-Berliner Polizei: Gar nicht pingelig gegen NPD
- "Gerüchte in Mainz: Zusammenspiel Spiegel-Springer"
- "Diktatur: Griechenland vor internationales Tribunal"
- "Widerstands-Schallplatte: Schwarze Hand und weiße Hand"
- "Vietnam-Kriegsgegner: Boykott gegen Napalm-Hersteller"
- "Buchmesse Frankfurt: Kongress demokratischer Künstler"
- "Notstands-Kuratorium: Massiv am verkaufsoffenen Samstag"
- "Extra über uns"
- "Carl L. Guggomos: Extra Meinung: In Sachen Löbe"

Berichtet wird u. a. über Justizsenator Hoppe, der sein Amt verlieren solle, über den Fall Annemarie Derlig, die in Ungarn "nachrichtendienstliche Kontakte zu Bürgern der DDR zu unterhalten versuchte", über den Springer-Anwalt Arning, der Springers Ansinnen, in der Hamburger FDP Fuß zu fassen, hintertrieben haben soll. Im ZDF halten sich die Gerüchte, dass seine Mitarbeiter "anonyme Schreiben" erhalten, "in denen von einem 'raffinierten Zusammenspiel der Verleger Augstein und Springer gesprochen wird, mit der Absicht, einen Skandal um das ZDF heraufzubeschwören".

Weiter wird berichtet über oppositionelle griechische Kreise in Westeuropa, die das Athener Diktaturregime vor ein "Internationales Tribunal, ähnlich dem Stockholmer Russell-Tribunal, bringen wollen". Die Frankfurter Filiale der Firma "Down Chemical Company", die den USA Napalm liefert, "soll mit all ihren Erzeugnissen von deutschen Käufern künftig boykottiert werden". Während der Frankfurter Buchmesse vom 12.-17.10. soll auch ein "Kongress demokratischer Künstler" stattfinden. U. a. soll auch Franz Degenhardt dazu gehören. Themen sollen sein: "Die revolutionären Bewegungen in der Dritten Welt und die Gegenreaktion", "Die Entdemokratisierung in den kapitalistischen Ländern und in der BRD", "Faschistische Tendenzen". Für den 5. 11. sind in mehreren Großstädten "massive Aktionen gegen die Notstandsgesetzgebung" geplant. Veranstalter: "Kuratorium Notstand der Demokratie". In der "Extra-Meinung" referiert Guggomos über den Ex-Reichstagspräsidenten Paul Löbe. Der BED dokumentiert auch im Wortlaut die "Anklageschrift gegen Kurras".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 26, West-Berlin, 16. August 1967.

19.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 27 erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "Botschafter in Moskau: Tauziehen um Egon Bahr"
- "SPD: Parteidemokratie jetzt durch das ganz feine Sieb"
- "Schulen in der DDR: Psychologische Klassenschranken"
- "Von der Botschaft aus: Griechenlands Geheimdienst aktiv"
- "Zensur: Neue Indizierungswelle angelaufen"
- "Berliner Leben: Chefredakteur entlassen"
- "Personalien"
- "Kurt Mattick: Extra-Auslese: Vom Recht, mit Steinen auf Polizisten zu werfen"
- "Extra-Analyse: Kritische Anmerkungen zur Sicherung des wirtschaftlichen Wachstums in West-Berlin"

Berichtet wird u. a. über Egon Bahr, der Botschafter in Moskau werden soll. Die Frage nach Bahr, so maßgebliche SPD-Kreise, sei endgültig noch nicht beantwortet, über den SPD Bundesparteitag, der vom 13.-15.11. in Nürnberg stattfinden soll, über die DDR Schulen in der DDR, wo zur Zeit erwogen wird, "bei Aufnahmeprüfungen zu weiterführenden Schulen nur noch Intelligenztests durchzuführen und von Prüfungen wie bisher ganz abzusehen". Weiter wird berichtet über die griechische Botschaft in Bonn. Hier soll "Griechenlands Geheimdienst" aktiv sein. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Schriften prüft zur Zeit den Roman von Draginja Dorpat u. a. Der Chefredakteur der Zeitschrift "Berliner Leben" ist entlassen worden. Dieser hatte Kritik an der Akademie der Künste geäußert. Biographische Daten gibt es zu: Rudi Dutschke und Stefan Reisner. In der "Extra-Auslese" erklärt Kurt Mattick, "dass es das Recht demonstrierender und von der Polizei bedrängter Berliner ist, sich mit Steinwürfen zu wehren". Und in der "Extra-Analyse" legt der RC eine Analyse der West-Berliner Wirtschaft vor.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 27, West-Berlin, 19. August 1967.

23.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 28 erscheint mit einer Dokumentation von Walter Barthel zur "Lebensfähigkeit der Stadt" und einer des "RC: Widerstand wird zur staatsbürgerlichen Pflicht".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Bonner Berlin-Spekulationen: Professor als Regierender?"
- "SPD-Abgeordnete: Notfalls Notstands-Krach in der Fraktion"
- "West-Berliner FDP: Opposition wird stärker"
- "Ost-West-Ente: Flüchtling war nicht zwangsweise eingebürgert"
- "Springer-Kampagne: West-Berliner verloren ihr Urlaubsgeld"
- "Polizeiwillkür: Grundgesetz außer Kraft"
- "Ost-Berliner Theater-Festtage: Eröffnung mit Chatschaturjan"
- "Griechenland: USA streben Pseudo-Parlamentarismus an"
- "Hinweise"
- "Berliner Morgenpost: Ruf nach Berichtigung"
- "RC: Widerstand wird staatsbürgerliche Pflicht"
- "Das Flugblatt junger Sozialdemokraten"
- "Zeugenaussage n zu den Zwischenfällen"

Berichtet wird u. a. über die Suche nach einem Albertz-Nachfolger. So soll Dr. Ehmke von der Großen Koalition im Gespräch sein. Gescheidle, 2. Vorsitzender der Deutschen Postgewerkschaft, erklärte zur Notstandsverfassung: "Sollten unsere Bedenken vor der 2. Lesung der Notstandsverfassungsgesetze keine Berücksichtigung finden, werden wir dementsprechende Anträge einbringen". Gescheidle gehört mit zu den "Initiatoren der Anti-Notstands-Unterschriftensammlung in der SPD-Fraktion".

Durch eine Kampagne des Springer-Konzerns über "Masseninhaftierungen westdeutscher Touristen in Bulgarien" stornierten eine Reihe von Bulgarien-Reisenden ihr Ticket. Tags drauf wurde die Meldung dementiert. Berichtet wird weiter über Polizeigewalt in Hannover, über die XI. Ost-Berliner Theater Festtage. So soll das Nationaltheater Weimar den vollständigen "Faust" geben. Weiter wird berichtet über die USA, die Griechenland dazu drängen, "wenigstens ein pseudoparlamentarisches Regime in Athen wieder einzuführen". Biographische Daten gibt es zu: Dieter Süverkrüp und Letzt Lehmann.

Die "Berliner Morgenpost" wird dazu angehalten, ihre Aussagen zum RC zu revidieren. Der RC erklärt anlässlich einer US-Truppenparade in Neukölln, dass Protestierende "gewürgt, geschlagen und getreten" worden seien. Man wolle die Vorfälle der Europäischen Kommission zum Schutz der Menschenrechte übergeben "mit dem Ersuchen, den völkerrechtlichen Auftrag zu erfüllen und in West-Berlin wieder rechtsstaatliche Verhältnisse herzustellen".
In der Dokumentation erläutert Walter Barthel in 10 Thesen seine Vorstellungen über die "Lebensfähigkeit der Stadt".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 28, West-Berlin, 23. August 1967.

26.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 29 erscheint mit einer Dokumentation zu einem "Urteil zur Wehrpflicht ständig in West-Berlin ansässiger Personen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "West-Berliner Ausländerpolizei: Keine Diktatur in Athen"
- "Anwaltskammer: Standesverfahren gegen Rechtsanwalt Mahler?"
- "Demokratischer Klub: Moralische Aufrüstung"
- "Indiskretionen: Albertz-Brief an Prag und die 'Welt'"
- "Gewerkschaften: Im Betrieb wird wieder geprügelt"
- "Sonnabend im KADEWE: Go in für die Verkäufer"
- "Feuriges Eck: RC erzwang Bedienung von Afrikanern"
- "Selbstverteidigung: Lernt Judo beim Club"
- "Anti-Demonstrations-Pulver: 'Tagesspiegel' stellt uns Mittel vor"
- "Liberal: Hofft auf Spenden nach der Geld-Sperre"
- "Beleidigungsprozess: Ich bin nicht Springer-Hörig"
- "Extra über uns"
- "M. Buchholz: Extra-Report: Nach den Prügel-Persern die Prügel Berliner. Volksverhetzung in West-Berlin seit dem 2. Juni"
- "Republikanischer Club: Anzeige wegen Landesfriedensbruch"
- "GSG West-Berlin: Schmitz vor Gericht"

Berichtet wird u. a. über den Chef der West-Berliner Ausländerpolizei. Dieser habe davon gesprochen, "dass von einer Diktatur in Griechenland 'nicht die Rede' sein könne". Im Fall des Griechen Tsakaridis "verweigerte das Gericht auch hier die Einbürgerung". Rechtsanwalt Lindemann (vom CDU Abgeordneten Schmitz mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt) kündigte Horst Mahler an, "gegen ihn werde bei der Anwaltskammer ein Verfahren wegen standeswidrigen Verhaltens beantragt". Mahler hatte gegen Schmitz "wegen dessen (…) 'faschistoiden' Äußerungen Anzeige wegen Aufforderung zum Landesfriedensbruch erstattet", über den "Demokratischen Klub", der sich "nach eigenem Selbstverständnis als Konkurrenzgründung des Establishments zum Republikanischen Club versteht".

Die Bemühungen von Albertz, in Kontakte zum Prager Oberbürgermeister Cerny zu treten, bleiben erfolglos. Cerny betrachte West-Berlin nicht als eine "kommunale Größe". Der RC, SDS und andere planen eine Aufklärungskampagne im Kaufhaus KaDeWe zu den Öffnungszeiten. Im "Feurigen Eck" in Schöneberg dürfen nun wieder Afrikaner bedient werden. Im "Extra-Report" beschreibt Buchholz die Situation in West-Berlin seit dem 2. Juni und wendet sich gegen die "Prügel Berliner". Auch Wolfgang Neuss wird anlässlich der Truppenparade in Neukölln mit beängstigenden Worten bedacht: "Schlagt ihn tot. Das ist doch der Kerl, der immer beim Teufel-Prozess zuguckt". Horst Mahler hat im Auftrag des RC "gegen den CDU-Abgeordneten Karl-Heinz Schmitz Strafanzeige wegen Aufforderung zum Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung erstattet".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 29, West-Berlin, 26. August 1967.

30.08.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 30 erscheint mit einer Dokumentation von Otto Brenner: "Gewerkschaften und SPD".
Artikel der Ausgabe sind:
- "CDU: Große Koalition oder Terror von rechts"
- "Berliner Morgenpost: Organ des demokratischen Klubs"
- "Personalie"
- "Innenministerium: Will Einheit der Kriegsdienstgegner verhindern"
- "IG Metall: Deutliche Anspielung auf Sickert"
- "Antikriegstag: 1. September: Veranstaltung in 13 Städten"
- "Kaufhaus Schwab: Der Witz der Woche"
- "Amerikaner in West-Berlin: Demonstration am Kudamm"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Axel Springer & Sohn: Gegendarstellung"
- "Carl L. Guggomos: Extra-Meinung: Unruhe ist die erste Bürgerpflicht"
- "Extra-Auslese"
- "Extra über uns: West-Berliner Post: Zustellung unzulässig verzögert"
- "Extra-Dienst Brief an die Landespostdirektion"

Berichtet wird u. a. von der Großen Koalition. Die sog. "radikale Parteiführung" will die "bisher geübte Solidarität' der West-Berliner CDU gegenüber dem Senat und der SPD aufkündigen". Weiter heißt es dazu: "Im Hintergrund dieses Planes steht eine weitere CDU-Befürchtung: man ängstigt sich, der Albertz-Senat könnte aus seiner Ratlosigkeit gegenüber der außerparlamentarischen Opposition und unter dem Druck der objektiven Entwicklung für einen 'Sprung nach vorn' in der Ostpolitik ansetzen". Berichtet wird weiter über den "Demokratischen Klub", der als "reaktionär-konservativ" bezeichnet wird und als Gegenpart zum RC aufgebaut wird. In der "Personalie" wird über Horst Mahler berichtet. Das Bundesinnenministerium startet Versuche, die Fusionsverhandlungen "der beiden Organisationen der Kriegsdienstgegner, Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) und Internationale der Kriegsdienstgegner (IdK) zu torpedieren".

Veranstaltungen zum Antikriegstag sollen am 1.9. in 13 Städten (u. a. in: Essen, Hamburg, Karlsruhe, Nürnberg, Mannheim) stattfinden. Getragen werden sie u. a. von den Falken, den Naturfreunden, dem DGB. Biographische Daten gibt es zu: Willy Brandt, Axel Jerschke, Georges Reymond. In der "Extra-Meinung" schreibt Guggomos über die "gewaltlose Warenhaus-Aktion": "Um was es bei dieser Aktion geht: Dem Senat und den etablierten Parteien muss die Vorstellung ausgetrieben werden, dass jede Aktion gegen ihre Bankrottpolitik verfassungsfeindlich ist". Berichtet wird noch über eine Kritik des BED an der Post, die die Zustellung der Zeitung "unzulässig verzögern" würde. Otto Brenner (DGB) schreibt über "Gewerkschaften und SPD". Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 30, West-Berlin, 30. August 1967.

02.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 31 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: Falken-Brief an Gleite: "Dein schlechtes Gewissen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "West-Berliner Polizei: Strafanzeige gegen SPD-Fraktionsführer"
- "Ostpolitik des Senats: Kleiner Sprung nach vorn"
- "Amerikanische Demonstration am KUDAMM: Durch Polizei verboten"
- "DEFAKA und KADEWE: Ursprünglich gegen superlangen Sonnabend"
- "West-Berliner Presse: Mahler-Erklärung verschwiegen"
- "Republikanischer Club: Neue Vorschläge zum Ladenschluss"
- "CDU-Sozialausschüsse: Unterstützung aller Ladenschluss-Proteste"
- "Verwaltungsgericht West-Berlin: Vorentscheidung gegen Polizei"
- "Vietnam-Gegner: Internationale Protest-Tage im Oktober"
- "Hanser-Verlag: Zittern vor dem Tagesspiegel"
- "Witz der Woche: Von PPP und Telefunken produziert"
- "Personalien"
- "Extra über uns"
- "Ekkehart Krippendorff: Extra-Meinung: Faschismus inmitten Westeuropas"
- "In Sachen Teufel: Kammergericht gegen Generalstaatsanwalt"

Berichtet wird u. a. über die West-Berliner Polizei, die Strafanzeige "gegen Unbekannt wegen 'Anstiftung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt' gestellt hat", über die Ostpolitik des Senats. Alberts richtet ein Schreiben an den DDR-Ministerpräsidenten Abusch. Albertz möchte gerne über die "Fortsetzung der Passierscheinkontakte" debattieren. Die "Anti-Vietnam-Demonstration der US-Campaign (…) wurde von der Polizei nicht genehmigt". Weiter wird berichtet über den "superlangen Sonnabend" u. a. bei KADEWE. Eine Mahler-Erklärung wonach er "neutraler juristischer Beobachter bei der Diskutier-Demonstration am Tauentzien anwesend war", sei von der West-Berliner Presse verschwiegen worden.

Der RC legt "neue Vorschläge zum Ladenschluss" vor. Die CDU-Sozialausschüsse würden "alle Ladenschluss-Proteste" unterstützen. Am 21./22.10. sollen in vielen Städten Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg stattfinden, wozu aufgerufen wird. Biographische Daten gibt es zu: Dr. Wener Dopp, Werner Spanehl. In der "Extra-Meinung" referiert Ekkehart Krippendorff über den Faschismus in Griechenland. Das Kammergericht West-Berlins hat die Beschwerde Fritz Teufels "gegen die Haftentlassungsauflagen" verworfen. Geworben wird für die Sondernummer "Neofaschismus an der Universität" der Marburger Studentenzeitschrift "Sine sine". Aufgerufen wird für die Diskussionsreihen: "Revolten an der Universität" des Bezirksamts Schöneberg, Abteilung Jugend und Sport. In Stuttgart wurde das Komitee "Gegen die Diktatur in Griechenland" gegründet. Geworben wird noch für "Voltaire Flugschriften", u. a. "Bedingungen und Organisation des Widerstands", "Der Kongress von Hannover", "Protokolle", hrsg. Vom Bernward Vesper-Triangel in Zusammenarbeit mit dem Republikanischen Club.

Berichtet wird noch vom 9.6. Es tagte "der größte Studentenkongress der Nachkriegszeit mit 5.000 Teilnehmern zusammen mit Gewerkschaftern und Professoren, um gemeinsam die Organisation einer demokratischen Opposition in der Bundesrepublik zu beraten". Dazu ist jetzt ein Band mit Referaten und Diskussionsbeiträgen u. a. von Wolfgang Abendroth, Peter Brückner, Rudi Dutschke, Horst Mahler, Erich Kuby erschienen.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 31, West-Berlin, 2. September 1967.

06.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 32 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Wo Heinrich Albertz der Schuh drückt".
Artikel der Ausgabe sind:
- "West-Berliner SPD: Burgfrieden Rechts-Links vor dem Ende?"
- "Tagesspiegel: Studenten-Kommune soll wieder verschwinden"
- "Stachelschwein: Münchener Spitzen abgebogen"
- "Händedruck in der Waldbühne. Von Hassel und Faschistenführer"
- "Volkshochschule Charlottenburg: Ein Herr aus Pretoria zu Gast"
- "West-Berlins CDU: Vernunft auf Reisen"
- "FDP West-Berlin: Mitgliederzahl stagniert bei 1.300"
- "Kommune-Lieder beim Frankfurter SDS-Kongress: Was nun?"
- "Hinweis"
- "Hannes Schwenger: Extra-Report: Der großen Koalition entgegen. Die Berliner CDU seit den Wahlen"

Berichtet wird u. a. über die West-Berliner SPD und ihre Flügel, wo "personelle Veränderungen" geplant sind. Der "Tagesspiegel" würde zur Zeit überlegen, "ob und wie die ständige außerredaktionelle Dienstag-Kolumne 'Studenten und ihre Probleme' wieder aus der Zeitung verschwinden soll". Wolfgang Gruner will mit seinen Stachelschweinen "in diesem Jahrhundert" (…) nicht mehr mit der 'Münchener Lach- und Schießgesellschaft' im Fernsehen auftreten". Pierre Battesti bedankte sich mit einem Händedruck in der Waldbühne "bei von Hassel für dessen Scharfmacherrede vor den Vertriebenenverbänden".

Bei dem in Frankfurt/M. tagenden SDS-Kongress, sollen West-Berliner Kommune-Mitglieder die Tagung "durch Gesänge gestört haben". Hannes Schwenger schreibt über die CDU. Fazit: "Wie sie damals in Bonn, steuert heute die CDU in Berlin auf eine Große Koalition hin". In der "Extra-Dokumentation" wird eine Rede von Albertz veröffentlicht. "In ihr sollte nicht-wie gewöhnlich-die außerparlamentarische Opposition beschimpft werden, sondern es sollte ausnahmsweise einmal der latente faschistische Ungeist in weiten Teilen der West-Berliner Bevölkerung kritische Würdigung erfahren. Die lieben Mitbürger sollten in pastoraler Weise gemahnt werden, einige Grundelemente demokratischen Verhaltens zu begreifen, nach dem man ihren nach-hitlerschen Antikommunismus in seiner trivialen Form nicht mehr so recht gebrauchen kann. Aber für Albertz ist die faschistische Pogromhetze der CDU und der Springer-Presse lediglich 'GEGENDRUCK': Als ob nicht fortlaufend linke Demonstranten unter den Augen der Polizei oder von dieser verprügelt würden, sondern jene Straßenpassanten, die die 'Vergasung' derselben fordern".
Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 32, West-Berlin, 6. September 1967.

06.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 33 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Die Sprache der Heimatvertriebenen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Linker SPD-Flügel: Für eine neue Deutschland- und Berlin Politik"
- "Senatsumbildung: Erst Sachfragen klären"
- "FDP-Bundesparteitag: Nachfolger Mendes schon im Oktober?"
- "West-Berlin: Wirtschaftsbelebung durch sinnlose Käufe"
- "Parteisäuberung: SPD will sich von Unbequemen trennen"
- "CIA-Affäre: VDS Mitgliedschaft im ISC ruht"
- "KADEWE-Go in: Bearbeitung jetzt bei der PoPo"
- "Godard-Film über Kommune: Test in West-Berlin"
- "Hinweise"
- "100 Jahre Kapital"
- "Extra über uns"

Berichtet wird u. a. über den linken SPD-Flügel, die Bezirksbürgermeister Abendroth und Karnatz. Aus objektiven Gründen könne man heute keinen "einheitlichen deutschen Staat (mehr) schaffen". "Das Alleinvertretungsrecht sei deshalb zu beseitigen. Beide deutsche Staaten müssten unter der Bedingung anerkannt werden, dass sie sich gegenseitig nicht als Ausland betrachten und ihren Willen für eine spätere Vereinigung kundtun. Zwischen den Regierungen der beiden deutschen Staaten seien direkte Verhandlungen auf allen Ebenen zu beginnen". Berichtet wird weiter darüber, dass das Führungszentrum der SPD "sofort in Verhandlungen über eine Senatsneubildung einzutreten, zurückgewiesen wird". Verhandlungen sollen für die Zeit nach der SPD-Klausurtagung am 23.9. möglicherweise beginnen. Berichtet wird noch über einen Ausschluss aus der SPD. Es trifft die Autorin Ute Erb.

Die Beziehung des VDS zur ISC "wurde mit sofortiger Wirkung suspendiert". Die PoPo hat die "weitere Bearbeitung des Kaufhaus-Go in vom 26.8. übernommen". Godards Film "La Chinoise" über eine französische Kommune" soll demnächst gezeigt werden. Das neue Programm des "Reichskabaretts" beginnt am 10.9. Ein Kolloquium zu "100 Jahre Kapital-Kritik der politischen Ökonomie" soll vom 14.-16.9. in der Frankfurter Goethe-Universität stattfinden. Aufgerufen hat das Frankfurter Institut für Politik Wissenschaften und die Europäische Verlagsanstalt. Veröffentlicht wird in der "Extra-Dokumentation" die Rede von Reinhold Rehs, Präsident des "Bundes der Vertriebenen". Sie zeige "unserer Meinung nach am deutlichsten jenes für derartige Verbände typische Gemisch aus unverbindlichen Versöhnungsfloskeln und weitgehend unverhülltem Revanchismus".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 33, West-Berlin, 9. September 1967.

13.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 34 erscheint mit einer Extra-Dokumentation zur Berlin-Frage: "Für eine neue Politik".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Ein Angebot aus dem Hause Springer"
- "Tagesspiegel wünscht Gegendarstellung"
- "Affäre Teufel: Go-in im Schöneberger Rathaus"
- "Schriftstellerprotest in der CSSR: Nur zwei Autoren?"
- "Studentenpresse: Keine Studentenzeitung geplant"
- "Neue Kritik: Theoretische Zeitung des SDS"
- "Springer-Anteil an der Jugendpresse: Fast 100 Prozent"
- "Literarische Links-Clubs: Ab sofort Koordination"
- "Hannes Schwenger: Extra-Report: Wie man Lügen lange Beine macht" und: "Aus dem 'Fall Zweig' wurde wieder einmal ein fall Springer"
- "Blütenlese aus der Berliner Morgenpost"
- "Die Antwort der Landespostdirektion"

Berichtet wird u. a. über die BZ, die Mahler zu einem Gespräch eingeladen hatte. Hintergrund: der Chefredakteur soll gesagt haben: "Wenn die außerparlamentarische Opposition ihre Kampagne gegen den Springer-Konzern einstellte, hätte die BZ freie Hand, die Korruption in der West-Berliner Polizei aufzudecken. Zur "Studenten-Kolumne" (BED 32) verlangt der Tagesspiegel eine Gegendarstellung, da die "Behauptungen unwahr seien". Im Rathaus Schöneberg soll am 15.9. ein Go-in stattfinden. Hintergrund: "Freunde des Studenten Fritz Teufel haben dazu aufgerufen, den von der Polizei seit letzten Freitag entsprechend einem Haftbefehl Gesuchten nicht in der Untersuchungshaftanstalt Moabit, sondern bei der West-Berliner Volksvertretung abzuliefern. (…) Rechtsanwalt Horst Mahler, Teufels Verteidiger, warnte davor, die Protestaktionen gegen eine erneute Inhaftierung Teufels zu bagatellisieren oder als Ulk aufzufassen". Eine "Studenten-BZ", wie verlautet, sei nicht geplant. Man arbeite aber zur Zeit an "einer Zeitschrift unbekannten Namens", deren Nullnummer Ende des Monats erscheinen soll.

Das bisherige Diskussionsorgan des SDS "Neue Kritik" wird als "theoretische Sozialistische Zeitung" erscheinen. Herausgeber sind u. a. Oskar Negt, Peter Gäng, Klaus Vack, Lothar Wolfstätter. In Frankfurt/M. trafen sich Vertreter von 15 politisch-literarischen Clubs zu einem Koordinationsgespräch. Unter dem Zeichen POL (Arbeitsgemeinschaft Politisch-literarischer Clubs) soll in Frankfurt/M. ein zentrales Org.-Büro eingerichtet werden, "das Programme arrangiert und koordiniert". Folgende Clubs nahmen u. a. daran teil: "Club Voltaire" (Frankfurt/M.), "Aktion 67" (Wuppertal), "Komm Club" (München), "Lila Eule" (Bremen), "Republikanischer Club" (Hamburg), "Studentenkeller im Schloss" (Darmstadt).

Im "Extra-Report" geht es um Arnold Zweig, der das Leben in der DDR als "Hölle" bezeichnet. Zwischenzeitlich hätten sich aber die Behauptungen "in Nichts aufgelöst". In der "Extra-Dokumentation" wird über die Berlin-Frage diskutiert und dazu 8 Thesen veröffentlicht. Geworben wird für: die Ausstellung: "Dem Scheiterhaufen entgegen", die am 27.9. im jüdischen Gemeindehaus eröffnet wird.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 34, West-Berlin, 13. September 1967.

16.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 35 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "SPD-Linke für eine neue Politik" (II. Teil)
Artikel der Ausgabe sind:
- "Neubauer: Wieder auf dem Marsch nach links?"
- "Albertz: Antwort an Abusch: Schon wieder im Eimer"
- "Westdeutsche Söldner: Kämpfen für Biafra"
- "Vietnam in USA: Jeder zweite Amerikaner gegen den Krieg"
- "SHB-Memorandum: Acht Forderungen an Senat und SPD"
- "Ein Sozialdemokrat hat das Wort: Sickerts Blütenlese"
- "West-Berliner Betriebe: Westdeutsche als Drückeberger beschimpft"
- "Voltaire-Verlag: Strafanzeige gegen drei Springer Chefredakteure"
- "Bremer Polizist: Auf das Grundgesetz pfeife ich"
- "Junge Generation an der Saar: Gegen große Koalition"
- "Günter Grass: Im Zweifelsfalle für den lieben Gott"
- "Katholische Bischöfe: Konkurrenzblatt für Rheinischen Merkur"
- "DDR-Verlage: Messe Zusage in letzter Minute"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Es gilt, ein Justizverbrechen zu verhindern"

Berichtet wird u. a. über Sozialsenator Neubauer, der als "Führer der rechten Fraktion" bezeichnet wird, und jetzt versuche, "die Tuchfühlung zum allgemeinen Linkstrend nicht ganz zu verlieren". Er habe jetzt ein neues Papier vorgelegt: "In der Berlin-Politik könne es so wie bisher nicht weitergehen". Der BED meint dazu: "Allerdings versucht Neubauer im Gegensatz zu den linken Papieren es mehr mit taktischen Erörterungen".

Berichtet wird weiter über Albertz. Seine angeleierten "Passierscheinkontakte werden voraussichtlich wegen der anstehenden Finanzthemen erneut verschoben werden müssen". Der Rundfunksender Lagos, Nigeria berichtet über eine "Zusammenstellung eines Söldnertruppentransportes von westdeutschen Bürgern für die von der Zentralregierung abgefallenen Ostprovinz, die jetzt den Namen Biafra hat". In den USA soll jeder zweite Amerikaner "gegen den Krieg in Vietnam" sein. Berichtet wird auch über ein SHB-Memorandum. Danach veröffentlichte der LV des SHB West-Berlin "ein umfangreiches Memorandum zur Situation von SPD, Senat und Öffentlichkeit in West-Berlin nach dem 2. Juni'".

Der "Voltaire-Verlag" hat "gegen die Chefredakteure der Springer-Zeitungen 'Berliner Morgenpost', 'Mittag' (Düsseldorf) und 'Hamburger Abendblatt Strafanzeige wegen politischer Verdächtigung nach § 241 StGB gestellt". Danach kann mit Gefängnis bestraft werden, "wer andere durch politische Verdächtigungen oder Mitteilungen der Gefahr aussetzt, aus politischen Gründen verfolgt zu werden". Biographische _Daten gibt es zu Kurt Brumlop, Heinz Zellermayer".

Die "Voltaire-Flugschrift" Nr. 12 ist erschienen: "Bedingungen und Organisation des Widerstands". In der "Extra-Dokumentation" werden "die Vorschläge zur Berlin-Politik der SPD-Linken" veröffentlicht: "Zur Deutschland- und Osteuropapolitik. Ergebnisse einer Diskussion interessierter Genossen". Berichtet wird noch über eine Flugblatt-Aktion des SDS, des RC und der Gewerkschaftlichen Studentengemeinschaft zu Fritz Teufel, der sich "im Rathaus Schöneberg dem Abgeordnetenhaus stellen will". Die West-Berliner "Justiz beschuldigte ihn, am 2. Juni 1967 anlässlich der Anti-Schah-Demonstration vor der Oper einen Stein gegen Polizisten geworfen zu haben". Das Flugblatt endet mit den Worten: "Seid Demokraten, befreit euch aus dem Untertanengeist einer unseligen Vergangenheit, kämpft gemeinsam mit den Studenten für die Freiheit Fritz Teufels". Geworben wird für den "Gewerkschaftsspiegel".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 35, West-Berlin, 16. September 1967.

20.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 36 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Eine Darstellung aus dem Hause Springer".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD: Unvereinbarkeit mit dem Republikanischen Club"
- "Häussermann-Rücktritt: Institutionell nicht mehr möglich"
- "Untersuchungsbericht: Ein fauler Kompromiss"
- "Spendenkonto für Fritz Teufel: Geld und Briefe"
- "Studentenpfarrer: Ja zur kritischen Universität"
- "Studentenpfarrer: Nein zum Krieg in Vietnam"
- "Druckhaus Tempelhof: Zensiert für Springer"
- "Morgenpost-Autor Fraenkel: Wandlungen eines Klassenkämpfers"
- "Witz der Woche: Terror vor dem Parlament"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Kampagne für Abrüstung. Ostermarsch der Atomwaffengegner"
- "Kriegsdienstverweigerer"
- "Berliner Extra-Dienst"

Berichtet wird u. a. über die SPD, in deren Kreisen (Wilmersdorf und Schöneberg) "Resolutionen für einen Unvereinbarkeitsbeschluss SPD-Republikanischer Club vorbereitet wird". "Der Republikanische Club wird angeklagt, Feind der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu sein". Für Aufsehen soll der Rücktritt von Hartmut Häussermann gesorgt haben. Häussermann war bisher Vorsitzender des AStA der FU. Die Konferenz aller evangl. Studentenpfarrer an den westdeutschen und West-Berliner Universitäten und Hochschulen hat sich gegen den Vietnam-Krieg ausgesprochen. FU Professor Ernst Fraenkel soll eine Demo des SDS in Frankfurt/M. mit den Worten bedacht haben: "Dies sind haargenau genau die gleichen Methoden, die vor einer Generation die Rollkommandos der SA angewandt haben". Biographische Daten gibt es zu Franz Amrehn, Heinz Barth. Die SPD-Betriebsgruppe an den West-Berliner Hochschulen und Forschungsinstituten konstituiert sich anlässlich einer Vollversammlung am 9.10.

In der "Extra-Dokumentation" wird darüber berichtet, dass das Verlagshaus Springer seinerseits eine "Materialsammlung zur 'Enteignet-Springer' Aktion" vorgelegt habe. Im Folgenden soll in der Doku "der Ursprung dieser Forderung untersucht werden". Berichtet wird noch über die "Kampagne für Abrüstung - Ostermarsch der Atomwaffengegner" und über "Kriegsdienstverweigerer".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 36, West-Berlin, 20. September 1967.

22.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 37 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Der Bericht des Untersuchungsausschusses".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Springer-Tribunal: Sekretariat zur Vorbereitung eingerichtet"
- "SPD-Papier: Zustellung erst am späten Abend"
- "SPD-Republikanischer Club: Kein Unvereinbarkeitsbeschluss?"
- "West-Berlin: Auch Liberale gehen in Klausur"
- "Morgenpost-Fälschung in Sachen Zweig: Vorsätzlich"
- "Zitat"
- "Katholische Kreise: Widerstand gegen Bonns 'Neue Ostpolitik'"
- "Büro für Vietnam: Quick-Illustrierte windet sich"
- "Wiener Zeitung 'Furche': Springer wie Hugenberg"
- "Demokratischer Klub: Schüler denunziert"
- "Hinweise"
- "West-Berlin": Koordinierung der Außerparlamentarischen Opposition"
- "Springer: appelliert an die Großindustrie"
- "Stefan Reisner: Extra Meinung: Notizen zu Kritiken: Die Premiere des Reichskabaretts"

Berichtet wird u. a. über das "Springer Tribunal". Hierzu wird ein Tribunal eingerichtet, das für Mitte Dezember/Anfang Januar 1968 vorgesehen ist. Das Sekretariat soll geleitet werden von Bernhard Blanke, Peter Schneider und Hans Joachim Hameister. Der SPD-Landesvorstand soll über einen "Beschlussentwurf über eine Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der SPD und RC" beraten haben. Und "die Zustimmung einer Vorstandsmehrheit gefunden haben.

Weiter wird berichtet von den "Katholischen Blättern", die die "Neue Ostpolitik" ablehnen. Kritik wird an einer "Vietnam-Story" von "Quick" geübt. Die Wiener Zeitung "Furche" agitiert gegen den Darmstädter Professor Karl Otmar Freiherr von Aretin. Die Zeitung erklärt: "das Beunruhigende an 'Bild' sei weniger die Zeitung als die Leserschaft!" Der West-Berliner "Demokratische Klub" soll sich als "Denunziant" gegen die USG und gegen den AUSS betätigt haben. Berichtet wird noch über die Konstituierung des "Koordinationsausschuss der West-Berliner Außerparlamentarischen Opposition". Es erschienen die Verbände: SDS, SHB, LSD, ESG, GSG, HSU, die Studentenvertretungen der FU, TU, PH, der Hochschule für Bildende Künste und der Kirchlichen Hochschule, die HU, die Kampagne für Demokratie und Abrüstung, die Liga für Menschenrechte u. a. "Grundlage des Gesprächs war ein Statement des Republikanischen Clubs, in dem es heißt: 'Ein Hauptanliegen dieser Gespräche liegt darin, allen, die sich an der außerparlamentarischen Opposition orientieren, bewußt zu machen, dass das Anliegen der Opposition nicht nur ein deklamatorischer Protest ist, sondern dass wir auf die Änderung der als schlecht und unzureichend erkannten bestehenden politischen Verhältnisse abzielen. Diese Veränderung beinhaltet nicht die Abschaffung demokratischer Strukturen und Mechanismen-wie es unsere Gegner behaupten, sondern gerade die Herbeiführung eines demokratisch funktionierenden Gemeinwesens, das in der Lage ist, seine politischen Lebensinteressen zu erkennen und durch bewußtes politisches Handeln durchzusetzen. Gerade aber die Tatsache, dass wir es nicht bei einem deklamatorischen Protest bewenden lassen, sondern zielstrebig die Veränderung herbeiführen wollen, fordert den entschiedenen Widerstand des politischen Gegners heraus. Wir sollten sofort damit beginnen, die sich daraus für uns ergebenden politischen Probleme zu diskutieren.' Dieser Anregung wurde gefolgt. Als vordringlich erkannt wurde, alsbald eine Verbreiterung der Massenbasis der außerparlamentarischen Opposition zu erreichen. In den kommenden Monaten sehen die Gruppen der außerparlamentarischen Opposition folgende acht Schwerpunkte ihrer Arbeit: 1. Aktionen, die die Vorstellungen der Opposition von einem lebensfähigen Gemeinwesen West-Berlin sichtbar machen; 2. Aktionen zur Durchsetzung des Modells der Kritischen Universität; 3. Aktionen zur Aufklärung über die Rolle des Springer-Konzerns in dieser Gesellschaft; 4. Aktionen, die über das Justizverbrechen an Fritz Teufel aufklären; 5. Aktionen gegen die Politik der sozialen Demontage; 6. Kampagne für die Anerkennung der DDR als Voraussetzung für eine europäische Friedensordnung; 7. Aktionen gegen die geplante Notstandsgesetzgebung; 8. Aktionen gegen den US-Krieg in Vietnam".

Berichtet wird noch über das "Reichskabarett". In der "Extra-Dokumentation" wird der erste Teil des "Berichts des parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Wortlaut" veröffentlicht.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 37, West-Berlin, 22. September 1967.

27.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 38 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Der Bericht des Untersuchungsausschusses (II)".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Heinrich Albertz: Von de Mafia gestürzt"
- "SPD und Gewerkschafter: Konflikt spitzt sich zu"
- "DGB-Vorsitzender Lenbach als SPD-Vorsitzender Buchstaller"
- "HBV West-Berlin: Verwirrter Vorstand"
- "Neue Weltbühne: Probenummer verschoben"
- "DDR: Ohnesorg-Song aus Ost-Berlin"
- "Albertz: Gespräch mit Schülern abgesagt"
- "Sing Out: Antrag auf Einrichtung einer Privatschule"
- "Hinweis"
- "Springer Antwort: Gegner wollen Sowjetzonen-Verhältnisse"
- "BZ-Meldung über Anti-Springer Demonstration: Halbwahrheit"
- "Anti-springer Kampagne: Konzertierte Aktion"
- "Nach vierzehn Tagen: Berliner Morgenpost dementiert"

Berichtet wird u. a. von rechten Gruppen in der Berliner SPD, die Albertz stürzten. Dieser trat am 26.9. zurück. Titelüberschrift im BED: "Albertz von der Mafia gestürzt". "Die Mafia um dem Steglitzer Kreisvorsitzenden Harry Liehr, den stellvertretenden Weddinger Kreisvorsitzenden Pätzold und den Abgeordneten Gellermann hat in der Fraktion des Abgeordnetenhauses 35 Stimmen fest. Albertz konnte-obschon nicht Freund der Linken-bestenfalls auf 15 Stimmen der Linken und Halblinken zählen. Der Rest der 32 Unentschlossenen war keine Regierungsbasis mehr. (…) In der außerparlamentarischen Opposition hört man Genugtuung über die Erfüllung der von ihr nach dem 2. Juni erhobenen Rücktrittsforderungen. Die Opposition hatte den Abtritt von Albertz, Büsch und Duensing verlangt. Die Forderung wurde - in umgekehrter Reihenfolge - erfüllt. In Kreisen der außerparlamentarischen Opposition gab man aber deutlich zu verstehen, dass eine personelle Neuorientierung ohne eine Veränderung der sachlichen Politik ohne Bedeutung bleibt".

Berichtet wird weiter von den Konflikten zwischen der Führung der Bundes SPD und den gewerkschaftlich organisierten SPD-Mitgliedern. Die erste Probenummer der "Neuen Weltbühne" ist verschoben worden. In der DDR ist zu einem Gesangswettbewerb ein Lied mit dem Titel "Wie starb Benno Ohnesorg" vertreten. Der Künstler ist Hartmut König. Die Kampagne für Abrüstung "hat sich dem oppositionellen Verlangen nach Beseitigung der marktbeherrschenden Stellung Springers in der Massen-Publizistik angeschlossen. (…) In einer Auflage von 10.000 Stück wurden Plaketten hergestellt, die den Text 'Bild macht dumm' tragen". In der "Extra-Dokumentation" wird der II. Teil des "Berichts des Untersuchungsausschusses" veröffentlicht.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 38, West-Berlin, 27. September 1967.

30.09.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 39 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Günter Grass: Faschistische Methoden im Springer-Konzern".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Wehner-Aktion: Schmidt nach Berlin: Im Anlauf gescheitert"
- "DGB-Landesvorsitzender: Zum Rapport in die Baracke bestellt"
- "DGB und Große Koalition: Die Enttäuschung wächst"
- "Im November 1967: Gemeinsame Tagung Falken und FDJ"
- "Dr. Weigand: Dreimal beim Verfassungsgericht abgewiesen"
- "SPD-Fernsehpolitik: In Wehners Papierkorb verschwunden"
- "Personalien"
- "Extra über uns"
- "Extra-Meinung: Nicht eine neue 'Charaktermaske', sondern eine neue Konzeption wird gesucht"
- "Ein Urteil gegen Rudi Dutschke"

Berichtet wird u. a. über einen "taktisch unglücklich angelegten Versuch Herbert Wehners., den ihm mißliebigen Fraktionsführer der Bundestags-SPD, Helmut Schmidt, loszuwerden. Wehner würde schon seit geraumer Zeit daran stricken, "Helmut Schmidts Ambitionen auf den im Statut nicht festgelegten Posten eines 'Kanzlerkandidaten' der SPD zu torpedieren". Berichtet wird weiter über den DGB, der über die "Arbeit der Großen Koalition" enttäuscht sei. Im Juli und September wollen die Falken und der Zentralrat der FDJ der DDR politische Gespräche führen.

Biographische Daten gibt es zu: Beate Klarsfeld, Marianne Usko. In der Extra-Meinung wird über die Floskeln "Albertz soll gestürzt werden" und "Albertz soll gestützt werden" gewitzelt. Die erste Schlagzeile hatte das "Extra-Blatt" am 12.2.1967 verbreitet. Zudem gibt es reichliche Kommentare zur SPD. Von Willy Brandt bis Klaus Schütz. In der Extra-Dokumentation sieht Günter Grass: "Faschistische Methoden im Springer-Konzern". Dazu werden Kommentare aus "Panorama" veröffentlicht. Rudi Dutschke wurde wegen "öffentlicher Beleidigung" zu einer Geldstrafe verurteilt. Er soll zu Beamten gesagt haben: "Ihr Totengräber der Demokratie. Ihr werdet Euch noch wundern, ihr werdet von mir hören". Geworben wird für den "Gewerkschaftsspiegel".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 39, West-Berlin, 30. September 1967.

04.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 40 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Günther Donat: Ein Artikel aus der West-Berliner 'Wahrheit' zur Diskussion über Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Klaus Schütz: Harter rechter Kurs"
- "Engländer in West-Berlin: Freie Stadt-Pläne nicht uninteressant"
- "Dirigent Pierre Boulez: Ich verstehe die Studenten"
- "Oberstaatsanwalt: Prügel für Studenten nicht völlig abwegig"
- "Schriftsteller: Solidarisch mit Grass"
- "Amtsgericht Karlsruhe: Sit in sind nicht anmeldepflichtig"
- "Bundesrepublik: Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt"
- "Hinweise"
- "Personalien"
- "Hannes Schwenger: Extra-Report: Noch einmal: Tarantel-Press"
- "Der Vorstand des Republikanischen Clubs gab folgende Erklärung ab"

Berichtet wird u. a. über Klaus Schütz, Nachfolger von Albertz. Seine "künftige Berlin-Politik komme einem "harten rechten Kurs gleich". Berichtet wird weiter über den Dirigenten Pierre Boulez. Im Interview mit Michael Hansch, Student an der Kirchlichen Hochschule, erklärte Boulez, dass die Aktionen der Studenten bei seinem Festwochenkonzert nicht ihm galten: "Sagen sie den Studenten, dass ich sie verstehe und unterstütze. Ich habe mich nicht betroffen gefühlt".

Weiter wird berichtet über Oberstaatsanwalt Kuntze: es sein ein "verfassungsmäßig verbrieftes Recht", wenn "Berliner Bürger androhen, Studenten 'Knüppel um die Ohren' zu schlagen". Eine Reihe von Schriftstellern erklärt sich mit G. Grass zum Fall der Springer-Falschmeldung über Arnold Zweig, solidarisch. U. a. Max von der Grün, Hans Magnus Enzensberger, Reinhard Lettau, Ekkehart Krippendorff. Berichtet wird noch von der Anzahl der Kriegsdienstverweigerer, die ansteigt. Bis zum 31.7. "wurden über 2.000 Kriegsdienstverweigerer nach einem Prüfungsverfahren anerkannt". Im RC findet am 6.10. eine Diskussion zur Senatskrise statt. Eine weitere "Voltaire-Flugschrift" ist erschienen. Sie widmet sich dem Fall Springer am Beispiel Arnold Zweig.

Biographische Daten gibt es zu Hans-Georg Soldat, Horst Wagner. Der RC beantwortet eine Anfrage von William Borm (FDP): Der RC habe nie "das Prinzip der parlamentarischen Demokratie in Frage gestellt".

In der Extra-Dokumentation referiert Günther Donat zu: Herbert Marcuse. Einleitend heißt es dazu: "EXTRA-Dienst dokumentiert nachstehend einen uns wichtig erscheinenden Artikel, der im Parteiblatt der SED-West, 'Die Wahrheit', am 29. September 1967 als Beilage unter dem Titel 'Zur Diskussion über Herbert Marcuse-Der eindimensionale Mensch', Autor Günther Donath, erschienen ist. Dieser Artikel, ungewöhnlich substantiell und akzeptabel in der Form, scheint fast programmatischen Charakter für das Verhältnis der kommunistischen zur außerparlamentarischen Opposition dieser Stadt-soweit sie sich als sozialistisch versteht-zu haben. EXTRA-Dienst geht wohl in der Vermutung nicht fehl, dass dieser Beitrag nicht ohne Zutun kommunistischer Kreise zustande gekommen ist, deren Aktionsfeld nicht auf West-Berlin allein beschränkt ist. Insofern wird sichtbar, welche Haltung beispielsweise auch die Ostberliner Kommunisten zur Westberliner Studenten- und Intellektuellen-Opposition einnehmen; eine bisher immerhin nicht ganz geklärte Frage".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 40, West-Berlin, 4. Oktober 1967.

07.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 41 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "SPD-Ausarbeitung zur Hochschulpolitik und Studentenpolitik: Leitsätze für die Berliner Hochschulpolitik der Autoren Stein und Borinski".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Außerparlamentarische Opposition: DDR anerkennen"
- "SPD-West-Berlin: Mattick mit Gnandenfrist"
- "Anti-Springer-Kampagne: Konzern und Konzernchef in Sorge"
- "Gymnasien: Wir sind demokratisch genug"
- "Anti-Notstandspapier der Theologen: 1.200 Unterschriften"
- "Bundestagsausschuss: Handschellengesetz beerdigt"
- "Konkret als Tageszeitung: Aber nur während der Buchmesse"
- "Evangelische Akademiker: Ja zu außerparlamentarischer Aktion"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Extra über uns"

Berichtet wird u. a. über die APO, die "ein erstes Flugblatt zur Senatskrise verteilen" will. "Die Aktion soll eine offene Diskussion über die politischen Existenzfragen der Stadt erzwingen. (…) Das Flugblatt, in einer Club-Diskussion im Republikanischen -Club vorbereitet und in Verbindung mit Studentenverbänden herausgegeben, wirbt für die Erkenntnis, dass die gegenwärtige Senatskrise nicht Ausdruck 'persönlicher Querelen ist', sondern als Schnittpunkt einer verfahrenen Politik beurteilt werden muss". Der West-Berliner SPD-Politiker Kurt Mattick soll auf dem außerordentlichen Landesparteitag am 15.10. nicht abgewählt werden.

Berichtet wird weiter über die Anti-Springer-Kampagne. "Liberale Kräfte West-Berlins und der Bundesrepublik macht den Springer-Konzern zunehmend unruhig". Der "Offene Brief" zur Notstandsgesetzgebung der evangelischen Theologen wurde zwischenzeitlich von 537 Prominenten unterschrieben. Der Hamburger Konkret-Verlag gibt anlässlich der Frankfurter Buchmesse vom 12.-17. Oktober eine Tageszeitung heraus. Biographische Daten gibt es zu: Heinrich Lübke, Karl König, Arno Scholz, Rudi Dutschke und Rolf Späther. Die DG lädt für den 13.10 zur Veranstaltung ein. Thema: "Gerechtigkeit, Frieden und Menschenbild in unserer Gesellschaft".

Für den 7.10. haben Freunde von Fritz Teufel "zu einer Wiederholung der 'Amtsübernahme und Jubelfeier (…) eingeladen". Im III. Fernsehprogramm soll ab 8.10. auch ein Beitrag zur APO gezeigt werden. Zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution wollen die West-Berliner Falken in der "Neuen Welt" eine Veranstaltung durchführen. U. a. sollen sprechen: Dutschke, Agnoli, Meschkat und Ristock. Martin Bucholz, Redakteur des BED, ist zu einer richterlichen Vernehmung geladen. Er soll Teile der Ermittlungsakten zu Teufel veröffentlicht haben. In der Extra-Dokumentation "SPD-Ausarbeitung zur Hochschulpolitik und Studentenpolitik" werden "Leitsätze für die Berliner Hochschulpolitik und Studentenpolitik" veröffentlicht. Auf einer Arbeitstagung im Herbst, soll noch eine "umfassende Analyse" erstellt werden.
Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 41, West-Berlin, 7. Oktober 1967.

11.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 42 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Der Notstandsentwurf der Freien Demokraten". Angehängt ist das Flugblatt Nr. 1 der APO zur "Senatskrise".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Klaus Schütz: Gegenüber dem Osten bereits gescheitert"
- "Notstandsverfassung: Regierungsvorlage gestorben"
- "Zweckmeldung der Woche: Springer und Professor Giersch"
- "Optimismus: Computer-Produktion nach West-Berlin"
- "Im November: Manifest der Hochschulen zur Notstandsfrage"
- "Grass und die West-Berliner Presse: Ausnahme 'Der Abend'"
- "Hochschul-Betriebsgruppe: Deutlicher Affront gegen Vorstand"
- "Dokumentation: 'Studenten und Presse' als Buch Ende des Jahres"
- "Anti-Springer-Aktion: Koordinationsstelle gegründet"
- "Krönung im Europacenter: Wo uns der Schah drückt"
- "Hinweise"
- "Martin Buchholz: Kabarett der 'Freien Welt': Ein Quizmaster räumt im RIAS auf"

Berichtet wird u. a. über Klaus Schütz, der es sich bereits mit Ost-Berlin verscherzt haben soll. So verlautet, man wolle ihn "in aller Entschiedenheit uns sofort auffahren lassen", über Notstandsgegner in der SPD-Bundestagsfraktion, die erklärt haben: "Der Regierungsentwurf ist bereits vor dem Hearing im November tot". Die Paderborner Elektronik Firma Nixdorf will 1968 eine Produktionsstätte in West-Berlin errichten. Westdeutsche und West-Berliner Hochschulen und links-demokratische Studentenverbände haben ein "Manifest der Hochschulen zur Notstandsfrage verabschiedet. Die konstituierende Versammlung der Hochschulbetriebsgruppen der SPD spricht sich gegen die Politik des Landesvorstandes der SPD aus. Gewählt wurde Dr. Skuhr. Zum Jahresende soll eine empirische Untersuchung erscheinen: "Studenten und Presse" von Werner Doye.

Getroffen haben sich eine Reihe von Studentenverbänden (so u. a. SDS, SHB, LSD), um die "Kampagne gegen das Meinungsmonopol des Springer-Konzerns" zu koordinieren. Eine Veranstaltung zum Thema: "Soll Springer enteignet werden?" soll folgen. Auch Materialien "zur Aufklärung über die Rolle des Springer-Konzerns" soll herausgebracht werden. Im RC soll am 13.10. eine Veranstaltung u. a. mit Jörg Huffschmidt zur aktuellen Wirtschaftspolitik stattfinden. Die von den Amerikanern etablierte "Freie Stimme", so der RIAS, sei "von Kommunisten unterwandert". Jetzt soll er sich daran machen, "die 'Kommunisten' aus seinen Mitarbeiterreihen zu eliminieren. In der Extra-Dokumentation wird über den Notstandsentwurf der FDP berichtet. Im Anhang wird das 1. Flugblatt der APO zur West-Berliner "Senatskrise" veröffentlicht.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 42, West-Berlin, 11. Oktober 1967.

14.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 43 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: Walter Bartel: Vorbemerkung zu Fritz Behrens: "Kritik der politischen Ökonomie und ökonomische Theorie des Sozialismus".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD-Landesparteitag: Linke ohne Linie"
- "Internationale Vietnam-Tage: Protestmarsch in West-Berlin"
- "Bundeswehr und Vietnam: Auch Hubschrauber im Einsatz"
- "Hamburger Schah-Zwischenfälle: Senator Ruhnau soll gehen"
- "Mehrheitswahlrecht SPD-Führung weicht weiter zurück"
- "CSU-Korrespondenz: Notstandsgesetze wegen Studenten-Unruhen"
- "Personalien"
- "Bonmot der Woche"

Berichtet wird u. a. über den SPD-Landesparteitag. Dort soll Klaus Schütz nominiert werden. Die Linken in der SPD hätten keine klare Linie. Am 21.10. ist eine Vietnam-Demo geplant. Damit sollen die "Internationalen Vietnam-Tage in West-Berlin ihren Höhepunkt finden". Vom 13. Oktober ab sollen in allen Teilen der Stadt und an allen Hochschulen insgesamt 210.000 Flugblätter mit Informationen über den Vietnam-Krieg verteilt werden. Die Flugblätter werden täglich mit neuem Text erscheinen. Koordiniert ist die West-Berliner Kampagne mit Aktionen in allen anderen europäischen Großstädten. Geplant sind in der Bundesrepublik Aktionen in allen Universitätsstädten, Protestmärsche in München, Frankfurt, Düsseldorf und Mannheim. über das Westberliner Programm wird die nächste Ausgabe von EXTRA-Dienst ausführlich unterrichten".

Berichtet wird noch über mögliche Hubschraubereinsätze der Bundeswehr in Vietnam: "Noch in diesem Jahr sollen 40 Hubschrauber des Typs Bell UH-1D der Bundesluftwaffe mit dem entsprechenden fliegerischen Personal in Vietnam eintreffen". Studenten in Hamburg kritisieren Innensenator Ruhnau, der sich seit den Zwischenfällen während des Schah-Besuchs "in Schweigen hüllt". In einer CSU-Korrespondenz sei folgender Einschub zu lesen, "dass die Verabschiedung der Notstandsgesetze vor allem im Hinblick auf die West-Berliner Situation notwendig sei". Biographische Daten gibt es zu: Axel Springer, Dr. Grunz. Am 25.10 will im RC Abrassimov über das West-Berlin und die sowjetische Außenpolitik sprechen. Am 27.10. soll im RC eine Diskussionsrunde zur "biologischen Manipulierbarkeit des Menschen" stattfinden. Teilnehmer u. a. Prof. Laskowski, Prof. Geißler, Prof. Böhme.

Im RC soll mit lateinamerikanischen Studenten am 14.10. ein Gespräch zu Che Guevara und die bolivianische Guerilla-Bewegung stattfinden. Fritz Behrens beschäftigt sich in der Extra-Dokumentation mit der "Kritik der politischen Ökonomie" und der "Ökonomischen Theorie des Sozialismus". Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 43, West-Berlin, 14. Oktober 1967.

18.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 44 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Der Fall Catsioulis".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD West-Berlin gibt zu: Parteiaustritte häufen sich"
- "Notstandsgesetzgebung: Hessens Zinn wird aktiv"
- "Geheimabkommen Kiesinger-Brandt: Große Koalition nach 1969"
- "Springer: Wer mit wem solidarisch?"
- "Vietnam-Demonstration: Genehmigung mit Auflagen"
- "Professoren: FU-Räume für die kritische Universität"
- "Augstein: Springer-Tribunal eine Schnapsidee"
- "Extra über uns"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Extra-Meinung: Nach dem Parteitag der SPD"
- "Hannes Schwenger: Extra-Report: Die Frankfurter Hausfriedensordnung"
- "Vietnam International, 21. Oktober 1967"
- "Die Antwort eines Antifaschisten"

Berichtet wird u. a. über die West-Berliner SPD, in der sich die "Parteiaustritte häufen", über die Notstandsgesetzgebung und den Entwurf der FDP sowie "Vorschläge zum Regierungsentwurf eines zur Ergänzung des Grundgesetzes", dafür sei Georg August Zinn mitverantwortlich. Berichtet wird weiter vom geplanten "Protestmarsch gegen die amerikanische Aggression" am 21.10. Die Demo wurde unter Auflagen genehmigt. Eine Reihe von Professoren an der FU (u. a. Günther Roth, Otto Stammer) "haben eine Aufforderung an den Akademischen Senat unterzeichnet, mit der sie sich für Toleranz gegenüber den studentischen Bemühungen einsetzen, eine 'Kritische Universität' zur politischen Bildung an den West-Berliner Hochschulen zu schaffen". Augstein meint auf einer Podiumsdiskussion während der Buchmesse in Frankfurt/M., dass das "Springer Tribunal eine Schnapsidee" sei. Biographische Daten gibt es zu: Georges Reymond, Horst Jänichen.

Am 19.10. soll im Europacenter die Gründungsversammlung des West-Berliner Kuratoriums "Notstand der Demokratie" stattfinden. Die "Sozialistische Bildungsgemeinschaft" will am 18.10. über "Marxismus und Psychoanalyse" diskutieren. Am 19.10. soll im RC ein Gespräch mit Agnoli über die politische Situation in Italien stattfinden. In der "Extra-Meinung" wird der SPD-Parteitag analysiert. Hannes Schwenger berichtet über den Frankfurter "Buchhändler Börsenverein". Angehängt ist der Ausgabe eine "Vietnam-Extra-Information: Vietnam International, 21. Oktober 1967. Dazu wird ein "Spendenaufruf" abgedruckt. Dazu heißt es: "VIETNAM INTERNATIONAL 21. OKTOBER 1967 SPENDENAUFRUF
Am 21. Oktober werden in den USA und vielen anderen Ländern, in Europa u. a. in Rom Paris, Brüssel, Wien, London, Amsterdam, Stockholm und Oslo die bisher größten Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg stattfinden. Die amerikanische Opposition gegen diesen Krieg ruft dazu auf; wir schließen uns an. Zur Durchführung intensiver Informationsaktionen (vom 14. bis 21. Oktober in Form von Veranstaltungen (…) und Flugblattaktionen - Gesamtauflage 250 - 300.000 mit täglich neuem Text) benötigen wir über 3.500 DM". Zur Teilnahme rufen u. a. auf:
- Aktionskomitee für politische Arbeit an der Technischen Universität
- Arbeitskreis der Berliner Jungbuchhändler
- AStA der Freien Universität
- AStA der Kirchlichen Hochschule
- AStA der Musikhochschule
- Buchhandlung Karin Röhrbein
- Büro für Vietnam Berlin
- Arbeitsausschuss der Christlichen Friedenskonferenz West-Berlin
- Christlicher Friedensdienst
- Club Ca ira
- Demokratischer Katholischer Arbeitskreis
- Evangelische Studentengemeinde
- Freunde der Publizistik
- Gerhard Verlag
- Gewerkschaftliche Studentengemeinschaft
- Humanistische Studentenunion
- Internationale der Kriegsdienstgegner
- Internationaler Arbeitskreis an der FU
- Kampagne für Abrüstung
- Liberaler Studentenbund Berlins
- Schülerzeitschrift 'Roter Turm'
- SDS
- Sozialistische Jugend Deutschland Die Falken
- Studentenvertretung der. Pädagogischen Hochschule
- Studentenvertretung der TU
- Ständiger Ausschuss für Frieden, nationale und internationale Verständigung
- Vietnam-Arbeitskreis im Republikanischen Club
- Voltaire Verlag

Folgende Veranstaltungen sollen stattfinden:
- 18.10.67: "Wird Bolivien ein zweites Vietnam?" Revolution in Südamerika, authentische Berichte aus Bolivien" Veranstaltet von der Studentenvertretung der TU.
-18.10.67: "2. Juni", Uraufführung des Films. Referat "Wie demonstrieren": RA Mahler -19.10.67: "Schaffen wir zwei, drei, vier Vietnam", veranstaltet vom Berlin Colleg
-19.10.67. "Terror und Repression" - Referate, Filme, Teach-in mit Gäng und Nirumand
-20.10.67 VIETNAM: Großveranstaltung zur Demonstration. In der Extra-Demonstration zu: "Catsioulis", geht es um die Ausweisung eines griechischen Arbeiters. Dokumente: Polizeischeiben.

Geworben wird für den "Gewerkschaftsspiegel".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 44, West-Berlin, 18. Oktober 1967.

21.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 45 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Das Programm der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams (FNL)".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Vietnam International: Demonstrationsleitung bei Neubauer"
- "Alliierte: Sowjetische Handelsvertretung in Wes-Berlin verboten?"
- "Amerikanische Pressestimmen: Che wurde ermordet"
- "Hinweise"
- "TU West-Berlin: Assistenten wehren sich gegen Bevormundung"
- "Messeauszüge: Kein Bekenntnis zu Springer"
- "Personalien"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Extra-Kritik: Ein Film ohne Überzeugungskraft"
- "Hinweis"

Berichtet wird u. a. über Innensenator und Bürgermeister Neubauer, der die Verantwortlichen des Vietnam-Marsches zu einem Gespräch eingeladen habe. Er sprach die Hoffnung aus, "die Demonstration ordnungsgemäß im Rahmen der Auflagen durchzuführen", über die Ermordung Ches: "Che Guevara sei nach einem Dschungel-Gefecht seinen Verletzungen erlegen". Die "FAZ" berichtet, dass Che "auf der Stelle durch einen Herzschuss getötet worden sei".

An der West-Berliner TU wehren sich "Assistenten gegen Bevormundung". Biographische Daten gibt es zu: Götz Eggers, Karl Heinz Schmitz, Klaus Riebenschläger. Am 22.10. findet ein Gespräch zum Thema: "Opposition in der parlamentarischen Demokratie". Es diskutieren: Prof. Taubes (USA), G. Grass, B. Nirumand, Knut Nevermann. Am 26.10. Soll im Club "Über Strategie und Taktik der sozialistischen Opposition", u. a. mit den Falken und SDS diskutiert werden.
In der Extra-Dokumentation wird das "Programm der Nationalen Befreiungsfront" veröffentlicht. Einleitend heißt es dazu: "Aus Anlass des internationalen Protesttages gegen die amerikanische Aggression in Vietnam am 21.10. veröffentlicht 'EXTRA-Dienst' nachstehend mit unwesentlichen Kürzungen das Programm der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams(FNL), das von einem Außerordentlichen Kongress der FNL beschlossen wurde. Der Kongress tagte an einem geheim gehaltenen Ort in Südvietnam vom 15. bis 20. August 1967. Das Programm wurde am 1. September dieses Jahres veröffentlicht."

Martin Buchholz berichtet über den Film: "Berlin, 2. Juni" und kritisiert ihn u. a. als "technisches Versehen". Dazu heißt es noch: "Der Betrachter war stets am Rätseln, ob nun eine Ton- oder eine Bildstörung vorliege. Leider war das aber alles 'künstlerische Absicht'. Vor leerer Leinwand schlecht formulierte Kommentare zu hören, oder auf Stummfilm-Manier mit Zwischentiteln traktiert zu werden, das kann man bei Jean-Luc Godard nur noch schwer ertragen. Und der macht immerhin Filmkunst. Auch ansonsten technische Mängel: Es wurde beispielsweise mit so geräuschvoller Kamera gearbeitet, dass Dialoge nur schwer verständlich sind. Die wichtigen Dokumentationsszenen wurden durch eingeblendete, oft hilflos wirkende Interviews zerstückelt. Als einziger wesentlicher Regieeinfall wird diese Methode über Gebühr strapaziert. (…) Der Film wurde von den Studenten trotz allem mit Beifall bedacht. Immerhin: Dort saß ein Publikum, das nicht mehr überzeugt zu werden brauchte. (…) Geschwätzige Kommentare sollte man einsparen: Wenn in einem solchen Film die Bilder nicht überzeugen tut es kein noch so gutes Argument".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 45, West-Berlin, 21. Oktober 1967.

25.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 46 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Ein Gewerkschafter weist Fraenkel zurück. IG Metaller Heinz Brandt antwortet auf 'Morgenpost' Interview".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Geheimgehalten: 'Raketen' gegen US-Hauptquartier in West-Berlin"
- "Botschaftsrat Beletzki: Besonderes Gebilde West-Berlin"
- "Springer auf dem Rückzug: Aus TWEN-Imperium verschwunden"
- "US-Militärfachmann empfiehlt: Rückzug aus der NATO"
- "Freiwillige Polizeireserve: Klärung durch Gegenüberstellung"
- "Großverlage: Vor einer Prozesswelle"
- "Personalien"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Prof. Gollwitzer: Damit sich hier etwas ändert!"
- "Nevermann: Zur Konkretisierung der Zielvorstellungen"
- "Übung macht den Meister"
- "Berliner Rechtshilfe"

Berichtet wird u. a. über Flugblätter, die mittels Raketen über dem Gelände des US-Headquarters geschossen wurden, so auch über dem Springer-Hochhaus. "Grund: Inhalt der Flugblätter, die in englischer Sprache abgefasst sind. In deutscher Übersetzung lauten sie: Sind Sie sicher, dass Sie Vietnam überleben werden? (…) Ihre Regierung ist außerstande, ein Volk zu besiegen, das um nationale Unabhängigkeit kämpft. Wir bieten Ihnen Zuflucht in Kanada, Schweden oder Dänemark an!" Weiter wird berichtet über den Botschaftsrat Beletzki, der West-Berlin zu einem "besonderen Gebilde" erklärt. Springer zieht sich aus dem Magazin für junge Leute, 'TWEN', zurück. Ein US-Militärfachmann empfiehlt den "Rückzug aus der NATO". Dies betrifft beide deutsche Staaten aus den Militärbündnissen. Weiter würde es um die "Anerkennung der DDR" gehen. Biographische Daten gibt es zu: Axel Springer, Klaus Schütz.

Die Debatte zur "biologischen Manipulierbarkeit des Menschen", die für den 27.10. im RC vorgesehen war, wird verschoben. Für den 25.10. liest im RC Michael Horrowitz. Am 26.10. diskutieren der SDS und die Falken "über Aufgaben und Methoden der sozialistischen Opposition innerhalb der außerparlamentarischen Opposition". In der Extra-Dokumentation antwortet Heinz Brandt auf den FU-Professor Ernst Fraenkel, der den SDS mit der SA verglichen hatte. Veröffentlicht wird die Rede von Professor Gollwitzer auf der Vietnamkundgebung am 21.10. Es schließt sich ein Bericht über die Debatte im RC: "Opposition in der parlamentarischen Demokratie" (22.10) an. Vermutlich an diesen Tagen die "Rechtshilfe" gegründet. Dazu heißt es: "Wir haben einen Fonds für Berliner Rechtshilfe eingerichtet. Wer der Opposition zu ihrem Recht verhelfen will, den bitten wir, mit einer Geldspende dazu beizutragen". Ein Kuratorium soll über die Verwendung der Mittel entscheiden. Im Kuratorium sind u. a. vertreten:
- AStA der Freien Universität
- AStA der Kirchlichen Hochschule
- Studentenvertretung der Technischen Universität
- Evangelische. Studentengemeinde
- Die Falken
- Republikanischer Club.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 46, West-Berlin, 25. Oktober 1967.

28.10.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 47 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "IG Metall: Über die Lage der Arbeiterschaft".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Moabit: Teufel inszeniert Vietnam-Demonstration für Gefangene"
- "Passierscheine: Nicht für ein 'Bundesland' West-Berlin"
- "Demokratischer Klub: Erste Spaltung"
- "FU-Protest: Rektor wollte Austausch mit Unis der UdSSR"
- "Bonner FDP: Einladung in die DDR unwahrscheinlich"
- "Bonner SPD: Der SDS steht links von der KP"
- "Springer-Konzern: Ein mittelständischer Betrieb"
- "Bundesregierung: Schwanken zwischen Formosa und Peking"
- "Gold-Werbung: West-Berliner Bank wegen Betrug angezeigt"
- "Jungsozialisten: Auseinandersetzung um Vorsitzenden Müller"
- "Hinweise"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Extra-Meinung: Rien ne va Plus: Nichts geht mehr …"

Berichtet wird u. a. über Fritz Teufel, der in U-Haft sitzt. Mit seinen Mitgefangenen soll er im Gefängnis mit selbst hergestellten Flugblättern "eine Demonstration" organisiert haben, u. a. mit dem Text: "Amis raus aus Vietnam!", "Nazis raus aus der Justiz!", über den "Demokratischen Club". Hier soll es zu einer ersten Spaltung gekommen sein. Röder, Krieg und andere meinen: "Es sei unzureichend, die Aktionen der außerparlamentarischen Opposition mit Presseerklärungen zu beantworten in denen fast nur die offizielle Senatsmeinung zum Ausdruck käme." Über einen Austausch mit Unis der UdSSR wird im RC diskutiert. Die "Bonner Depesche" der SPD hat den SDS als "links" von der KP eingestuft. Im RC trifft sich am 1.11. der "gewerkschaftliche Arbeitskreis". Am 3.11. soll dort auch über das Thema "Polizei und Demokratie" debattiert werden. Am 4.11. spricht Dr. Rattner vom Soziologischen Institut der FU über "Psychoanalyse und Kultur". In der Extra-Dokumentation wird ein Teil des Weißbuches der IG Metall zur "Unternehmermoral" dokumentiert: "Über die Lage der Arbeiterschaft". In der Extra-Meinung geht es u. a. um die Passierscheinproblematik.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 47, West-Berlin, 28. Oktober 1967.

01.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 48 erscheint mit einer Extra-Dokumentation zu einem Briefwechsel zwischen Willi Stoph und Bundeskanzler Kiesinger: "Entwurf eines Vertrages. Über die Herstellung und Pflege normaler Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Linkssozialisten: Vorerst keine neue Partei"
- "Medizinische Spezialfabrik: Geist in West-Berlin ausgehaucht"
- "Vierzehn Punkte aus den USA zur Deutschen Frage?"
- "Aus Athen geschmuggelt: Autoritäre Verfassung fertiggestellt"
- "Jubelgriechen: Messerheld blieb unbehelligt"
- "Moabit: Pressezensur vor Kurras-Prozess"
- "Republikanischer Club: Auch in Heidenheim gegründet"
- "In Augsburg: Ein kritisches Seminar"
- "Südamerika: US-Spezialisten in 17 Staaten"
- "Anerkennungspartei: Jetzt Partei-Abzeichen"
- "Personalien"
- "Hinweise"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Extra-Report"

Berichtet wird u. a. über die Tagung von Vertretern linkssozialistischer Gruppen in der BRD und West-Berlin am 30./31.10. "über die Möglichkeiten einer besseren Koordination der linkssozialistischen und außerparlamentarischen Opposition". Man will vorerst "keine linkssozialistische Partei gründen". Berichtet wird weiter über das faschistische Regime in Griechenland, das sich nun "per Verfassung legitimieren" möchte, über den Kurras-Prozess, der am 2. 6. beginnt, weiter über den RC, der am 24.10. in Heidelberg gegründet wurde. "Nach dem West-Berliner Modell der 'Kritischen Universität' soll im Wintersemester auch in München und Tübingen gearbeitet werden".

In 17 Staaten Südamerikas sind sog. "Grüne Teufel" gegen südamerikanische Guerilleros im Einsatz. Der RC West-Berlin verbreitet folgende Plakette: "Auch ich gehöre zur Anerkennungspartei". Biographische Daten gibt es zu: Barbara Hamm, Gerhard Speltzer. Am 3.11. soll im RC die Diskussion "Polizei und Demokratie" stattfinden, am 4.11. spricht Dr. Rattner über "Psychoanalyse und Kultur", am 6.11. wird im RC das Flugblatt Nr. 2 der APO zur Passierscheinfrage zur Diskussion gestellt. Am 10.11. will der Historiker Dr. Wolfgang Sauer im RC über die Studentenbewegung an der Berkeley-Uni sprechen. Am 6.11. wollen die Falken den Film "50 Jahre Oktoberrevolution. Eine kritische Würdigung" zeigen, mit J. Agnoli, Rudi Dutschke, Klaus Meschkat, Ernst Madel und Harry Ristock eine Würdigung durchführen.

Im Extra-Report: "Und der Haifisch, der hat Zähne. Fluchthelfer für den CIA", geht es u. a. um Fluchthilfe. In der Extra-Dokumentation heißt es einleitend zum "Entwurf eines Vertrages: "Über die Herstellung und Pflege normaler Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland. Von dem Streben geleitet, einen wirkungsvollen Beitrag zur Gewährleistung des Friedens und der Sicherheit in Europa zu leisten und ein friedliches Verhältnis zwischen beiden deutschen Staaten-der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland-als Voraussetzung für ihre Annäherung im Interesse der Zukunft der Nation zu schaffen, sind die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und die Regierung der Bundesrepublik Deutschland übereingekommen. (…)

Angehängt ist das Flugblatt Nr. 2 der APO von Ende Oktober: "Wir wollen Passierscheine und einen 'kleinen Grenzverkehr' in der DDR. Was will Schütz?"
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 48, West-Berlin, 1. November 1967.

04.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 49 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Klaus Wagenbach: Was ist Terror und was nicht?"
Artikel der Ausgabe sind:
- "DRK West-Berlin: Schon tausend Schwestern für der Notstand"
- "Ost-Berlin: Keine Antwort Abuschs mehr an Schütz?"
- "Ausländerpolizei West-Berlin: Chilene sollte erpresst werden"
- "RCDS wollte Geld von Springer: Abschlägig beschieden"
- "Teufel-Erklärung: Von der Justiz beschlagnahmt"
- "Carlo Schmid: Halte mir die Arbeiter vom Hals"
- "DFU: Zu spießig: Arbeiter verlangen eine neue Linke"
- "Evangelische Studentengemeinde: Trennung in der BRD und DDR-Organisation"
- "Freiwillige Polizeireserve: Plaudern aus der Trickkiste"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Extra-Dokumentation"
- "Hannes Schwenger: Extra-Auslese"
- "Extra über uns"
- "Aktion für die Anerkennung der DDR"

Berichtet wird u. a. über das DRK. "Nach Auskunft des Landesgeschäftsführers Stamm" seien "schon tausend Frauen als 'Schwesternhelferinnen' für den Notstandsfall ausgebildet worden", über den Briefwechsel zwischen Schütz und Abusch. Zur Zeit gäbe es keine Mitteilung. Um sein Image aufzubessern, will der RCDS sein Image "mit verstärkten Aktionen gegen die Kritische Universität wieder aufputzen" und sich beim Springer-Konzern anbiedern. Eine Presseerklärung von Fritz Teufel an die K I soll wegen "beleidigenden Inhalts" beschlagnahmt worden sein. Die ESG hat erklärt, dass sie für zwei "selbständige Organisationen für die BRD (Berlin-West) und für die DDR" eintrete. Am 6.11. soll im III. Fernsehprogramm der Bericht von Roman Brodmann: "Der Polizeistaatsbesuch. Beobachtungen unter deutschen Gastgebern" gezeigt werden. Am 4.11. soll im RC eine Diskussion mit dem Thema: "Psychoanalyse und Kultur" stattfinden, am 10.11. will Wolfang Sauer über die Studentenbewegung an der Berkeley University sprechen. Am 12.11. will der Iranische Studentenverein im RC zum Thema: "Lyrik in Persien" diskutieren.

In der Extra-Dokumentation geht es um den Arbeitsausschuss des "Kuratoriums Notstand der Demokratie", der zum Entwurf der FDP Stellung bezieht. In der Extra-Auslese geht es u. a. um Klaus Schütz und Herbert Wehner. In Extra über uns wird u. a. eine Analyse der Zusammensetzung der Leser der BED veröffentlicht. Und in der Extra-Dokumentation von K. Wagenbach fragt diese: "Was ist Terror und was nicht?" Aufgerufen wird für den 6. 11. Es soll ein Film zur Oktoberrevolution gezeigt werden.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 49, West-Berlin, 4. November 1967.

08.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 50 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "DDR antwortet Schütz: Beziehungen müssen geordnet werden".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Westfirmen gestoppt: Interzonenhandel nicht zu weit liberalisieren"
- "Ungarn: Erst Realitäten anerkennen, dann Beziehungen"
- "Oberstaatsanwalt Mainz: Anklage wegen GI-Fluchthelfe"
- "Panzer-Affäre HS 30: Nannen unterdrückte Enthüllung im 'Stern'"
- "Politische Jugendclubs: Engere Zusammenarbeit"
- "Bundesjugendring: Kontakte zu Staatsjugendverbände des Ostblocks"
- "Witz der Woche: Gestohlene Raketen in Berlin?"
- "Dementi der West-Berliner Zeitungs GmbH"
- "Jungdemokraten: Arbeiter zur kritischen Universität"
- "SPD-Betriebsgruppe an Hochschulen: Appell an Parteivorstand"
- "US-Mission: Vietnam-Aufklärung nur im kleinen Kreis"
- "Vietnam-Gegner in den USA: Anonyme Zitate"
- "CIA und Tourismus: Reisebüros reagieren allergisch"
- "Tarngesellschaft: Lob und Dank für Springer"
- "Hinweise der Reaktion"
- "Die Kampagne für Rüstung"
- "Hinweise des republikanischen Clubs"
- "Extra-Dokumentation"
- "Springer-Tribunal und Wissenschaft: Rede vor der Gründungsversammlung der kritischen Universität der FU"
- "H. Schwenger: Extra-Auslese"

Berichtet wird u. a. über Westfirmen, über politische Beziehungen zwischen Bonn und Budapest und über eine "grundlegende Veränderung der Außenpolitik der Bundesrepublik", über die "Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der politischen Jugendclubs. Der AG gehören 14 Clubs, vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen, an". "Der Deutsche Bundesjugendring hat auf seiner letzten Sitzung in Bonn die Aufnahme von Kontakten zur den 'Staatsjugendorganisationen und deren Einrichtungen in osteuropäische Staaten' beschlossen". Weiter wird berichtet über "SPD-Betriebsgruppen an Berliner Hochschulen". Diese haben einen "Appell an den Landesparteivorstand verabschiedet". Die SPD wird aufgefordert, "sich gemäß ihren Parteitagsbeschluss vom Mai für die Verankerung des politischen Mandats demokratisch gewählter Studentenvertreter im neuen Hochschulgesetz einzusetzen".

Berichtet wird weiter über Vietnam und die "Nationale Befreiungsfront Südvietnams", über Vietnamgegner in den USA. Die "Sozialistische Bildungsgemeinschaft Berlin" will sein Seminar über die "Räte-Bewegung" abhalten. Das Seminar soll von Dezember bis März nächsten Jahres stattfinden. Eine Vietnam-Broschüre: "Vietnam-Demonstration Berlin 67", ist über die "Kampagne für Abrüstung, Regionaler Ausschuss West-Berlin" erhältlich. Am 8.11. soll im "Friedenauer Jungbuchhändler-Keller", eine Diskussion über das "Rote Buch" stattfinden. "Kuba 67", ein Taschenbuch, ist im Fritz-Küster-Verlag erhältlich. Am 10.11. spricht Dr. Sauer über die Studentenbewegung an der Berkeley-Universität. Ein "ökonomisches Colloquium soll im RC am 11.11. Stattfinden. In der Extra-Dokumentation: "DDR antwortet Schütz: Beziehungen müssen geordnet werden", geht um die Briefe des Bürgermeisters von West-Berlin an den Ministerrat der DDR. Zum "Springer-Tribunal", hielt am 1.11. Bernhard Blanke, ein einleitendes Referat, das im Wortlaut veröffentlicht wird. In der Extra-Auslese "Unvoreingenommene Betrachter: Die Oktoberrevolution in der West-Berliner Presse" referiert H. Schwenger über die "unvoreingenommenen Betrachtungen" über 50 Jahre Oktoberrevolution in der West-Berliner Presse. Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 50, West-Berlin, 8. November 1967.

11.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 51 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Gesetzesvorlage zur Wiederherstellung der Pressefreiheit".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Klaus Schütz: Die alte Taktik gegenüber Studenten"
- "Sickert: GSG soll auf Linie gebracht werden"
- "DDR: GAStArbeiter aus Ungarn"
- "Jungsozialisten: Schwarzer Peter an Sofia abgeben"
- "Universität Hamburg: Ordinarius wünschte Studenten ins KZ"
- "Urteil: Zeugen als Gesinnungsgenossen abqualifiziert"
- "West-Berliner Justiz: Verfahren gegen Studenten laufen"
- "Dr. Weissmann: Ausländergesetz liberal gehandhabt"
- "Personalien"
- "Das Zitat der Woche"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Extra über uns"
- "Extra-Dokumentation"

Berichtet wird u. a. über Klaus Schütz, der sich am 24.11. den Studenten stellen will. Dies betrifft die Kirchliche Hochschule. Eine Einladung des AStA der FU lehnte er ab. Ein Ordinarius der philosophischen Fakultät der Uni Hamburg soll sich mit den Worten geäußert haben: "Ihr gehört alle ins Konzentrationslager". Ein Student an der FU ist zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er soll bei der Vietnam-Demo "gemeinsam mit anderen" den Fußgängerverkehr am Kranzlereck "völlig zum Erliegen" gebracht haben. Gegen einige Studenten sollen Prozesse geführt werden. U. a. geht es um eine "Verleumdung zum Nachteil des Generalstaatsanwalts beim Landgericht Berlin. Es geht dabei um den sogenannten Steckbrief gegen Dr. Dehnicke, in dem ihm Rechtsbeugung zum Nachteil von Fritz Teufel vorgeworfen wurde". Biographische Daten gibt es zu: Sammy Drechsler, Gerrt Börnsen, Herbert Wehner.

Am 12.11. soll im RC ein Abend mit der Iranischen Studentenvereinigung stattfinden. Jiri Hajek aus der CSSR will am 15.11. über Fragen der Literaturpolitik sprechen. In der Extra-Dokumentation: "Gesetzesvorlage zur Wiederherstellung der Pressefreiheit" geht es um die "Springer-Enteignung". Dazu hat der RC eine Broschüre vorgelegt. "In zweimonatiger Arbeit hat er eine Dokumentation über die Position und den Machtmissbrauch des Springer-Konzerns zusammengestellt". Zum Entwurf heißt es noch: "Dem Entwurf vorangestellt ist eine ausführliche Dokumentation über die Praktiken des Springer-Konzerns. In einem zweiten Teil werden Überlegungen darüber angestellt, wie die zunehmende Pressekonzentration gesteuert werden könne. Der Vorschlag, ein Gesetz zum Verbot einer weiteren Expansion zu erlassen, wird abgelehnt, da er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr sinnvoll ist und die überragende Stellung eines Konzerns damit nicht erschüttert werden kann. Weiter denkbar wäre ein Gesetzentwurf über Kontrolle des Machtmissbrauchs durch ein Pressegericht, oder eine Aufsichtsbehörde. (…) Die Struktur der Presse, die dies ermöglicht, ist in der BRD und in Westberlin erheblich gefährdet und zum Teil schon nicht mehr vorhanden".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 51, West-Berlin, 11. November 1967.

15.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 52 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Selbstdarstellung der DDR: Sozialistische Landwirtschaft".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Schütz: Erste Kritik aus den eigenen Reihen"
- "Bundes-SPD: Bundeskonferenz mit dem erwarteten Matten Auftakt"§
- "Heidelberg: RC protestiert gegen Demonstrationsverbot"
- "Universität Kiel: Kritischer Hochschularbeitskreis"
- "US-Entwicklungshelfer: Streik gegen den Vietnam-Krieg"
- "Vietnam: Schweigen über Invasions-Gerüchte"
- "Israelischer Geheimdienst: Amtshilfe deutscher Stellen?"
- "Prager Manifest: Unterschriften echt, aber missbraucht"
- "Affäre Schwedler: Keine Konsequenzen für den 'Blausenator'"
- "Kriegsdienstverweigerer: Fusion der Verbände gescheitert"
- "Griechen in West-Berlin: Konsul wird beim Senat vorstellig"
- "Humanistische Union: Zentrale 'Polizeisünder-Kartei' geplant"
- "Regenbogenpresse: Mit Springer geht's aufwärts"
- "Zitat der Woche"
- "Extra über uns"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Extra-Dokumentation"

Berichtet wird u. a. über Klaus Schütz und die Rede, dass "mit der Ostpolitik des neuen Regierenden alles schief gegangen sei", über Bundeskonferenz der SPD und den Kurs der Partei, über Heidelberg, wo ein RC gegründet wurde. Gegen ein Verbot, eine zentrale Hauptstraße aus "verkehrstechnischen Gründen" für Demonstration zu sperren, protestiert der RC. Auch in Kiel hat sich nun ein "Hochschulpolitischer Arbeitskreis" konstituiert. Zu möglichen Invasionsplänen der US, auch den Krieg nach Nordvietnam zu tragen, gibt es Hinweise. In der Affäre um einen Agenten des israelischen Geheimdienstes gibt es Verdachtsmomente zur Mithilfe deutscher Stellen. Danach sei ein arabischer Student ausspioniert worden.

Die geplante Fusion zwischen den beiden Kriegsdienstverweigererverbänden IdK und VDK ist gescheitert. "Grund des Scheiterns dürfte sein, dass einige Kreise der IdK (…) unerwartet Fusionskontakte mit der Deutschen Friedensgesellschaft (DFK) aufnahmen". "Extra über uns" erklärt, dass im III. Fernsehprogramm am 19.11. auch ein Bericht des Informationsdienstes gebracht werden solle. Am 16.11. soll im RC eine Diskussion über die RC-Broschüre "Springer enteignen?" mit Jörg Huffschmid stattfinden. Am 19.11. Will Max von der Grün im RC aus seinen eigenen Werken lesen. Im Auditorium Maximum der FU wollen am 20.11. Bernd Rabehl, Christian Semler, Peter Schneider, Rudi Dutschke u. a. über "Springer-Kampagne, Springer-Tribunal und Springers Springerkampagne sowie über die Notwendigkeit des antimanipulativen Kampfes" diskutieren. In der Extra-Dokumentation wird eine "Selbstdarstellung der DDR" über die "Sozialistische Landwirtschaft" veröffentlicht.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 52, West-Berlin, 15. November 1967.

18.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 53 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "In Sachen Iran. Ein offener Brief an den Spiegel".
Artikel der Ausgabe sind:
- "SPD-Bundeskonferenz: Linke Taktik war erfolgreich"
- "West-Berliner Justiz: Bankier Descot außer Anklage gesetzt"
- "SPD West-Berlin: Junge Linke konstituiert"
- "Klage gegen Springer: Büsch lehnte ab"
- "Springer gegen Springer: Ein Magazin für Leute"
- "Katholiken: Einen kleinen Marx im Ohr"
- "Fall Selbach: Auf 10.000 Mark Schadenersatz verklagt"
- "Fall Wiegand: In zwei Wochen ins Gefängnis?"
- "Katholische Jugend: Offizielle Ostkontakte"
- "Extra über uns"
- "Neues Flugblatt der außerparlamentarischen Opposition"
- "Martin Buchholz: Extra Diskussion"
- "Extra-Dokumentation"

Berichtet wird u. a. über die SPD-Bundeskonferenz, auf der die "Partei-Linke" die Konferenz als "nicht ohne Erfolg" bezeichnete. "Die Parteilinke schließt daraus dass es sich lohnen könnte, für den Nürnberger Parteitag der SPD einen eigenen Kandidaten als stellvertretenden Vorsitzenden zu präsentieren". Am 27.11. wird der Prozess gegen Fritz Teufel fortgesetzt. In der SPD hat sich jetzt "eine Gruppe Linker, vornämlich junger Sozialdemokraten konstituiert". Ein Mandat für eine Klage "gegen den Verleger Axel Caesar Springer, lehnte (…) West-Berlins früherer Innensenator, Rechtsanwalt Wolfgang Büsch, ab". Eine neue Zeitschrift nennt sich: "Der Springer - Ein Magazin für junge Leute", herausgegeben von: "Freunde der Publizistik West-Berlins". Die Katholische Jugend hat die Aufnahme von Kontakten zu osteuropäischen Jugendverbänden beschlossen. Ebenfalls bei den Katholiken gibt es Ärger um die Mitbestimmung.

Der Ausgabe ist das "Flugblatt Nr. 3" der APO angehängt: "Warum sind wir hier in West-Berlin gegen Notstandsmaßnahmen?", "Warum unterstützen wir die Kundgebung des DGB?" In der Extra-Diskussion "Paragraphen gegen Pamphlete. Anmerkungen zum Entwurf eines Anti-Springer-Gesetzes" referiert Manfred Buchholz über den "Gesetzesentwurf des Republikanischen Clubs" und nimmt zur Pressefreiheit Stellung. Und in der Extra-Dokumentation: "In Sachen Iran", wird ein "Offener Brief an den Spiegel" veröffentlicht. Dazu heißt es einleitend: "Deutschlands Nachrichtenmagazin erweckte in jüngster Zeit den Eindruck sich in Sachen Iran auf absonderliche Weise zu engagieren. Zu einer Titelgeschichte 'Persien - Krönung auf Öl', die offiziösen Angaben breiten Raum gab, kam eine Zerpflückung des Buches von Nirumand und daran anschließend eine verärgerte und dem sonstigen SPIEGEL-Stil widersprechende Kommentierung der Gegendarstellung Nirumands. Der Iranische Studentenverein West-Berlins schrieb dem SPIEGEL einen 'Offenen Brief', den wir nachstehend unter Weglassung der Anfangsfloskeln dokumentieren". So wird Nirumand vorgeworfen, sein Bild über Persien "sei verzerrt". Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 53, West-Berlin, 18. November 1967.

22.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 54 erscheint mit Extra-Dokumentationen: "Offener Brief: Ist der Herr Regierende bereit …?" und "Ein Schriftsteller zwischen Teufel und seiner Justiz"
Artikel der Ausgabe sind:
- "Prozess Teufel: Studenten fordern Vorlesungsstreik"
- "Prozess Kurras: Freispruch schlug wie Bombe ein"
- "Verfassungsschutz. Sickert nimmt Berichte entgegen"
- "KZ-Professor Spuler: Als Ordinarius nach Bonn berufen"
- "DGB-Notstandskundgebung: Notstandmaßnahmen im Sportpalast?"
- "Fall Gottschalch: Disziplinarverfahren soll verschärft werden"
- "Humanistische Union: Unvereinbarkeit mit NPD-Mitgliedschaft"
- "Zitat der Woche: Wolfgang Büsch steckt zurück"
- "Neue Dokumentation: Axel Springer als Erzieher der Jugend"
- "SHB: Absage an Schmitt-Vockenhausen (SPD)"
- "München: AStA gibt Studentenzeitung heraus Kommunardin Dagmar: Wirbel um Einstellung als Schreibkraft"
- "Falken West-Berlin: Polizeischnüffler am Werk"
- "Sickert: Jetzt scharfe Kritik an der Springer-Presse"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Ein Lied für Benno Ohnesorg ausm der DDR"
- "Extra Dokumentation"
- "Extra-Meinung"

Berichtet wird u. a. über den Fritz Teufel-Prozess. Dazu heißt es: "Progressive Studentenverbände haben den AStA der Freien Universität in einem 'Offenen Brief' gebeten, beim Rektor für den kommenden Montag, Beginn des Prozesses gegen Fritz Teufel, eine allgemeine Arbeitsniederlegung an der FU zu beantragen. In dem 'Offenen Brief' heißt es: 'Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir weder politische Gerichtsprozesse noch die Verurteilung unserer Kommilitonen, noch auch die Vollstreckung der Urteile verhindern können. Wir haben aber die Möglichkeit, unübersehbar unsere Solidarität mit jenen Kommilitonen zu bekunden, die mehr oder weniger zufällig exemplarisch für uns alle bestraft werden sollen. Wir fordern deshalb den AStA auf, beim Rektor eine allgemeine Arbeitsniederlegung an der FU für kommenden Montag zu beantragen, um damit den Studenten die Möglichkeit zu geben, am Montagvormittag gleichzeitig mit dem Beginn des Teufelprozesses im Audimax über das Verhältnis der Universität zu den anstehenden politischen Prozessen zu diskutieren. Wir bitten den AStA, diese Veranstaltung zu arrangieren".

Weiter über den Kurras-Prozess, Kurras wurde freigesprochen. Der AStA der FU gibt ein Flugblatt heraus: "Letzte Meldung: Kurras freigesprochen". Der Hamburger Ordinarius für Islamkunde, Berthold Spuler, soll Philosophie an der philosophischen Fakultät in Bonn lehren. Die am 20.11. veranstaltete Anti-Notstands-Kundgebung im Sportpalast des DGB war von umfangreichen Auflagen begleitet. So riegelten eine Anzahl von Ordnern die Türen ab. Und in den Gängen des Sportpalastes "wartete die Polizei, um das Eindringen nicht organisierter Demonstranten zu verhindern". Die HU hat auf ihrer MV in Kassel einen Unvereinbarkeitsbeschluss HU-NPD beschlossen. Ulrich Sander, Wiesbadener Journalist, "hat eine Dokumentation zur Monopolstellung des Springer-Konzerns in der Jugendpresse herausgegeben. Die Schrift "gibt einen Überblick über die Jugendpresse in der Bundesrepublik und über die Konzentrationsgeschichte".

Berichtet wird noch über die in München erscheinende "Münchner Studentenzeitung" (MS). Die Einstellung der West-Berliner Ex-Kommunardin Dagmar Seehuber als Schreibkraft beim AStA der Uni München hat für Wirbel gesorgt. Berichtet wird noch von den West-Berliner Falken, die von der Polizei beobachtet werden. Am 22.11. wollen im RC Mahler und Schily "über Verlauf und Ausgang des Kurras-Prozesses" diskutieren. Am 26.11. soll im RC eine Veranstaltung zu den vorliegenden Entwürfen zur Notstandsgesetzgebung stattfinden. In der Extra-Dokumentation: "Offener Brief: Ist der Herr Regierende bereit …?" wird darüber berichtet, dass sich Klaus Schütz "der jungen Generation in mehreren Gesprächen stellen will". In einer weiteren Extra-Dokumentation: "Ein Schriftwechsel zwischen Teufel und seiner Justiz" dokumentiert der BED einen Schriftwechsel zwischen Fritz Teufel und der Kammer des Landgerichtsdirektors Pahl". Und in der Extra-Meinung: "Das Klassenurteil von Moabit" geht es um den Kurras-Freispruch und Fritz Teufel. Der Freispruch für Kurras wird als "skandalös" bezeichnet. Und die Prozesslage Teufel als "politische Rache und Disziplinierung". Geworben wird für die Plakette des RC: "Auch ich gehöre zur Anerkennungspartei".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 54, West-Berlin, 22. November 1967.

25.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 55 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Die Urteilsbegründung im Prozess gegen Kurras".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Montag ab 14 Uhr: Demonstration für Teufel"
- "Todesschütze Kurras: Einstweilige Verfügung gegen Extra-Flugblatt"
- "Kirchliche Hochschule: Schütz wurde ausgelacht"
- "Technische Universität: Demonstrationen bei Rektoratsübergabe"
- "Neuer FU-Rektor: Keine Lust zum Gespräch"
- "Bonner CDU: Kontakte zur FDP"
- "Baden-Württemberg: Gemeinsame Wahlkampfleitung DL-DFU"
- "Wolfgang Neuss: Zum Freispruch von Kurras"
- "Erich Fried: Zum Tode Benno Ohnesorgs"
- "Hinweise der Reaktion"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Extra-Dokumentation"

Berichtet wird u. a. über eine Demo für Fritz Teufel am 27.11. Dazu heißt es: "Der Montag wird eine neue Runde in der Auseinandersetzung zwischen der außerparlamentarischen Opposition West-Berlins und den etablierten Mächten der Stadt bringen. Eine Woche nach dem skandalösen Freispruch-Urteil für den Todesschützen Kurras, steht wegen Landfriedensbruchs der Student Fritz Teufel in Moabit vor Gericht. Polizistenaussagen stehen gegen viele andere, die Teufels Unschuld bezeugen, Teufel sitzt seit dem 2. Juni in Untersuchungshaft. Die Rektoren der Pädagogischen Hochschule und der Hochschule für bildende Künste folgten der Aufforderung der Studentenvertretungen und ordneten für Montag allgemeine Vorlesungsruhe an. Die Studentenvertretung der TU hatte bis Freitagnachmittag keine Antwort vom Rektor. An der FU zog sich der Rektor formal auf den Hinweis zurück, nur der Akademische Senat könne Arbeitsniederlegung für Montag beschließen. Der AStA forderte daraufhin für Sonnabend die Einberufung des Senats. Notfalls soll ein Streik auch ohne dessen Zustimmung stattfinden. Ein Massenmeeting der Westberliner Studentenschaft wird im Auditorium Maximum der FU nahezu gleichzeitig mit dem Teufel-Prozeß (9. 00 Uhr) beginnen. Die progressiven Studentenverbände werden auf diesem Meeting vorschlagen, sich um 14 Uhr zu Demonstration für Teufel vor dem Justizpalast in der Moabiter Turmstraße zu versammeln". Dem BED, bzw. Carl Guggomos wurde eine einstweilige Verfügung gegen ein "Extra-Flugblatt" zugestellt. Es geht um das Flugblatt Nr. 4 der APO. Danach wird dem BED verboten, Äußerungen zu verbreiten, wie: "Der Prozessliebling von Moabit wird nun wieder seine Dienstpistole im Schulterhalfter tragen", oder "Kurras und seine Pistole werden noch gebraucht. Seht euch vor …"

Wolfgang Neuss, der Kabarettist, nimmt u. a. zum Kurras-Freispruch wie folgt Stellung: "Auf dem Gericht sah ich den medizinischen Gutachter jubeln. Er sang vor sich hin 'Und wenn's Studentenblut vom Messer spritzt'. Der Mann muss so krank sein, dass er eine Leichenhalle für nen Kindergarten hält". Berichtet wird weiter von Erich Fried, der ein Gedicht über Ohnesorg schrieb. Am 28.11. soll im Hörsaal HE 101 der TU eine Podiumsdiskussion zum Thema: "Ziele und Methoden der außerparlamentarischen Opposition in Deutschland und in den USA" mit Grossmann (New York), Charles Nicholz (FU), M. Regensburger (RC), Rudi Dutschke (SDS) u. a. stattfinden. In der Extra-Dokumentation: "Die Urteilsbegründung im Prozess gegen Kurras" wird das Urteil gegen Kurras veröffentlicht. Kurras wurde "vom Verdacht der fahrlässigen Tötung freigesprochen".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 55, West-Berlin, 25. November 1967.

29.11.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 56 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Fritz Teufel vor Gericht".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Rudi Dutschke: Verfahren wegen Landfriedensbruchs eingestellt"
- "Teufel-Demonstration: Solidarität mit Studenten gewachsen"
- "Junge Union: Wir stehen hinter Springer"
- "Bild: Wie man 'Time' zitiert"
- "Gastredner: Dutschke an vielen Fronten"
- "SPD West-Berlin: Schütz 1968 Landesvorsitzender?"
- "Extra über uns"
- "Zitat der Woche: Was bleibt einem geduldigen AStA übrig?"
- "Interessenverbände: Protest gegen Anti-Protest"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Extra-Dokumentation"
- "Extra-Diskussion"

Berichtet wird u. a. über Rudi Dutschke, gegen den ein Verfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet wurde, ("Anlass war die Protestdemonstration gegen den Landfriedensbruch-Prozess gegen Fritz Teufel in Moabit") und über die Fritz Teufel Demo. Dazu heißt es: "Die Reaktion der Bevölkerung auf die Demonstration für Fritz Teufel vor dem Moabiter Kriminalgericht kann nicht als eindeutig bezeichnet werden. Passives Verhalten der Passanten, aggressive Handlungen von Moabiter Bürgern gegen Demonstranten und spontane Solidaritätsaktionen wurden beobachtet. Vereinzelt hatten Bewohner der Turmstraße und der Nebenstraßen Wasser aus den Häusern auf die Demonstranten geschüttet, oder Demonstranten, die sich vor dem Strahl der Wasserwerfer in Hauseingänge flüchtete, bei Polizisten denunziert. (…) Zwischen Bauarbeitern und Studenten, die mit roten Fahnen für Teufel demonstrierten, kam es zu Diskussionen, in deren Verlauf auch das Vorgehen der Polizei gegen streikende Arbeiter in Hessen erörtert wurde. Die ursprünglich ablehnende Haltung der Arbeiter schlug zusehends in Solidarisierung".

Berichtet wird weiter über Rudi Dutschke, der sich vor Vorträgen kaum retten kann. Am 30.11. soll im RC eine Diskussion über "Politische Justiz" mit Knut Nevermann, Günter Weigand u. a. stattfinden. Im RC findet am 2.12. ein Vortrag über das Thema: "Neo-Psychoanalyse und Kultur" statt. Josef Rattner hält den Vortrag. Von der "Deutsch-israelischen Studiengruppe" an der FU erscheint die Zeitschrift "Diskussion", die sich mit dem Nahostkonflikt auseinandersetzt. Autoren sind u. a. Iring Fetscher, Herbert Marcuse, Kurt Sontheimer. In der Extra-Dokumentation: "Fritz Teufel vor Gericht" heißt es einleitend: "Fritz Teufel machte sich, nachdem ihm die Justiz die Schreibmaschine weggenommen hatte, in Untersuchungshaft 'Prophylaktische Notizen zur Selbstbezichtigung'. Die Originalnotizen wurden EXTRA-Dienst zur Verfügung gestellt. Wir drucken sie im Wortlautnach. Fritz Teufel trug sie am Montag dem Gericht vor. Er wurde dabei einmal unterbrochen. Als er nämlich (siehe Zwischentitel 'Schmierenkomödie') ironische Zweifel daran äußerte, dass Lübke während des Krieges Pläne für Konzentrationslager entwarf".

In der Extra-Diskussion: "Pamphlete gegen Paragraphen. Erwiderung zu einer Anmerkung". "Martin Buchholz hält den vom Pressearbeitskreis des Republikanischen Clubs vorgelegten Entwurf eines Bundesgesetzes zur Wahrung der Pressefreiheit 'für wenig, teilweise sogar gefährlich', und ist der Auffassung, dass die 'Enteignet Springer-Diskussion dadurch in ein falsches Fahrwasser gekommen ist, aus dem sie wieder heraus manövriert werden muss".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 56, West-Berlin, 29. November 1967.

02.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 57 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Betrifft: Reisebericht eines bundesdeutschen Politikers".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Propaganda-Aktion: kein Ballon mehr nach drüben"
- "Hotel Kurfürstendamm: NPD-Schlägertrupp gegen jüdische Bürger"
- "IG Metall: Solidarisch mit den Studenten West-Berlins"
- "KPdSU: Verärgert über Moskauer Zeitungsartikel"
- "BRD und Polen: Gemeinsame Bischofskonferenz in Österreich?"
- "GSG: Sickerts Erpressungsversuche gescheitert"
- "Katholisches Zentralorgan. Start im Februar 1968"
- "Springer-Blätter: Werben mit Fritz Teufel"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Hinweise des Republikanischen Clubs"
- "Martin Buchholz: Extra Report"
- "Extra-Dokumentation"
- "Junge Linke West-Berlin: Forderung nach Aktionsprogramm"
- "Dietrich Kittner: Vorschlag für ein Volksermächtigungsgesetz"

Berichtet wird u. a. über die Ballon-Propaganda des SPD-Ostbüros. Diese wurde Ende Oktober eingestellt, über NPD-Schläger gegen jüdische Bürger West-Berlins, über die IG Metall, die sich solidarisch mit den West-Berliner Studenten zeigt. Eine Solidaritätsadresse hat u. a. den Wortlaut: "Mit tiefer Bestürzung haben die unterzeichneten Gewerkschafter von dem empörenden Freispruch des Berliner Kriminalobermeisters und prämierten Scharfschützen Kurras Kenntnis genommen, der den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat. Während Kurras von Anfang an auf freiem Fuß war, wird der Demonstrant Fritz Teufel in Untersuchungshaft gehalten. Wir sehen in diesem ebenso schändlichen wie verhängnisvoll Urteil eine alarmierende Parallele zu der politischen Justiz in der Weimarer Republik. Professor Gumbel hat in seinen Dokumentarbänden deutlich gemacht, wie sehr damals die politische Linke und Rechte mit zweierlei Maß gemessen wurden. Gumbels Werke sollten heute demonstrativ in den Buchhandlungen, Klubs und Studentenräumen ausgelegt werden. Die Berliner Ereignisse lassen ahnen, wie verhängnisvoll sich eine zusätzliche Notstandsgesetzgebung in den Händen dieser Obrigkeit auswirken müsste. Da das Berliner Landgericht den Tatbestand nicht aufgeklärt und seine politischen Hintergründe bewusst ausgeklammert hat, erscheint uns eine öffentliche Untersuchung des Todes von Benno Ohnesorg notwendig. Aus Protest gegen dieses Urteil sprechen wir dem AStA der Freien Universität und der Technischen Universität sowie der Witwe von Benno Ohnesorg unsere Solidarität aus". Unterzeichner sind u. a. Vorstand Georg Benz, Jacob Moneta, Chefredakteur der 'Metall'.

Berichtet wird weiter über den DGB-Vorsitzenden Walter Sickert. Dazu meint der "Gewerkschaftliche Arbeitskreis im Republikanischen Club: "Der Gewerkschaftliche Arbeitskreis im Republikanischen Club hat folgende Stellungnahme abgegeben: Der Bruch zwischen dem DGB und der GSG hat seine Ursache in der unterschiedlichen Einschätzung der politischen Realitäten in West-Berlin. Während es der Landesbezirksvorsitzende W. Sickert immer noch für richtig hält-sogar im Gegensatz zur politischen Führung der Stadt-an der Politik des kalten Krieges festzuhalten, gibt es in den DGB-Gewerkschaften zahlreiche Mitglieder, die um die Existenz ihres Arbeitsplatzes besorgt sind. Sie können-im Gegensatz zu Herrn Sickert- eine Änderung der politischen und wirtschaftlichen Situation nur in einer Änderung der Politik zur DDR sehen. Der Gewerkschaftliche Arbeitskreis im RC unterstützt die Politik der GSG und wird der GSG die Möglichkeit geben, im Interesse der Arbeitnehmer dieser Stadt ihre Arbeit fortzusetzen".

Am 2.12. soll im SDS-Zentrum mit Mitgliedern des SDS und der Falken-Gruppe 'Spartakus' eine Diskussion mit Alain Krivine über die "Auswirkungen der Kolonialrevolution auf die französische Jugendbewegung" stattfinden. Vertreter des AStA an der FU wollen am 8.12. mit jungen Gewerkschaftern über Politik diskutieren. Am 6.12. soll in der Evangelischen Kirchengemeinde Zehlendorf ein Podiumsgespräch über "Die studentischen Unruhen in West-Berlin - Nur eine studentische Unruhe?" stattfinden. Am 4.12. Will Ingeborg Küster (Hannover) im RC einen Vortrag über Kuba halten. Im Extra-Report berichtet Martin Buchholz über "Polizisten in Moabit" und über Fritz Teufel. In der Extra-Dokumentation: "Betrifft: Reisebericht eines bundesdeutschen Politikers" wird über Bundesinnenminister Lücke berichtet, der vom 9.-14.9. nach Persien reiste, "um seine Kaiserliche Majestät hinsichtlich seines betrüblichen Bundesrepublik-Aufenthaltes zu beruhigen".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 57, West-Berlin, 2. Dezember 1967.

06.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 58 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Pfarrer Kanitz: Wir können nicht länger schweigen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Anerkennungsdiskussion: Aufforderung zum 16. Dezember"
- "Justiz: Kampagne gegen Rechtsanwalt Mahler"
- "Teufel-Entlastungszeuge: Verdrehte Protokolle"
- "US-Mission: Angst vor diplomatischer Unterwanderung"
- "DDR-Anerkennung: Neu-Delhi wartet auf Araberliga"
- "SDS: Kapitalisten Begrüßung bei Kempinski"
- "Kapitalflucht: Schering kommt unter die Räder"
- "Steinstücken: Das alte Spiel aufs Neue"
- "Januar in Essen: Konferenz der Opposition"
- "Galinski: Über NPD-Zwischenfall empört"
- "Heidelberg: Ein 'Bittgang' für Teufel"
- "Saarbrücken: Republikanischer Club gegründet"
- "Zeitschrift der Polizei: Beträge von Tarantel-Press"
- "Handelsblatt: Handelsbeilage in russischer Sprache"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Mitteilungen des republikanischen Clubs"
- "Extra-Dokumentation"
- "Extra über uns"
- "Hartmut Lange: Kulturbetrieb und Refaschisierung"

Berichtet wird u. a. über den RC und die Verbände der außerparlamentarischen Opposition, die dazu auffordern, am 16.12. Diskussionen auf dem Kurfürstendamm "über die Anerkennung der DDR zu führen", über eine Justizkampagne gegen Horst Mahler, "die ganz gezielt einen Anwalt kaltstellen sollen", über den Prozess gegen Fritz Teufel. So soll sich herausgestellt haben, "dass die Protokolle der Staatsanwaltschaft unvollständig sind". Die US-Mission in West-Berlin hat angeordnet dass "alle in West-Berlin ansässigen Militärmissionen ab sofort mit amerikanischen Kennzeichen fahren müssen". Damit "möchten die Amerikaner einer schleichenden Unterwanderung des Besatzungsstatus West-Berlin durch offizielle östliche Vertretungen wehren".

Eine Aktionskonferenz der APO soll am 13./14.1.1968 in Essen stattfinden. Gastgeber ist die "Kampagne für Abrüstung". Es sollen eine Reihe von Themen diskutiert werden:
- Krise der Demokratie in der Bundesrepublik
- Notstandsgesetzgebung
- Meinungsmanipulation
- Verfall des Parlamentarismus
- APO
- Strategie der Kampagne für Abrüstung in der außerparlamentarischen Opposition

Berichtet wird noch über die Gründung des RC in Saarbrücken. Die "Akademie der Künste" will am 9./10.12. folgende Filme zeigen:
- 9.12: "Das Ende der Romanow-Dynastie"
- 9.12.: "Die Donmbaß-Symphonie"
- 10.12.: "Face to Face"

Der RC hat am 1.12. Einen neuen Arbeitskreis konstituiert, der sich "mit methodischen und praktischen Fragen von politischen Aktionen beschäftigen will". Am 16.12. soll im RC ein Gespräch mit dem Deutschland-Korrespondenten von "Le Monde", Roland Delcour, stattfinden. In Extra über uns wird noch einmal über die "Sportpalast GmbH" berichtet, wo die Veranstaltung des DGB zur Notstandsgesetzgebung stattfand. In der Extra-Dokumentation: "Pfarrer Kanitz: Wir können nicht länger schweigen" geht er in einer Predigt vom 27.11. auch auf Fritz Teufel ein, den Krieg in Vietnam und den Studenten-Protest. Hartmut Lange äußert sich zu "Kulturbetrieb und Refaschisierung". Der BED veröffentlicht eine Rede, die er in der "Akademie der Künste" hielt. Erörtert wird u.a. die "Frage nach dem Zusammenhang zwischen Kunst und Politik", "die Frage nach der Notwendigkeit einer Kulturrevolution des Westens".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 58, West-Berlin, 6. Dezember 1967.

09.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 59 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "KI-HO an Schütz: "Das war keine Diskussion".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Aktion Selbstanzeige: 1.500 'Landesfriedensbrecher"
- "Kammergericht: Diskussionsfreiheit in der City erhalten"
- "Hotel Kempinski: Kapitalisten-Begrüßung ab 17.00 Uhr"
- "Kurfürstendamm: Versteigerung der Gänsefüßchen"
- "Tagesspiegel: Wahlhilfe für rechte TU-Studenten"
- "West-Berliner Wirtschaft: Wahlhilfe für rechte FU-Studenten"
- "Scheuch-Untersuchung: SPD-Wähler als restaurativ entlarvt"
- "Waggon-Arbeiter: Protest bei CDU und SPD"
- "West-Berliner Südosten: Sozialistischer Club konstituiert"
- "Vietnam-Solidarität: Polizisten gegen Demonstranten"
- "Spitzel gegen Demonstranten: Aktion in Gießen wurde angeheizt"
- "RC Köln: Demonstration vor der Oper in Bonn"
- "Bertelsmann-Gruppe Konzentration geht weiter"
- "Hilfe für Vietnam: 75.000,- DM in West-Berlin gespendet"
- "Fall Hotel Kurfürstendamm: Jetzt beim Arbeitsgericht"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Mitteilungen des Republikanischen Clubs"
- "Extra-Dokumentation"
- "Extra-Diskussion"

Berichtet wird u. a. über die Aktion "Selbstanzeige" von "Landfriedensbruch", mit der die APO beginnen wolle (das heißt: "Jeder West-Berliner, der seit Dezember 1966 an einer nicht genehmigten Demonstration teilgenommen hat, soll sich selbst anzeigen"), über die sog. "Kapitalisten-Begrüßung" des SDS im Hotel Kempinski am 11.12. Dort treffen sich die Spitzen der westdeutschen Industrie und der Banken. Berichtet wird weiter übe den "Sozialistischen Club", der jetzt in Neukölln gegründet wurde. Dieser strebt eine Zusammenarbeit mit dem RC an. Der SC will sich auf die Arbeiterbezirke in West-Berlin konzentrieren. Die erste öffentliche Veranstaltung ist für den 14.12. geplant. Der "Gießener Wochenspiegel" deckt einen Skandal auf: der Verfassungsschutz soll zwei Studenten aufgefordert haben, dem SDS beizutreten, um diesen auszuspionieren. Der RC Köln will mit einer Demo am 9. 12. auf den von der Todesstrafe bedrohten Koreaner Isang Yun aufmerksam machen.

Der "Ständige Arbeitsausschuss für Frieden, nationale und internationale Verständigung" in West-Berlin weist auf den Erfolg einer Vietnam-Kampagne hin: "Bisher wurden 75.000,- DM gespendet. Ziel sei es, "100.,- DM für die Nationale Befreiungsfront Südvietnams zu sammeln". Zum Tag der Menschenrechte soll am 10.12. im Konzertsaal der Hochschule für Musik eine Lesung stattfinden, mit Martin Held, Peter Lühr, Helmut Griem u. a. Am 12.12. soll im Auditorium Maximum der FU eine Podiumsdiskussion mit Rolf Hochhuth, David Irving und Marcuse stattfinden. Am 15.12. will Degenhardt im RC auftreten.

In der Extra-Dokumentation: "KI-HO an Schütz: Das war keine Diskussion" heißt es u. a.: "Mit dem Ausdruck des Bedauerns stelle ich mit einer großen Zahl meiner Kommilitonen fest, dass wir auf lange Sicht keine Chance sehen, mit dem Berliner Senat eine wirkliche vernünftige und inhaltsbezogene Diskussion zu führen". In der Extra-Diskussion von Dr. Sommer: "Die Parole sollte heißen: "Entmachtet Springer". Dieser geht auf den vom RC der Öffentlichkeit vorgelegten "Gesetzesentwurf" zu Springer ein. Danach meint Sommer u. a., dass "eine Enteignung des Springer-Konzerns weder nach dem Grundgesetz noch nach der Berliner Verfassung allein möglich ist". Die Parole sollte heißen: "Entmachtet Springer". Aufgerufen wird zur Diskussion am 16.12. zur öffentlichen Diskussion auf dem Kurfürstendamm zum Thema: "Anerkennung der beiden deutschen Staaten-Anerkennung der DDR".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 59, West-Berlin, 9. Dezember 1967.

13.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 60 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Fritz Vilmar: Forderungen an den DGB".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Industriellen-Hilfe: Ein Berg-Werk für West-Berlin"
- "Jungsozialisten-Kongress: manipuliert und gesprengt"
- "Melina Mercouri: Appell an die westdeutsche Jugend"
- "US-Kirchen: Asyl für Wehrdienstverweigerer"
- "US-Rückzug aus Vietnam: Forderung aus sechs Staaten"
- "Jungbuchhändler: Gewerkschaftliche Organisieren"
- "Springer-Auslieferung: Polizeischutz gegen Kameras"
- "Gewerkschaftszeitung: Mit Sickert, Springer und Tarantel-Press"
- "Sozialistischer Club: Forum zur Eröffnung"
- "Mitteilungen des Republikanischen Clubs"
- "Hinweise der Redaktion"
- "Martin Buchholz: Extra-Report"
- "Extra-Dokumentation"

Berichtet wird u. a. über das für den 11.12. angekündigte Treffen des "Bundesverbandes der Deutschen Industrie". Eine angedachte Gründung "eines Arbeitskreises Berlin der deutschen Industrie" "erwies sich noch am selben Tag als bloße Peinlichkeit", über den Mainzer Bundeskongress der Jungsozialisten, der durch den Auszug einiger Delegationen "gesprengt wurde". In West-Berlin sei es in der Zwischenzeit "zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen". Rund "70 Prozent stehen hinter der angenommenen 'Deutschland Erklärung', die die West-Berliner ablehnen". US-Kirchen bieten Wehrdienstverweigerer Asyl an. Das Engagement der USA in Vietnam wird von einigen westeuropäischen Staaten abgelehnt, u. a. von: Finnland, Schweden, Frankreich, Brasilien. Ernst Mandel will am 14.12. in West-Berlin im "Sozialistischen Forum" die Eröffnungsrede zur Eröffnung halten. Am 13.12. will Ernst Hagemann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im RC über Maos Kulturrevolution referieren. Der Arbeitskreis "Bürokratie und Rätesystem" tagt am 14.12. im RC. Am 15.12. soll im "Bellevue" der Film: "Berlin" gezeigt werden.

Im Extra-Report berichtet Martin Buchholz über den "Teufel-Prozess". "Polizisten im Ausnahmezustand". Dazu heißt es noch: "Es wird sich nach diesem Prozess wieder einmal herausstellen, dass die einzigen, ungeschoren davonkommen, die Polizeibeamten und ihre Einsatzleiter sein werden. (…) Egal, ob sie Wehrlose niederprügelt. Egal, ob ein Demonstrant erschossen wurde. Egal, ob sie vor Untersuchungsausschüssen und Gerichten Meineide leisten. Stets handelten sie in nervösem Ausnahmezustand. Seien wir gerecht-auch gegenüber Gericht und Staatsanwaltschaft: Wenn schon die Polizei so schwer an diesem Ausnahmezustand leidet: Warum sollte er nicht auch der Justiz zugebilligt werden?" Fritz Vilmar veröffentlicht einen Vorschlag zu Schwerpunktprogrammen des DGB: "Forderungen an den DGB". Angehängt ist das Flugblatt Nr. 6 der APO: "Warum sind wir für die Anerkennung der DDR?" Geworben wird für die eigene Zeitung.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 60, West-Berlin, 13. Dezember 1967.

16.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 61 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "DDR-Gesellschaft: Wege mit der Mitbestimmung".
Artikel der Ausgabe sind:
- "DDR-Verfassung: Volksentscheid in zwei Jahren"
- "Anerkennungs-Diskussion: Establishment wird nervös"
- "TU West-Berlin: Rechte Materialschlacht mit spärlichem Erfolg"
- "Verfassungsschutz-Skandal: Hessen-SPD distanziert sich"
- "Teufel-Prozess: Opfer von Polizei-Zeugen"
- "Teufel-Prozess: Rechtsanwalt Mahler plädierte"
- "CDU-Sprecher: Ich freue mich, auf Arbeiter zu schießen"
- "Selbstanzeige: Aktion Landesfriedensbruch läuft"
- "Staatsanwälte in Moabit: Hohn für die Opfer"
- "Verlagshaus Grunewald: Krach in den Redaktionen"
- "Verlagshaus Grunewald: Springers Dank an Arno Schulz"
- "Ost-Berliner Ohnesorg Song: Jetzt auf Platte"
- "Spenden für den Vietcong: Sammlung an der FU"
- "Spenden für Antifaschisten: Basar im Club CA IRA"
- "Extra Dokumentation"
- "Mitteilungen des Republikanischen Clubs"
- "Hinweise der Redaktion"

Berichtet wird u. a. über die DDR-Verfassung, die "erst nach zweijähriger öffentlicher Diskussion verabschiedet werden soll". Die "Anerkennungsdiskussion" des RC auf dem Kurfürstendamm soll das "Establishment sichtlich nervös gemacht haben". So habe der "Demokratische Club" (…) "zur Mobilisierung aufgerufen", über die Parlamentswahlen an der TU, wo es der Linken gelang von 20 auf 29 Sitze zu erhöhen. "Mit Genugtuung wurde verzeichnet, dass die Rechte nur noch drei Hochburgen an der TU hat. (…) Das Wahlergebnis wertet die Linke vor allem wegen der massiven finanziellen Einsatzes der Rechten als Erfolg für sich". Weiter wird berichtet über einen "Verfassungsschutz-Skandal in Hessen", über den Teufel-Prozess, der mit 5 Monaten-ohne Anrechnung der U-Haft-Gefängnis bestraft werden soll. RA Mahler hält sein Plädoyer, "nannte Teufel das 'Opfer von Polizei-Zeugen', die ihn in 'verbrecherischer Absicht' verleumdet haben. Berichtet wird von der sog. "Selbstanzeigen-Aktion" des AStA der FU. "Die Selbstanzeigen werden beim AStA der FU gesammelt und gebündelt, von dort an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet". An der FU wurde für den Vietcong gespendet. Aufgefordert wird dazu, an anderen Institutionen "ähnliche Aktionen einzuleiten".

In der Extra-Dokumentation: "DDR-Gesellschaft: Wege der Mitbestimmung" heißt es einleitend: "Seit Ende Oktober hat die DDR, nahezu unbemerkt von der westlichen Welt, die überbetriebliche Mitbestimmung der Arbeiter eingeführt. Grundlage dafür ist das neue Statut der gesellschaftlichen Räte bei den Vereinigungen volkseigener Betriebe (VVB), also den einzelnen Industriezweigen. In der Präambel des Statuts heißt es dazu, dass das ökonomische System des Sozialismus-in die uns zugänglichere Sprache der westlichen Welt übersetzt-auf zwei Voraussetzungen beruht: Auf der Mitverantwortung und Mitbestimmung der Einzelnen und der Lenkung durch die Gesellschaft. Neben diesem ideologischen Ziel ist eine volkswirtschaftliche Zielsetzung der neuen Einrichtung nicht zu übersehen: Es soll dem Betriebs- und Branchenegoismus entgegengewirkt werden, indem die Mitbestimmung überbetrieblich geregelt wird, indem der Horizont der Fachvertreter durch Diskussionen mit Wissenschaftlern, Vertretern des Binnen-und Außenhandels und der Zuliefererindustrie geweitet wird. In den Gesellschaftlichen Räten beraten und beschließen daher Vertreter dieser Organe zusammen mit Arbeitern aus den Betrieben des Industriezweiges sowie Funktionären der Partei, der Gewerkschaft und des Staates. Die Arbeitervertreter werden von ihren Kollegen gewählt; die branchenfremden Mitglieder des Rates werden vom Ministerrat berufen.

In seiner Reihe der Selbstdarstellungen des DDR-Sozialismus veröffentlicht 'EXTRA-Dienst' auf den folgenden vier Seiten das im DDR-Gesetzblatt vom 19. Oktober 1967 verkündete Statut der gesellschaftlichen Räte und eine Ausführungsbestimmung des Ministerrates der DDR. Es ist zu erwarten, dass diese Wiederbelebung des Rätegedankens in der DDR die Diskussion über Rätedemokratie in der Bundesrepublik und in West-Berlin befruchtet". Angehängt ist das satirische Flugblatt der APO, das "anlässlich der Konstituierung des West-Berliner Arbeitskreises der westdeutschen Industrie vor dem Hotel Kempinski" verteilt wurde.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 61, West-Berlin, 16. Dezember 1967.

20.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 62 erscheint mit einer Extra-Dokumentation: "Professoren-Analyse: Zur Situation an den Hochschulen".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Ost-Berlin: West-Berlin einwandfrei DDR-Territorium"
- "Aktion Selbstanzeige: Schon 600 'Landesfriedensbrecher'"
- "Teufel-Prozess. Aktion nach dem Spruch"
- "West-Berliner Zeitstück: Thriller über Repression"
- "Bauland-Spekulation: Minister Lücke beteiligt"
- "Unpolitischer ADAC: Mitglieder blieben ohne Antwort"
- "Information: Selbstbezichtigungen von CDU und SPD-Anhängern"
- "Springer: Machtkampf in München mit der AZ"
- "Dutschke: Fernsehen sollte Sendung absetzen"
- "Mannheim: Republikanischer Club gegründet"
- "Köln: Verfassungsschutz gegen Kirchen-Diskussion mobilisiert"
- "Spitzelwesen: Zwei Organisationen auf Griechen angesetzt"
- "Personalien"
- "Mitteilungen des Republikanischen Clubs"
- "Hinweis der Redaktion"
- "Extra über uns"
- "Extra-Dokumentation"
- "Extra-Auslese"

Berichtet wird u. a. über die DDR-Regierung, die der Auffassung sei, dass West-Berlin "Territorium der DDR" ist, über die "Aktion-Selbstanzeige" des AStA der FU. Bereits "600" Selbstanzeigen seien eingegangen. Studenten der FU "haben sich dafür ausgesprochen, am Tag der Urteilsverkündung im Teufel-Prozess eine zweite 'Demonstration der Landesfriedensbrecher' zu veranstalten". Berichtet wird weiter über das Gaus-Interview mit Rudi Dutschke. In Bremen hat sich ein AK der APO konstituiert. Mit dabei sind: Notstandsgesetzgegner, Gewerkschafter, Studenten- und Schülerverbände. "Das Komitee will Aktionen organisieren und praxisbezogene theoretische Arbeit leisten". Weiter heißt es dazu: "Geplant sind Go-ins bei Gerichtsverhandlungen gegen Wehrdienstgegner, Sexualaufklärung für Schüler und Jugendliche sowie die Beobachtung der Verladung amerikanischen Kriegsmaterials für Vietnam in den Häfen von Bremen und Bremerhaven. Eine Zusammenarbeit mit außerparlamentarischen Gruppen in anderen Städten wird angestrebt. Erwogen wird auch, nach dem Vorbild in West-Berlin, Hamburg, Saarbrücken, Köln und anderen Städten, die Gründung eines Republikanischen Clubs Bremen". Berichtet wird weiter über die Gründung eines RC in Bremen, der sich am 15.12. konstituiert hat.

Griechische Gastarbeiter sollen von Geheimdienstagenten bespitzelt worden sein. Biographische Daten gibt es zu: Rudi Arndt, Kurt Georg Kiesinger. Erwin Bürckmann, Betriebsrat bei Daimler-Benz, will am 20.12. im Haus der "Sozialistischen Jugend Tempelhof'" auf Einladung der Falken-Gruppe "Spartacus" über "Erfahrungen und Perspektiven der Gewerkschaftsarbeit in Westdeutschland" berichten. In der Extra-Dokumentation: "Professor-Analyse: Zur Situation an den Hochschulen" hat der Direktor der Frankfurter Uni-Kinderklinik, Prof. Hövels, "für die Medizinische Fakultät der Universität eine Analyse zur Situation an den Hochschulen angefertigt". Der BED dokumentiert diese Analyse. Und in der Extra-Analyse: "Die Sprache der Reaktion: Wahnsinnige, Verlauste, Spinner" geht es um die "Anerkennungsdiskussion auf dem Kurfürstendamm", die "anonyme Briefschreiber mobilisierten". Einige Äußerungen werden veröffentlicht.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 62, West-Berlin, 20. Dezember 1967.

23.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 63 erscheint mit den Extra-Dokumentationen: "Manifest der Hochschulen gegen die Notstandsgesetze" und "In Sachen Landfriedensbruch".
Artikel der Ausgabe sind:
- "Polizei-Werner: Durch Dokumente schwer belastet"
- "Schubladengesetze: Bargeld kann rationiert werden"
- "Weltjugendfestival: Flüchtlings-Jugend will teilnehmen"
- "Kalte Krieger: Wieder Geld aus der Staatskasse?"
- "Welt-Redakteur: Als NS-Schreiber: Dem Feind an die Kehle"
- "Jungsozialisten: Kongress soll nicht fortgesetzt werden"
- "Jungsozialisten West-Berlin: Misstrauen gegen ihre Führung"
- "Rechtsanwalt Mahler: Erfolg vor dem europäischen Gerichtshof"
- "Rechtsanwalt Mahler: Schadensersatzklage im Fall Teufel"
- "Bonner SPD-Organisation: Ruck nach Links"
- "Personalien"
- "Extra-Dokumentation"
- "Extra-Meinung"
- "Extra-Weihnacht"

Berichtet wird u. a. über den Kommandeur der West-Berliner Schutzpolizei, der "durch Dokumente wegen seiner Tätigkeit während der nationalsozialistischen Herrschaft schwer belastet wird", über das "Schubladengesetz über die Notverordnung auf dem Gebiet des Geld- und Kreditverkehrs", das "als einzige nicht außer Kraft gesetzt worden ist". Der Sozialisten-Kongress von Mainz, der mit dem Auszug von West-Berliner Delegierten endete, "soll nicht fortgesetzt werden". Die BRD muss sich am 9.1.198 "wegen der Haftpraktiken des Landgerichtsdirektor Pahl vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg rechtfertigen". Pahl ist seinerzeit Haftrichter von Teufel. Gegen das Land Berlin "will Rechtsanwalt Mahler eine Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft seines Mandanten Fritz Teufel anstrengen". Biographische Daten gibt es zu: Jacob Tauber, Karl-Heinz Kurras.

In der Extra-Dokumentation: "Manifest der Hochschulen gegen die Notstandsgesetze" heißt es einleitend: "Das im Oktober vom AStA der Universität Frankfurt vorgelegte Hochschulmanifest gegen die Notstandsgesetze, wurde bisher von mehr als 30 000 Studenten und 300 Professoren unterschrieben. Der Frankfurter AStA erklärte, das Dokument sei besonders bemerkenswert, weil es nicht von Studentenverbänden, sondern von einzelnen Studenten und AStA als von allen Studenten gewählten Vertretern unterzeichnet wurde. Das Hochschulmanifest soll jetzt auch der außerstudentischen Bevölkerung zur Unterzeichnung vorgelegt werden. Es wird damit gerechnet, dass das Dokument in den nächsten Wochen von mehr als 100. 000 Bürgern unterschrieben wird". "In Sachen Landfriedensbruch, dokumentiert aus aktuellem Anlass Eberhard Sommer über die "Politische Justiz".

In der Extra-Meinung: "Teufel-Freispruch: Kein Freispruch für die Justiz" wird bekannt gegeben, dass Fritz Teufel freigesprochen wurde, "aus Mangel an Beweisen". Die Urteilsbegründung, die der BED dokumentiert, "ist richtig gelesen, nichts anderes als eine Anklageschrift gegen die politisierende Justiz dieser Stadt".
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 63, West-Berlin, 23. Dezember 1967.

29.12.1967:
Der "Berliner Extra-Dienst" (BED) Nr. 64 erscheint.
Artikel der Ausgabe sind:
- "31 Bremer Pastoren: Auch Jesus störte die Ordnung"
- "Innensenator: Materialsammlung gegen Dutschke"
- "Sozialistischer Club: SPD will ausschließen"
- "Springer: DJV-Geschäftsführer soll gehen"
- "Offenbach: Polizeipräsident unterschrieb Vietnam-Protest"
- "Sozialistische Opposition: Aktionsprogramm im Februar"
- "Köln: Außerparlamentarische Opposition wächst"
- "Gedächtniskirche: Schlichte Christen"
- "Gedächtniskirche: Offener Brief an Helbich"
- "Abendzeitung München: Gegendarstellung erwünscht"
- "Witz der Woche"
- "Extra über uns"
- "Gibt es eine Krise in Spree-Athen? Vorabdruck eines 'Spargel'-Gesprächs über Kunst und Politik"
- "Sachregister für Extra-Dienst, Jahrgang 1967"
- "Extra-Auslese"

Berichtet wird u. a. über Bremer Pastoren, die meinen, "Auch Jesus störte die Ordnung", mit dem Hinweis auf Rudi Dutschke, der zu Weihnachten aggressiv angegangen worden war, über den Innensenator, der "Material gegen das SDS-Mitglied Rudi Dutschke sammelt". Mitglieder des SC will die SPD-Führung ausschließen. Berichtet wird weiter von einem Polizeipräsidenten, der einen Vietnam-Protest unterschrieb.

Berichtet wird weiter von der "Vereinigung Unabhängiger Sozialisten", vom "Sozialistischen Bund" und der "Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Opposition". Man habe ein "gemeinsames Aktionsprogramm" am 17.6. in Frankfurt/M. beschlossen. Neben den genannten Gruppen waren auch vertreten: DFU, SDS, ADS "sowie der Sozialistischen Opposition aus 26 Städten der Bundesrepublik und aus West-Berlin". Ziel der Gruppen sei es, "die politischen und organisatorischen Ansätze zur Bildung eines sozialistischen Zentrums in kritischer Auseinandersetzung voranzutreiben". Am 3.2.1968 soll die nächste Konferenz stattfinden. In Köln fand eine Vietnam-Demonstration mit "2.000 Menschen teil". Berichtet wird weiter von einem "Offenen Brief" an den Superintendenten der Evangelischen Kirche, in dem Gemeindemitglieder den aggressiven Akt gegen Dutschke in der Gedächtniskirche verurteilen. Angelegt ist ein Sachregister des BED, Jahrgang 1967. In der Extra-Auslese wird das Bild Springers von den Studenten beurteilt.
Q: Berliner Extra-Dienst, 1. Jg., Nr. 64, West-Berlin, 29. Dezember 1967.

Letzte Änderung: 17.07.2021